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Runder Tisch gegen ideologisch geprägte Gewalt unter Jugendlichen kommt erstmals zusammen

Mehr rechte Gewalt als bisher bekannt

Bückeburg (rc). Allumfassende Lösungen sind an diesem Abend nicht gefunden worden, insgesamt rund 140 Teilnehmer haben aber vielversprechende Ansätze entwickelt, um die ideologisch geprägte Gewalt unter Jugendlichen in Bückeburg in den Griff zu bekommen. Mitte Mai will man sich erneut treffen, um konkrete Projekte und Dinge in die Wege zu leiten. Das ist das Ergebnis des Runden Tisches, der Mitte der Woche zusammen gekommen ist, um Informationen zu geben und Präventionskonzepte zu entwickeln.

veröffentlicht am 16.04.2011 um 13:04 Uhr
aktualisiert am 26.11.2012 um 17:32 Uhr

Auf einer Pressekonferenz stellten Bürgermeister Reiner Brombach, die SPD-Ratsfrau Anka Knechtel, die Grünen-Ratsfrau Cornelia Laasch und Stadtjugendpfleger Stefan Reineke die Ergebnisse vor. Der Runde Tisch hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit getagt, um auch die zum Kommen zu bewegen, die direkt von der Gewalt betroffen sind. Eltern linksextremer und rechtsextremer Jugendlicher hätten an einem Tisch gesessen und sich ausgetauscht, schilderte der Bürgermeister.

Der einräumte, dass die Meinung, bis dato in einer „recht friedlichen Umgebung“ zu leben, so nicht stimme. Es gebe eine „gewachsene Antifa“, die rechten Extremisten seien eher jung und im Bereich der Schulen einzuordnen. Während der Veranstaltung sei mitgeteilt worden, dass es mehr Jugendliche sind, als man bisher gedacht hat. Und: Es gebe mehr rechte Gewalt in Bückeburg, als bis dahin bekannt war. Dies habe damit zu tun, dass Extremisten nicht mit anderen zusammenwirken oder sich öffnen. Nach wie vor gebe es zwar wenig Beweise, sodass Außenstehende den Eindruck gewinnen könnten, Bückeburg ist ruhig. Aber dem sei nicht so. „Wir dürfen nicht zu spät aufwachen“, so der Stadtjugendpfleger.

Inzwischen sei davon auszugehen, dass sich die rechte Szene Bückeburgs vernetzt hat und mit einer eigenen Homepage im Internet zu finden ist, von der es diverse Querverweise auf andere einschlägige Seiten der Neonazis gibt. Auch die Bückeburger „Antifa“ ist seit Längerem im Internet unterwegs. „Wir werden ihnen die vernetzte Szene aller Demokraten entgegen stellen, die die Gefahr sieht, erkennt und entgegenwirkt. Wir stehen alle in einer Reihe“, so die eindeutige Aussage aller.

Wie Brombach berichtete, haben an der Veranstaltung rund 140 Vertreter von Schulen, Kirchen Vereinen, Verbänden, Institutionen und Privatpersonen teilgenommen. Auch Vertreter der großen Parteien waren dabei. „Die geballte pädagogische Kraft der Stadt“, so Anka Knechtel. Eingeladen hatten das Bündnis für Familie und die Stadt Bückeburg. Nach Sachstandsberichten der Polizei gab es einen Vortrag über „Die Abwertung der Anderen – Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit Andreas Hövermann von der Universität Bielefeld referierte zu Auseinandersetzungen mit Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierungen, Wege zu einer demokratischen und toleranten Stadtgesellschaft. Nach dem Einführungsvortrag ging es in fünf Arbeitsgruppen weiter. Nach einer halben Stunde wurde gewechselt.

Es habe eindeutig eine „Fokussierung auf die ideologische Gewalt von rechts gegeben, gab der Bürgermeister eine Einschätzung wider: „Die Gefahr von rechts gilt es, mehr zu bekämpfen“. Das Ziel aller aber sei mehr als deutlich geworden: „Wir wollen und müssen möglichst alle Extremisten davon überzeugen, das es sich in dem Staat – mit all seinen Schwächen – lohnt zu leben, auch für Extremisten.“

Lösungen sind an dem Abend nicht gefunden worden. „Aber es ist schon einiges entstanden an dem Abend.“ Als ein Beispiel nannte Reinecke, dass vielen Teilnehmern Erkennungszeichen von Extremismus nicht bekannt gewesen seien, was „Rechte Musik“ bedeutet und welchen Reiz sie auf junge Menschen ausübt oder welche Auswirkungen Stammtischparolen auch auf die Köpfe Erwachsener haben.

Wie Anka Knechtel sagte, müssten sich Stadt und Politik nicht den Vorwurf der „Blindheit und Untätigkeit“ vorwerfen lassen: „Wir werden unaufgeregt und strukturiert das Problem anpacken. Wir haben die Multiplikatoren im Boot. Es passiert viel im Hintergrund.“

Am 12. Mai kommt eine rund 40-köpfige Arbeitsgruppe zusammen, um einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten.



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