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Die Dozenten der Rintelner Sommeruni: Professor Günter Gross vom "Institut für Meteorologie und Klimatologie"

Meteorologen - nur morgens mal in den Himmel gucken?

Rinteln (cok). "Manche denken, wir Meteorologen gucken nur morgens in den Himmel und das Tagwerk ist getan. Aber - ganz so einfach ist das nicht!", sagt Günter Gross (53), einer der insgesamt nur drei Professoren für Geowissenschaften in Niedersachsen. Als Dozent an der Sommeruniversität Rinteln will er mit seinen Veranstaltungen Werbung machen für einen Fachbereich, in dem - eine Seltenheit - dringend Studenten gesucht werden.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 07:49 Uhr

Günter Gross. Foto: cok

Günter Gross' Arbeitsplatz ist das "Institut für Meteorologie und Klimatologie" an der Uni Hannover. Dort entwickelt er unter anderem Computermodelle, mit deren Hilfe klimatische Verhältnisse möglichst perfekt berechnet werden können. "Was wir machen, ist angewandte Physik und Mathematik", sagter. "Klimaforschung ist das große aktuelle Thema, und zwar nicht nur global, sondern ganz konkret vor Ort, für unendlich viele Einzelfälle." Wo auch immer ein neuer Windpark gebaut wird, dessen einzelne Windräder in günstigem Verhältnis zueinander stehen sollen; wo Biogas-Anlagen entstehen, deren Gerüche die Nachbarn nicht stören dürfen; wo Kraftwerke, wie das in Veltheim, nachweisen müssen, dass ihre Emissionen keine schädlichen Auswirkungen haben; und manchmal auch einfach, wenn es darum geht, eine Wohnanlage so zu entwerfen, dass keine störenden Windkanäle entstehen - immer dann sind Fachleute gefragt, die entsprechende Gutachten erstellen können. Der Professor, der mit seiner Familie in Exten in einem ausgebauten Fachwerkhaus am Waldrand lebt, er hat auch in seinem dortigen Arbeitszimmer eine ganze Armada von PCs herumstehen, nicht, weil es sein muss, sondern weil er sich gerne auch abends noch mal an den Computer setzt, um herum zu experimentieren. "Wie bringe ich dem PC bei, dass er ausrechnen kann, wie ein Wind um einen großen Baum mit vielen Blättern weht? Wie und wohin bewegen sich Sanddünen vorwärts?", sagt er. "Man will etwas wissen und ruht nicht eher, bis man die Antwort hat!" Genau so, mit dieser ungebremsten Neugier, stellt er sich seine Studenten vor. Viele Physikstudenten geben die Meteorologie auf, weil sie nicht ahnen, wie viel Mathematik und Physik hinter einem Bereich stehen, den sie wählten, weil die Klimathematik im Moment so populär ist. Sie kommen oft auch nicht damit klar, dass alle Versuche, die gemacht werden, nicht, wie in der reinen Physik, unendlich oft wiederholbar sind, sondern prinzipiell einmalig. "Das ist eine der besonderen Herausforderungen unseres Faches!" Er selbst kam ja ebenfalls mit eher naiven Vorstellungen zu seinem Thema. Ursprünglich hatte er Bauarchitekt werden wollen, bis ihm ein Buch über Vulkane in die Hände fiel, von dem er so fasziniert war, dass seine Studienwahl damit entschieden wurde. "Man fängt damit an und muss dann einfach dabei bleiben!", so sein Rat an zukünftige Studenten. "Jeder, der das Studium erfolgreich zu Ende bringt, wird einen Job finden!" Bei der letzten Sommeruniversität entschieden sich immerhin zwei Teilnehmer für die Geowissenschaften. Auch sie werden sicher ins Ausland gehen, vielleicht in die Kooperation mit Japan einsteigen, für den deutschen oder internationalen Wetterdienst arbeiten und insgesamt dazu beitragen, dass die Menschen ihr Wissen über die Entwicklung des Klimas klüger einsetzen als bisher.

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