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Lernprozess

Messenger-Chef: Trotz Verschlüsselung Hassreden bekämpfen

San Jose (dpa) - Der Chef des Facebooks-Chatdienstes Messenger ist zuversichtlich, auch nach der geplanten Einführung von Komplett-Verschlüsselung Inhalte wie Hassrede oder Terrorpropaganda effizient bekämpfen zu können.

veröffentlicht am 16.05.2019 um 13:17 Uhr
aktualisiert am 20.05.2019 um 11:10 Uhr

Der Chef des Facebook-Chatdienstes Messenger, Stan Chudnovsky. Foto: Andrej Sokolow

Man werde sich dafür stärker auf Hinweise der Nutzer verlassen müssen - so wie das heute schon bei Facebooks zweitem Chatdienst WhatsApp der Fall sei, sagte Stan Chudnovsky der dpa. «Es ist eine andere Vorgehensweise, aber es ist nicht unmöglich.» Facebook habe aber noch Lernbedarf: «Wir müssen herausfinden, wir genau wir das machen werden.»

Deshalb wolle Facebook sich jetzt zu dem Thema zunächst mit Regierungsbehörden, Datenschützern und Sicherheitsexperten beraten, bevor die Marschrichtung festgelegt wird. Diese Gespräche dürften noch bis Ende des Jahres andauern. «Das ist neu für uns, das ist nicht, wie wir sonst vorgehen. Vor nicht so langer Zeit hätten wir einfach etwas entwickelt und angekündigt», sagte Chudnovsky. «Jetzt sagen wir: Wir haben nicht für alles Antworten, aber wir haben eine Vorstellung davon, in welche Richtung wir gehen wollen und die ganze Welt sich entwickelt. Helft uns, den richtigen Weg zu finden.»

Bei der sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sind Inhalte von Kommunikation grundsätzlich nur für Absender und Empfänger im Klartext sichtbar. Auch Facebook hätte keinen Zugriff darauf. Damit können verbotene oder problematische Beiträge auch nicht mit Hilfe der Analyse von Inhalten durch Software aufgespürt werden. «Wenn aber Nutzer uns Nachrichten mit einem Screenshot melden, haben wir Zugang zum Inhalt», sagte Chudnovsky. Zusammen mit der Auswertung von Metadaten - also zum Beispiel, wer wann mit wem kommunizierte - könne man darauf ein gut funktionierendes System aufbauen. Mit der Einschränkung, dass in Zukunft eventuell auch Metadaten nur über beschränkte Zeiträume gespeichert werden.

WhatsApp war zuletzt in die Kritik geraten, weil über die App in Indien Propaganda und falsche Informationen verbreitet worden waren. Um dagegen anzukämpfen, schränkte der Chat-Dienst unter anderem die Möglichkeiten zum Weiterleiten von WhatsApp-Nachrichten ein.

Facebooks Gründer und Chef Mark Zuckerberg hatte angekündigt, dass die technische Infrastruktur hinter WhatsApp und Messenger zusammengelegt werden sollen und das Online-Netzwerk insgesamt stärker auf verschlüsselte private Kommunikation ausgerichtet werde. Dem gegenüber stehen Forderungen, Facebook müsse gezwungen werden, seine Zukäufe WhatsApp und Instagram wieder abzustoßen.

Bislang ist völlig unklar, wie eine technische Lösung aussieht, mit der die unterschiedlich funktionierenden Systeme hinter den beiden Chat-Diensten ohne einen Eingriff in ihre jeweiligen Funktionsweisen miteinander verknüpft werden sollen. Beim Messenger melden sich die Nutzer mit ihrem Facebook-Profil an, bei WhatsApp mit der Telefonnummer. Facebook erlaubt ein Login auf mehreren Geräten, WhatsApp dagegen kann nur auf einem Mobiltelefon betrieben werden. Und während die Messenger-Nachrichten auf Facebooks Servern gespeichert werden, liegen sie bei WhatsApp nur auf den Geräten der Nutzer, wenn kein Backup gemacht wird.

Chudnovsky betonte, dass beim Messenger der Inhalt der Nachrichten nie zur Personalisierung von Werbung ausgewertet worden sei. «Das war für uns immer tabu.» Facebook habe lediglich Inhalte an Behörden auf richterliche Anordnung herausgegeben. «In diesem Sinne war der Messenger auch schon vorher privat, auch wenn er bisher nicht standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt ist.» Bereits beschlossen ist, dass beim Messenger der «Signal»-Verschlüsselungsprotokoll zum Einsatz kommen wird, auf den bereits WhatsApp setzt. Während WhatsApp grundsätzlich Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hat, können Messenger-Nutzer sie aktuell in einem sicheren Modus für vertrauliche Informationen zuschalten.



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