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Schwurgericht setzt zweijährige Freiheitsstrafe zur Bewährung aus / Strenge Auflagen erteilt

Messerstecher (26) wieder auf freiem Fuß

Stadthagen/Bückeburg (ly). Zwei Jahre Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung: Als freier Mann hat der Messerstecher von Stadthagen gestern Nachmittag das Bückeburger Justizgebäude verlassen. Bis zum Prozess vor dem Schwurgericht hatte er sechs Monate hinter geschlossenen Türen verbracht, erst in der Psychiatrie, zuletzt in Untersuchungshaft.

veröffentlicht am 13.11.2007 um 00:00 Uhr

Die Richter verurteilten den 26-Jährigen aus Bad Nenndorf zwar wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, sahen aber jeweils lediglich einen minderschweren Fall. Ein Grund dafür: Unmittelbar vor der Bluttat, geschehen am Abend des 8. Mai nahe dem Kinocenter an der Bahnhofstraße in Stadthagen,hatte das spätere Opfer den Messerstecher mit Worten provoziert und diesem sogar eine täuschend echt aussehende Soft-Air-Pistole vors Gesicht gehalten. Daraufhin hatte der Nenndorfer ein Küchenmesser gezogen und war dem anderen Mann (21) über die Straße auf einen Hinterhof nachgelaufen, wo er die etwa acht Zentimeter lange Klinge dreimal in den Rücken des Nordsehlers rammte. "In akuter Lebensgefahr war dieser nicht", wie die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus erklärte. Am Tag danach hatte der Angeklagte sich selbst gestellt. Verbunden ist die Entscheidung mit strengen Auflagen. So muss der 26-Jährige, ein Cannabis-Konsument, zur stationären Drogentherapie und anschließend einmal im Monat zum Drogentest. Außerdem muss er 200 Stunden gemeinnützig arbeiten. Staatsanwalt Frank Hirt hatte vier Jahre Haft gefordert, Verteidiger Ralf Jordan auf Notwehr plädiert und Freispruch beantragt. Im Zustand von Notwehr, so Brüninghaus, habe der Angeklagte nicht gehandelt. Das Gericht geht von Tötungsvorsatz aus. Der lebensbedrohliche Angriff des anderen Mannes sei beendet gewesen, als dieser die Flucht ergriffen habe. Vor Gericht trat das Opfer gleichzeitig als Nebenkläger auf. Die Kammer glaubte dem 21-Jährigen in mehreren Punkten nicht. Beispielsweise will der junge Mann die Pistole erst im Weglaufen aus dem Hosenbund gezogen haben. Und dass er noch heute wegen Atemnot keinen Sport treiben könne, sei nach den Ausführungen einer Rechtsmedizinerin nicht nachvollziehbar, sagte Brüninghaus. Vorausgegangen waren dem blutigen Streit gegenseitige Beschimpfungen in einem Internet-Chatroom, bei denen auch die Verlobte des Nordsehlers beleidigt wurde. Am Computer gab ein Wort das andere, bevor man um 19.10 Uhr ein Treffen vor dem Kinocenter vereinbarte. Dort, so Brüninghaus, sei es dann zu einem "männlichen Hahnenkampf" gekommen. Die Vorsitzende hätte den Kontrahenten nach eigenen Worten "mehr Gelassenheit und Besonnenheit" gewünscht. Nun haben beide Federn gelassen. "Schlimm für das Opfer, schlimm aber auch für den Angeklagten, der sechs Monate eingesperrt war und erkennbar mitgenommen ist", fasste die Richterin zusammen.



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