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Böse Überraschung: Verzogene Turbine erfordert Investition von neun Millionen

Millionenschaden: Kraftwerk Veltheim muss Block 3 wochenlang abschalten

Rinteln/Veltheim (ly). Millionenschaden an der Turbine im Block 3 des Gemeinschaftskraftwerks Veltheim (GKV) und eineÜberraschung, als die Turbine näher inspiziert wurde: Mit rund neun Millionen Euro ist die Revision etwa 1,5 Millionen Euro teurer geworden als zunächst erwartet.

veröffentlicht am 29.09.2006 um 00:00 Uhr

Rolf Baumeister

Hinzu kämen seit dem 20. August bis zu 100 000 Euro Ausfallkosten pro Tag, bilanzierte jetzt GKV-Geschäftsführer Rolf Baumeister bei einem Pressegespräch. Eigentlich hätte die Revision bereits vor fünf Wochen beendet sein sollen. Ein kapitaler Schaden an der Turbine, festgestellt beim Zerlegen, führte jedoch zu Verzögerungen. "In erster Linie verdienen wir unser Geld mit Block 3", so Umweltbeauftragter Winfried Winhold. "Wenn der nicht läuft, verdienen wir weniger." Nun müssen beide Gesellschafter, E.on und die Stadtwerke Bielefeld, tiefer in die Tasche greifen. Anfang kommender Woche soll Kohleblock 3 nach 16 Wochen wieder ans Netz gehen. Bereits 2004 hatten sich sechs Laufschaufeln des Niederdruckläufers verabschiedet. Dieser Turbinenschaden ließ sich zunächst provisorisch reparieren, ein geringerer Wirkungsgrad wurde in Kauf genommen. Bei der Revision zeigte sich jetzt, dass die kaputten Laufschaufeln nur die Wirkung waren, nicht die Ursache. Letztere lag in einer verzogenen Turbine. Ober- und Untergehäuse passten nicht mehr zusammen. "Die Wellen müssen auf hundertstel Millimetern genau eingestellt werden", erklärt Baumeister. Teile der Turbine wurden bei Siemens in Essen wieder auf Vordermann gebracht, andere im polnischen Breslau. Allein die Reparatur kostet sechs Millionen Euro. Viel Geld, aber die Turbine, im Einsatz seit 1970, soll noch bis mindestens 2018 laufen. Sommerzeit ist Revisionszeit im Kohlekraftwerk. Doch durch die Verzögerung bei der turnusmäßigen Überholung von Block 3, wo auch Ersatzbrennstoffe wie Abfall, Klärschlamm und Tiermehl verfeuert werden, gerät der Zeitplan durcheinander. Durch die Verzögerung wird es nun zumindest in diesem Jahr nichts mehr mit der ebenfalls geplanten zehnwöchigen Revision von Block 4, der mit Gas betrieben wird. Losgehen sollte es Anfang September. Voraussichtlich beginnen die Arbeiten jetzt im Februar. Investiert werden noch einmal 4,7 Millionen Euro. Während der Revision von Block 3 waren teilweise fast 200 Beschäftigte anderer Firmen mit Arbeiten in Veltheim befasst. Eine Gefahr für Menschen durch die defekte Turbine, die mit anderthalbfacher Schallgeschwindigkeit läuft, hat nach den Worten Baumeisters nicht bestanden. Drumherum sei ein dickes Gehäuse, da könne normalerweise nichts passieren, so der Geschäftsführer. "Außerdem hat die Turbine eine Automatik und schaltet sich selbst ab."

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