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Metalldiebe schlagen im Weserbergland zu

Weserbergland. Es sind steigende Rohstoffpreise, die Metalldiebstahl lukrativ machen. Die Objekte der Begierde sind verschieden. Mal ist es Kupfer, im nächsten Fall sind es Eisenteile, die gestohlen werden. „Der Diebstahl von Eisen- und Buntmetallen ist abhängig von den Weltmarktpreisen für Rohstoffe“, sagt Jens Schobranski, der Sprecher des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam.

veröffentlicht am 23.07.2011 um 00:00 Uhr

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Der weltweite Wirtschaftsaufschwung hat die Nachfrage nach Rohstoffen stark steigen lassen – und damit auch den Preis. Kostete eine Tonne Kupfer im Jahr 2009 auf dem Weltmarkt rund 2100 Euro, so kletterte der Preis auf derzeit rund 6700 Euro. Der Preis verdreifachte sich. Mit dem Anstieg des Weltmarkpreises sind auch Schrotthändler und Recyclinghöfe bereit, mehr für abgelieferte Metalle hinzublättern.

Der Diebstahl von Metallen ist in vielen Fällen nicht ungefährlich. In Oberleitungen der Bahn fließt Strom mit einer Spannung von 15 000 Volt. Da ist es lebensgefährlich, wenn Diebe Sägen oder Bolzenschneider ansetzen. Was sich vor einiger Zeit an einem Bahndamm im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort abspielte, ist ein besonders tragisches Beispiel für den Metalldiebstahl in Deutschland. Als Unbekannte die armdicke Kupferleitung mit einer Säge zerteilen wollten, schlug die Spannung über. Am Tatort zurück blieb die von der Hitze schwarz verfärbte, schwer beschädigte Säge. Von dem wahrscheinlich lebensgefährlich verletzten Benutzer fehlt bis heute jede Spur. Damit ist auch nicht geklärt, ob er den Diebstahlsversuch überlebt hat.

Auch beim Kabelklau in Fuhlen hätte es gefährlich werden können, doch die Unbekannten kannten sich vermutlich aus. Sie schnitten das Kabel hinter dem Generator ab. Dort ist der Strom nachts abgeschaltet, was verhinderte, dass Schlimmes passierte.

Allein 2700 Diebstahlsfälle zählte die Bundespolizei im vergangenen Jahr bei der Bahn. Das sind 50 Prozent mehr als im Jahr davor. Auf zehn Millionen Euro schätzt die Bahn den entstandenen Schaden. Auch dieses Jahr sieht es nicht besser aus. Erst am Montag legten Metalldiebe die Bahnstrecke zwischen Hannover und Bremen lahm, weil sie Teile der Oberleitung abmontierten.

Aber nicht nur die Bahn ist vom Metalldiebstahl betroffen. Vor allem auch auf Baustellen und Firmen haben es die Diebe abgesehen. Manchmal sind es Einzeltäter, aber auch gut organisierte Banden sind auf Beutezügen unterwegs.

Auch im Kreis Hameln-Pyrmont schlugen die Metalldiebe zu. Am 2. April stahlen unbekannte Täter rund 350 Meter Kupferkabel für Elektromotoren im Kieswerk in Tündern. Der Metallwert liegt bei 7500 Euro.

In der Nacht zum 20. April tauchen Metalldiebe erstmals im Weserkieswerk in Fuhlen auf. Sie stehlen 230 Meter Starkstromkabel. Die demontierten Kupferkabel dienten der Stromversorgung der Förderbänder. Der Schaden beläuft sich auf rund 1000 Euro.

Am 31. Mai verschaffen sich Diebe Zugang in eine der drei Windkraftanlagen zwischen Weibeck und Höfingen. Sie stehlen Kupferkabel und Kupferklemmen. Außerdem durchtrennen die Täter ein Antennenkabel einer Mobilfunkanlage. Der Sachschaden diesmal: rund 2000 Euro.

In der Nacht zum 28. Juni werden vom Betriebsgelände der Deutschen Bahn in Hameln fünf Dutzend Metallverbinder zum Reparieren von Schienen entwendet. Das Gesamtgewicht liegt bei mehr als einer Tonne, der Altmetallwert bei rund 3000 Euro.

Am Mittwoch dieser Woche dann müssen die Mitarbeiter des Fuhlener Kieswerkes erneut feststellen, dass an gleicher Stelle wieder das Kupferkabel abgetrennt wurde. In allen Fällen geht die Polizei davon aus, dass es sich nicht um Einzeltäter handelte. Die Polizei hofft, im Falle Fuhlen weiterzukommen. Denn am Mittwoch ertappte sie einen 27 Jahre alten Mann aus Löhne, als er in einem Zweigwerk von Weserkies in Costedt bei Porta Westfalica Kabel stehlen wollte. Der Mann gab laut Polizei an, nur Schrauben auf dem Firmengelände gesucht zu haben. Die Türen eines Containers sowie der Toiletten waren bereits aufgebrochen. Neben dem Container lagen mehrere aufgerollte Kabel zum Abtransport bereit. Im Container waren Schaltschränke geöffnet worden und viele Kabel herausgetrennt. Werkzeuge und Handschuhe fanden die Beamten ebenfalls im Container. In unmittelbarer Nähe zum Tatort stand ein Volvo aus dem Kreis Lippe. Vor dem Auto lagen zwei Kabelenden, die offensichtlich von dem Gelände des Kieswerkes stammten.

Der Diebstahl der Buntmetalle ist das eine, der Absatz der Beute das andere. Schrotthändler bekommen häufiger Besuch von den Ermittlern. „Vorbeugend – damit die alte Ausrede, man habe ja gar nicht gewusst, wo das Kupfer so herkommt, nicht mehr zieht“, sagt ein Polizeisprecher. Die Abnahme von Diebesgut ist Hehlerei und strafbar.

Bei den Dieben handle es sich sowohl um Einzeltäter, die nahe ihrem Wohnort zuschlügen, als auch um „gut organisiert agierende Diebesbanden“, sagt Bundespolizeisprecher Schobranski weiter. Nach Angaben der Bahn verkaufen die Diebe die Beute oft nach Osteuropa.

Die Bahn als Hauptbetroffener setzt inzwischen auf neue Wege, um das Problem in den Griff zu bekommen. Das Unternehmen versieht Kabel und Schienen nun mit einer versteckten Zahlenkombination, die nur unter einem Speziallicht zu entdecken ist. Das soll die Fahndung nach Diebesgut erleichtern. „Wir haben ein ganzes Maßnahmenpaket geschnürt, um den Kriminellen die Arbeit schwieriger zu machen“, sagte Konzernsicherheitschef Gerd Neubeck jüngst.

Denn längst geht es beim Metalldiebstahl nicht mehr nur um die Materialschäden: 8000 Züge waren laut Bahn im vergangenen Jahr verspätet oder fielen aus, weil Strecken wegen geklauter Kabel oder Schienen zeitweise unbenutzbar waren.

Die Zahl von Metall-Diebstählen im Weserbergland steigt. In Weibeck steht ein Windrad still, weil Diebe dort Kabel herausschnitten. In dieser Woche schlugen Unbekannte am Kieswerk in Fuhlen zu. Besonders Kupfer ist bei Dieben begehrt. Denn es ist bares Geld.



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