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Eigenverantwortliche Schule - Teil 2: Die Erwartungen und Befürchtungen der Lehrer am Ratsgymnasium / GEW nimmt Stellung

Mehr Verantwortung - zugleich mehr Arbeit aufs Auge gedrückt?

Landkreis (gus). Mit dem Schuljahr 2007/08 beginnt ein neues Kapitel der heimischen Schulgeschichte. Die Novellierung des niedersächsischen Schulgesetzes schafft die Rahmenbedingungen für das Modell der so genannten Eigenverantwortlichen Schule. Lehrer des Ratsgymnasiums Stadthagen geben Auskunft darüber, welche Erwartungen sie hegen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 07:49 Uhr

Künftig sollen Schulen selber über Dinge wie Stundenverteilung und Klassengrößen entscheiden. Gemeint ist, dass der Unterrichtsumfang einer Klassenstufe in bestimmten Fächern variieren kann. Die Gesamtstundenzahl muss jedoch den gesetzlichen Richtlinien entsprechen. Beispiel: Eine Schule könnte festlegen, dass im 5. Jahrgang drei Stunden Deutsch und fünf Stunden Englisch unterrichtet werden. Im 6. Jahrgang stünden dann drei Stunden Englisch und fünf Stunden Deutsch auf dem Plan, wenn als Durchschnitts-Wochenpensum beider Schuljahre vier Stunden pro Fach anvisiert wären. Vom Kultusministerium wird dies als zusätzliche Freiheit gewertet. Hans-Dieter Lichtner und dessen Kollegin Lissy Zindel-Friesenhagen warnen vor zu einseitiger Sichtweise - gerade hinsichtlich der Klassengrößen. Denn der Gesetzgeber ist nach aktuellem Stand nicht bereit, mehr Lehrer an die Schulen zu schicken. Und die wären nötig, wenn in kleineren Verbänden unterrichtet werden soll. Lichtners Befürchtung ist, dass die Stundenbelastung der Lehrer nochmals hochgeschraubt wird. Dessen Kollege Karsten Speck versteht die Neuerungen ohnehin so, dass den Pädagogen "mehr aufs Auge gedrückt wird". Auch der Kreisvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), Friedrich Lenz, sieht in der Ausstattung der Schulen die große Unbekannte. Mehr Stellen und mehr Geld müssen her, um den Text der Reform mit Leben füllen zu können. Hinter hochtrabender Rhetorik verberge sich sonst nur Leere. Eine weitere Unbekannte sei das Thema Fortbildung. Laut Gesetz ist diese künftig von den Schulen eigenverantwortlich zu organisieren. Die Frage sei, wie viel von den Erkenntnissen aus Fortbildungsseminaren "im Unterricht ankommt", meint Lichtner. Deshalb werde eine Auswirkung der Schulgesetz-Novelle zwangsläufig mehr Kommunikation im Kollegium sein. Vor dem Hintergrundder vom Gesetz beabsichtigten Qualitätsverbesserung wird künftig mehr Wettbewerb im Schulsektor erwartet. Ein Thema, das Derek Jones umtreibt. Für solche Konkurrenz sei kein Platz. Letztlich gehörten alle Schulen zum selben Bildungssystem. Außerdem fragt sich Jones, nach welchen Kriterien die Qualitätsstandards festgesetzt worden sind, die Schulen nun erreichen sollen. Grundsätzlich wird die Reform als Chance gesehen, Unterricht noch moderner zu gestalten. Dieser Prozess sei als Reaktion auf eine veränderte Schülerschaft ohnehin bereits seit Jahren im Gang, erklärt Rainer Bedding. Allerdings seien ihm auch Stimmen erfahrener Kollegen bekannt, die die Halbwertszeit der jetzigen Reform hinterfragen. Zu viele solcher Anstöße hätten diese schon erlebt. Auch GEW-Sprecher Lenz kritisiert die zu kurze Gültigkeitsdauer neuer Vorschriften. Diese dienten häufig einzig der politischen Profilierung. Oft sei der Reformtakt so schnell, dass nicht mal die Auswirkungen ausgewertet werden können.



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