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Menschliches Versagen

Nun wird er angeklagt: Der Fahrdienstleiter der Magnetschwebebahn im Emsland wegen des schrecklichen Unglücks mit seinen vielen Toten. Denn Kommissionen und Ausschüsse haben festgestellt: Menschliches Versagen!

veröffentlicht am 08.09.2007 um 00:00 Uhr

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Autor:

Pastor Roland Trompeter

Bei der vierköpfigen Familie, die auf dem unbeschrankten Bahnübergang zu Tode kam, hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die Bahn eingestellt: Der Familienvater hätte halten müssen; menschliches Versagen! Wenn irgendwo irgendwas passiert: Der Mensch ist schuld, er ist die Schwachstelle. Nicht der Sportwagen auf der Autobahn, der erst bei 250 automatisch abbremst. Nicht die Kernkraftwerke, die mit Kurzschlüssen und Pannen ihre Problematik offenbaren. Nicht das Bergwerk, in dem immer wieder Menschen verschüttet werden. Nein, wenn es irgendwo kracht, brennt, wenn irgendwo irgendwas passiert: Menschliches Versagen! Der Mensch ist die Schwachstelle. Bei der Suche nach den Ursachen wird man immer auf einen Menschen stoßen, der einen Fehler gemacht hat. Der Mensch ist fehlerhaft. Der Mensch, nach der Bibel die Krone der Schöpfung, ist zu störanfällig, er muss ersetzt werden. Im Arbeitsleben heißt das: Freisetzung. Durch was? Durch Maschinen, durch Automaten, durch Computer! Ein Computer ist eben nicht so störanfällig wie ein Mensch. Nach einer durchzechten Nacht wird er nicht krank feiern. Ein Computer raucht nicht. Er hat auch keine Familie, keine kranken Kinder, die ihn nachts dreimal aus dem Bett holen. Er flirtet nicht und verschreibt sich nicht. Und wenn doch, dann hat der Mensch einen Fehler gemacht. Wenn ich mit dem Sprachcomputer der Deutschen Bahn nicht klar komme, liegt das natürlich an meiner undeutlichen Aussprache. Und wenn die Schlange an der Ladenkasse hinter mir immer länger wird, liegt das nur daran, dass ich zu schnell oder zu langsam - jedenfalls nicht richtig - versucht habe, meine PIN-Nummer einzugeben. Mich wundert, dass Gott so ein fehlerhaftes Produkt wie den Menschen als Höhepunkt der Schöpfung geschaffen hat - und bis heute gibt es keine Rückrufaktion. Das wundert mich und es tröstet mich zugleich! Am Sonntag werden wir ein Menschenkind taufen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir werden ihm zusprechen, dass bei allem menschlichen Versagen, das sein Leben begleiten wird, Gott seine Liebe nicht versagt und, wenn nötig, Vergebung gewährt. Ein christlicher Brauch nur - aber einer, den wir brauchen! Roland Trompeter ist Pastor der reformierten Gemeinde Möllenbeck.



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