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GfW beschließt Reihe "Einwanderung und Eingliederung"

Menschen in den Köpfen und den Herzen erreichen

Bückeburg/Minden (bus). Ihre dreiteilige Veranstaltungsreihe zum Themenbereich Einwanderung und Eingliederung hat die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) jetzt abgeschlossen. In der im Hotel "Bad Minden" anberaumten Abschlussveranstaltung standen vor allen Dingen Belange der Integration im Mittelpunkt des Interesses. Unter der Moderation von GfW-Sektionsleiter Klaus Suchland diskutierten Sebastian Edathy, Thomas Kufen, Rudolf Krewer und Dr. Ali IshanÜnlü. Fazit des Abends: "Wir müssen die Menschen nicht nur in den Köpfen, sondern auch in den Herzen erreichen."

veröffentlicht am 04.11.2006 um 00:00 Uhr

Sebastian Edathy (v.l.), Thomas Kufen und Rudolf Krewer diskutie

In derüberaus detailfreudigen Erörterung markierte eine Gegenüberstellung Edathys die komplexe Diffizilität der Angelegenheit. Während zahlreiche Schaumburger mit geschwellter Brust auf landsmannschaftlichen Zusammenhalt und bewahrte Eigenständigkeit ihrer in den US-amerikanischen Staat Illinois ausgewanderten Vorfahren verwiesen, würden analoge Verhaltensweisen zugewandeter Menschen hier mit Argwohn beäugt, meinte der SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses sinngemäß. Was er nicht sagte, in seiner Ausführung aber mitschwang: Wie würden Schaumburger auf einen Antrag von - beispielsweise - Türken reagieren, hier eine Ortschaft mit dem Namen Zonguldak zu gründen - samt vom Schwarzen Meer mitgebrachter Sitten und Gebräuche? Dem Abend mangelte es trotz aller Wortvielfalt an den Antworten auf solche Fragen. Die Aussagen der Politiker erschöpften sich allzu oft in allgemeinen Statements oder versteckten sich hinter programmatischen Aussagen. Edathy sprach von "nachholender Integritätsarbeit", "Überwindung einer Misstrauenskultur" undbezeichnete die "Verbesserung der Aussichten, soziale Mobilität erleben zu können" als "entscheidenden Ansatz". Kufen, CDU-MdL in Nordrhein-Westfalen und Integrationsbeauftragter der NRW-Landesregierung, machte zunächst seine Ablehnung des Wortes "Migrationshintergrund" deutlich, präsentierte stattdessen die Kreation "Zuwanderungsgeschichte". "Integration passiert nicht einfach, sondern sie ist harte Arbeit", lautete seine Erkenntnis. Allerdings hätte man "diese Arbeit schon vor 30, 40 Jahren machen" müssen. Wesentlich Handfesteres hatte Ex-Realschullehrer Krewer zu bieten, dessen Schüler 2002 mit den so genannten Geburtstagsprügeleien bundesweite Aufmerksamkeit auf sich zogen. Der Pädagoge - "wir hatten in der Vergangenheit zu viel Angst, deutlich zu sagen, was wir wollen" - plädierte für die Einführung klarer Spielregeln, wie - beispielsweise - in den Niederlanden, wo die Eltern zur Abholung der Zeugnisse ihrer Sprösslinge genötigt werden. Krewer: "Holländer suchen keine Probleme, sondern Lösungen." Dr.Ünlü, der dem Islamischen Kulturverein in Stadthagen vorsitzt, gab zu bedenken, dass "in Deutschland viele Dinge etwas anders gedeutet" würden als in der Türkei. Was hier als "Zwangsehe" bezeichnet werde, entpuppe sich bei genauerem Hinsehen nicht selten als "Empfehlungsehe". Generell betrachtet seien nach wie vor noch viele Vorurteile festzustellen, merkte der Mediziner an. Und auf den Abend bezogen: "Wir mischen hier zu viele Themen." Der Möglichkeit, die Tiefen der Gesamtproblematik schlüssig auszuloten, hatte bereits das Motto der Podiumsdiskussion mit der Formulierung "Sachstand ... zukünftiger Integrationspolitik" ein kaum zu bezwingendes Hindernis erstellt.

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