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Konzert zum Abschluss der Saison des Vereins "Kultur Stadthagen" / Nach musikalischen lukullische Leckerbissen

"Meininger-Trio" sorgt für moderne Töne im Schloss

Stadthagen (dis). Entdeckerfreude kann ansteckend sein. Im Glücksfall macht sie sogar einen grauen, verregneten Sonntagabend zu einem Gute-Laune-Ereignis. Und genau das ist dem "Meininger-Trio" zum Abschluss der Saison des Vereins "Kultur Stadthagen" im Kaminsaal des Schlosses gelungen.

veröffentlicht am 08.03.2007 um 00:00 Uhr

Was Flötistin Christiane Meininger, Cellistin Francoise Groben und Pianist Rainer Gepp den Anwesenden boten, war eine vergnügliche Lehrstunde. Wer kannte vorher schon den von der Hindemith-Schule geprägten südafrikanischen Komponisten Stefans Grové, der es faszinierend nachvollziehbar schaffte, aus der alten afrikanischen Sage "Seelenvogel" ein überraschungsreiches, musikalisches Abenteuer zu formen? Oder wusste jemand, dass die 50-jährige Elena Kats-Chernin, in deren Adern usbekisches und australisches Blut fließt, dem "Meininger-Trio" ihre plastischen Klanginspirationen zum Thema "Farben des Meeres" gewidmet hat? Bei den Kulturvereins-Gästen stießen die "Meiningers" mit ihren Neuheiten sehr schnell auf geneigte Ohren. Spürbar rasch ergänzten sich nämlich die Aufgeschlosssenheit der Interpreten und die Hörkonzentration des Publikums. Kein Wunder, denn die drei exzellenten Solisten entwickelten ihr Terrain des ebenso ausdrucksvollen wie vitalen Musizierens bei Kat-Chernins schillernden Wasser-Nuancen mit ebensolch intuitiven Gespür wie bei der eher bizarren Grové'schen "Beschwörung", dessen sich lang und dramatisch gestaltender "Vereinigung von Körper und Seele", den überbrodelnden "Traumgesängen um Mitternacht" und dem schrillen "Flug in Ekstase" zum Finale. Nach all' den Dissonanzen war zwischendurch für Hirn und Herz erholsame, subtile Bekenntnismusik angesagt. Auch in diesen überreichen Figurenwerken verstand es das Team in schönster Geschlossenheit, das Reservoire von Flöte, Altflöte, Cello und Piano voll auszuschöpfen und auf ideale Weise an einem Strang zu ziehen. Entsprechenden Anschauungsunterricht lieferte das "Meininger-Trio" pointiert und mit Leidenschaft in Ignaz Pleyels geschmeidigem, dreisätzigen "Grand Trio D-Dur", op. 28, und dem wohlgefälligen, frühklassisch inspirierten "Trio g-Moll", op. 63, aus der Feder Carl Maria von Webers. Einen der drei Spezialisten herauszuheben, wäre geradezu unfair gegenüber den Kollegen, die alle gleichermaßen glänzten. Erwähnt werden aber müssen der lange Applaus und der zugegebene Piazolla-Leckerbissen. Apropos Leckerbissen: Denen folgten beim anschließenden kalten Büfett auf lukullische Art noch viel mehr. Der Grund? Wie jedes Jahr zu Spielzeit-Ende hatte "Kultur Stadthagen" zum geselligen Empfang gebeten.

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