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"Dach"-Initiative organisiert aufschlussreiches Konzert im Staatsarchiv / Geglückte musikalische Reise

Melodien von Tango-König Oskar D. Strock

Bückeburg. Mit einer emotionalen Reise durch die Klangwelten des osteuropäischen Tango-Königs Oskar D. Strock sind der Tenor Nikola David und Pianist Dimitri Dragilew im Staatsarchiv auf offene Ohren gestoßen.

veröffentlicht am 01.10.2008 um 00:00 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

Der Bückeburger Zusammenschluss "Alle unter einem Dach" war mit diesem Konzert an der landkreisweit veranstalteten "Interkulturellen Woche" beteiligt. Gemeinsam mit der Jüdischen Kultusgemeinde Schaumburg und unterstützt durch den Zentralrat der Juden in Deutschland präsentierte die gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz aktive Initiative eine Tango- Reise, welche von der Leichtigkeit Sebastian Iradiers bis zur schmerzvoll-philosophischen Tiefe eines Astor Piazollas reichte. Strock schuf Musik mit konzertantem Charakter, die auch schwermütig sein kann - eine Achterbahnfahrt der Stimmungen,bei der die Interpreten nicht aus der Spur gerieten. Denn bei so viel Emotionen konnte Nikola David seine stimmliche Palette an Klangfarben ganz einsetzen, wenn er voller Inbrunst die Geliebte in der Ferne, den stillen Abend, Zeit der Hoffnung, eine verlorene Liebe und andere Kleintragödien besang, in die sich immer auch Leidenschaftliches und Abenteuergeist mischten. Komplex, polytonal und dabei feingliedrig verästelt waren die Klaviersätze. Des Vokalisten mal chanson- bis liedhafte, dann wieder fast dramatische Partien verschmolzen mit den Flügelnuancen zu einer Tonwelt von hier herzergreifendem, dort leicht kitschigen Reiz. Auch jene stete Spannung, welche sich in Strocks Tangos befand, wussten der in Berlin ansässige Pianist und dessen in Augsburg wirkender Gesangspartner durchaus zu vermitteln. Kurzum: Die Künstler bewiesen Gefühl für das Pathos, und die Winkelzüge des Tango-Meisters, dessen Hits "Du sehnst Dich immer noch", "O mia cara" und "Schwarze Augen" noch heute ein Begriff sind. Zu Oskar Strock wäre hinzuzufügen, dass seine von Dragilew beschriebene Vita ungewöhnlich ist. Der 1893 in eine jüdische Familie in Riga Geborene studierte bereits als 11-jähriges "Wunderkind" Klavier in St. Petersburg. Liebe, Leidenschaft und Abenteuergeist markierten sein späteres Leben, das ihn sogar in den Fernen Osten führte. Die Tangos schrieb er übrigens bis zu seinem Tod. Viele kennen die Stücke, ohne jedoch über deren Autor Bescheid zu wissen. Dieser war zur Zeit der Comedian Harmonists aus Riga nach Berlin gekommen. 1933 musste er vor den Nationalsozialisten fliehen und kehrte später mit Familie nach Lettland zurück. Das Dasein war vor und nach der Heimkehr beschwerlich: finanzielle Probleme, politische Verfolgung und Aufführungsverbote in den späten 40-er bis 60-er Jahren. 1975 verstarb der "Tango-König" in Riga, ohne jemals kommerziellen Erfolg gehabt zu haben.



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