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71. Kunstausstellung in der Wandelhalle eröffnet / Belegungen noch bis Ende 2008

Meisterfotos und asiatische Keramikkunst

Bad Eilsen (sig). Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht: Kunstausstellungen wird in der Wandelhalle des "Fürstenhofes" auch dann noch geben, wenn der Initiator und Leiter der Kreativwerkstatt, Dr. Udo Kressin, im kommenden Jahr in den Ruhestand tritt. Dieser vor allem von heimischen Künstlern bevorzugte Standort ist bereits jetzt bis Mitte Dezember 2008 ausgebucht. Wie es danach weitergeht, muss abgewartet werden.

veröffentlicht am 12.12.2007 um 00:00 Uhr

Henner Trappe in charmanter weiblicher Begleitung: Herma Kresse

Die 71. Kunstausstellung stellt das Schaffen von zwei Kreativen aus Obernkirchen in den Vordergrund. Henner Trappe lieferte Fotografien unter dem Titel "Kostbarkeiten aus Fauna und Flora" und Herma Kresse zahlreiche Keramiken, hergestellt nach einer alten japanischen Töpfertechnik. Der "Unruheständler" Henner Trappe ist kein Unbekannter im Schaumburger Land. Er gehört zu den Menschen, die der liebe Gott gleich mit einer ganzen Reihe von Begabungen versehen hat. Begonnen hatte er seinen beruflichen Werdegang als Theatermaler am Osnabrücker Stadttheater. Vorher hatte er sich an der Musikhochschule in Detmold mit Operntheorie und Opernregie befasst. An vielen Theater- und Opernbühnen zwischen Flensburg und St. Pölten in Österreich entwarf er Bühnenausstattungen für über 200 Inszenierungen, bevor er aus gesundheitlichen Gründen Abschied nahm von einem abwechslungsreichen und sehr kreativen, aber auch aufregenden Beruf, der ihm kaum Freiräume ließ. Die bekam er anschließend als freischaffender Künstler, der in Hamburg, Braunschweig und Kassel Ölgemälde und Aquarellbilder sowie Kohle- und Graphitzeichnungen ausstellte. Vor zwei Jahrzehnten entdeckte Henner Trappe an sich eine weiteres künstlerisches Talent. Er befasste sich intensiver mit der Fotografie und schaffte sich dafür eine hochwertige Ausrüstung an. Mit der reiste er dann durch die Welt und fing außergewöhnliche Motive ein. Dabei ging es ihm nicht in erster Linie um das Monumentalfoto, um das atemberaubende Große und Erhabene, sondern auch um die Dinge, an denen die meisten Menschen achtlos vorübergehen. Er verschafft knorrigen Bäumen ein Gesicht, fängt Libellen, Schmetterlinge, Bienen und Hummeln im Makroformat aus nächster Nähe ein und hält mit Hilfe von Wind, Wellen und Dünensand Motive fest, die sich schon in Sekundenbruchteilen ändern können. Nichts in der Natur ist vor den Objektiven seiner Kamera sicher. Henner Trappe sieht einfach mehr als andere und setzt das, was er wahrnimmt, in ausdrucksstarke, zuweilen bizarre, zuweilen heitere und atmosphärisch dichte Bilder um. Herma Hesse liebt ein ganz anderes Metier. Sie arbeitet seit 35 Jahren mit dem Naturprodukt Ton aus dem Westerwald. Um beim Töpfern brauchbare Ergebnisse zu erzielen, muss man eine längere Lernphase hinter sich bringen. Deshalb hatte die heute in Obernkirchen lebende Künstlerin mehrere Semester an der Sommerakademie für Bildende Künste in Trier belegt. Dort wurde sie vertraut gemacht mit dem Modellieren von Figuren anhand lebender Modelle, mit den Glasur-Techniken und dem Raku-Brand. Dahinter verbirgt sich eine alte japanische Technik. Einige Beispiele dieser fernöstlichen Töpferkunst gibt es bei der Ausstellung in der Wandelhalle zu besichtigen. Ihr besonderes Merkmal ist eine Art Schockbrand, bei dem der eigentliche Brennvorgang unterbrochen wird. Dadurch bildet sich an der Oberfläche des Tones eine veränderte Struktur. Der gesamte Arbeitsprozess ist kompliziert und benötigt seine Zeit. Er besteht aus zwei Brennvorgängen, beim letzten liegt die Temperatur deutlich über 1000 Grad. Zwischendurch werden spezielle Farben und die Glasur aufgebracht. In mehreren Vitrinen sind in Bad Eilsen die Ergebnisse aus der Obernkirchener Töpferwerkstatt zu bewundern. Dazu gehören unter anderem Kugeln, Teller und Vasen mit ganz speziellen Formen und Oberflächen, die überhaupt nichts mit einer Massenware zu tun haben, sondern alle Unikate sind. Musikalisch ausgestaltet wurde die Eröffnung von einer schon sehr virtuosen jungen Pianistin der Detmolder Musikhochschule. Alla Iwanzhina spielte Kompositionen von Mozart, Tschaikowsky und Chopin. Die Ausstellung kann noch bis zum 3. Februar des nächsten Jahres besichtigt werden.

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