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"Schaumburger Bühne" bietet im Schlosspark ein Stück keineswegs moralinsauren Deutungstheaters

Meuchelserie als Mordsvergnügen inszeniert

Bückeburg (bus). Im wirklichen Leben erfüllt eine achtfache Tötung sicher nicht den Tatbestand eines astreinen Pläsiers. Auf der Theaterbühne unterdessen, zumal, wenn die Darsteller ausdrücklich eine Kriminal-Komödie annoncieren, kann solch eine Meuchelserie durchaus einem Mordsvergnügen gleichkommen. Gemessen am Beifall, der am Wochenende im Schlosspark die Aufführung der Schaumburger Bühne "Schau nicht unters Rosenbeet" begleitete, darf die Schilderung des massenhaften Ablebens als sehr gelungen bezeichnet werden.

veröffentlicht am 15.07.2008 um 00:00 Uhr

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Dass bei einer derartigen Häufung unnatürlichen Hinscheidens den Autor (Norman Robbins) ohnehin andere Interessen umtreiben, als moralinsaures Deutungstheater auf die Bühne zu stellen, steht gleich von der ersten Szene an außer Frage. Robbins siedelt sein Personal, allen voran die Mitglieder der Familie Henk, dermaßen weit außerhalb gewöhnlicher Lebensumstände an, dass den Zuschauern jegliche Gedanken an Ethik und Anständigkeit von vornherein erspart bleiben. Es geht um Humor: makaber, britisch und - natürlich - pechrabenschwarz. Lucille (Anna Schönbeck) hat's mit der todbringenden Chemie, Dora (Andrea Bastert) verleiht Spirituosen toxische Momente, Emily (Betina Handelsmann) vergleicht die Sippe mit "Familie Frankenstein", Monica (Claudia Quintern) saugt die Mannswelt aus und Marcus (Tatjana Zwirkowski) glaubt, er sei Cäsar. Bruder Oliver und Vater Septimus tauchen erst gar nicht auf - der Bruder fristet sein Leben als vermeintlicher Wehrwolf im Keller, Septimus hat das Zeitliche gesegnet. Des Weiteren agieren der Anwalt Pentworthy (Peter Reinhold), das Hausmädchen Agatha (Jasmin Erlerden) und die Krankenschwester Franklin (SylviaSpilker) sowie die (?) Schriftstellerin Ermyntrude Ash (Nadine Oliver) und deren Sekretär Perry Potter (Christian Cramer). Obwohl unterm Rosenbeet schon allerhand Gedränge zu herrschen scheint - Emily: "Wir hatten noch nie Gäste, die wieder nach Hause gehen konnten" - rafft es während turbulenter knapp drei Stunden noch weitere acht weitere Personen dahin. Zuvor hatte die Familie aus Vergnügen gemordet, jetzt geht es um Geld. Septimus hatte angeblich sieben Millionen auf der Hohen Kante. Nach peniblen Recherchen von Anwalt Pentworthy stellt sich heraus, das drei Millionen ans Finanzamt gehen und die restlichen vier Mille verschollen sind. Den Erben bleibt ergo nicht mal mehr ein Hungertuch, für dran zu nagen. Das kann nicht gut gehen. Als erste beißt die vom Papa als Haupterbin eingesetzte Schriftstellerin ins Gras. Ermyntrude war das Vergnügen zuteilgeworden, weil der Alte laut Testament beim Lesen ihrer Bücher immer so gut hatte einschlafen können. Für den Auftaktmord zeichnet Pentworthy verantwortlich, der dem Familienhobby also ebenfalls zu frönen scheint. Danach wird's kompliziert. Es entspannt sich ein Verwirr- und Detektivspiel mit einer schlussendlich (gar nicht mal so sehr) überraschenden Wendung. Immer wieder hatten Textstellen darauf aufmerksam gemacht, dass dem "unbeweint" verschiedenen Familienoberhaupt Grimm und Genialität gleichermaßen innewohnten. In der Zwischenzeit erntet die von Regisseur Jürgen Morche bestens in Szene gesetzte Truppe immer wieder spontanen Applaus. Möge ihnen die Erde überm Rosenbeet leicht sein.



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