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Pläne im Museum für Bergbau und Erdgeschichte / "Steigerstuben" dienen als Erweiterungsfläche

Mehr Platz für die beliebten Fossilienfunde

Kleinenbremen. Die Toilette liegt direkt neben dem Schweinestall. "Wegen der gemeinsamen Senkgrube", erklärt Alfred Kompe. Als ehemaliger Obersteiger weiß er genau, wie Bergmannshäuser aufgebaut sind. Deshalb hat der 79-Jährige für das Museum in Kleinenbremen ein Modell gebastelt - im Maßstab 1:15.

veröffentlicht am 12.04.2007 um 00:00 Uhr

Zum Aufklappen: Alfred Kompe (79) hat ein Bergmannshaus für das

Autor:

Dirk Haunhorst

Kompes Haus bereichert die Ausstellungüber den Siedlungsbau in Kleinenbremen. Nachdem das NS-Regime die Eisenerzförderung wieder hatte aufnehmen lassen, entstand in Kleinenbremen 1939 eine große Bergmannssiedlung am Everdingsbrink. Die Familien waren Selbstversorger, sie hielten Schweine, Ziegen, Hühner und bauten im kleinen GartenGemüse an. "Sie waren weitgehend selbstständig und stolz auf ihr Eigentum", sagt Museumsleiter Dr. Gerhard Franke. Er selbst ist stolz auf die neue Errungenschaft, die Alfred Kompe in mehreren hundert Stunden gebastelt hat. Die einzelnen Etagen des Hauses sind aufklappbar, so dass der Betrachter einen Blick ins Innenleben werfen kann. Der Wohnbereich ist noch nicht ausgestattet, ihn wird Kompe im nächsten Winter bestücken. Im Sommer hat er genügend andere Dinge zu erledigen, Gartenarbeit zum Beispiel. Es ist bereits das fünfte Modell, das Alfred Kompe gebaut hat, um das Leben unter und über Tage anschaulicher zu machen. "Sein Engagement und das der anderen ehemaligen Bergleute ist ein Glücksfall für uns", sagt Franke - wohlwissend, dass die filigrane Arbeit für das Museum für Bergbau und Erdgeschichte unbezahlbar wäre. Trotz der laut Franke "chronischen Unterfinanzierung" des Museums, das vom Kreis Minden-Lübbecke und der Stadt Porta Westfalica pro Jahr insgesamt rund 70 000 Euro erhält, sind weitere Projekte geplant, um die Attraktivität zu steigern. Da die Gaststätte "Steigerstuben" im Erdgeschoss endgültig geschlossen wurde, steht künftig zusätzliche Ausstellungsfläche zur Verfügung. Einen Teil davon möchte Franke mit Fossilien der Region füllen. "Diese Funde stoßen erfahrungsgemäß auf großes Interesse." Fossilien sollen im ehemaligen Küchenbereich der Gaststätte gesammelt, bestimmt und präpariert werden. Später sei die Gründung einer paläontologischen Gesellschaft möglich, so der Museumsleiter. Als freier Mitarbeiter steht dem Museum Mike Polschinski zur Verfügung, der als Experte auch Fossilien-Exkursionen anbietet. Der Umbau der "Steigerstuben" soll in diesem Herbst beginnen. Entsprechende Förderanträge sind unterwegs. Der ehemalige Gastraum könnte Frankes Vorstellung zufolge für kleine Experimente genutzt werden, beispielsweise für Lernspiele zum Thema Magnetismus. Nicht nur die jüngeren Besucher sollen Gelegenheit erhalten, selbst aktiv zu werden, statt nur zu schauen. Eine Fledermaus-Ausstellung sei für die hinzugewonnene Fläche eine weitere Option. Auch für die Außenbereiche präsentiert das Museum neue Ideen. Ehemalige unterirdische Abbaufelder sollen zur erlebnisreichen Erkundung genutzt werden. Franke möchte den Besuchern die Erfahrung von tiefer Dunkelheit und völliger Stille vermitteln und verspricht eine "extreme Raumerfahrung, die auch etwas Beklemmendes hat". Zurzeit sehen sich erfahrene Bergleute die Abbaustätten an, um geeignete Orte zu finden. Auch der Übertagebereich der Wülpker Egge soll in eine solche Begehung einbezogen werden. "Die Wülpker Egge ist geologisch hochinteressant, weil man direkt in den Berg hineinschauen kann", sagt Franke. Er möchte zudem den Steinbruch gleich hinterm Museum in die Angebotspalette mit einbeziehen. Geplant ist, das alte Wiegehäuschen zu reaktivieren und beispielsweise Bildhauern zur Verfügung zu stellen. Und die freie Fläche können Museumsbesucher künftig womöglich als Grillplatz nutzen. "Nach zwölf Jahren Museum ist es Zeit für eine Umorientierung", meint Franke. Das bedeute aber nicht, Bewährtes zu lassen, sondern die Angebote sinnvoll zu ergänzen, damit der Besucherzuspruch gehalten und vielleicht ausgebaut werden kann. In den vergangenen zwölf Jahren hat sich ungefähr eine Viertelmillion Besucher in Kleinenbremen über Bergbau und Erdgeschichte informiert.



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