weather-image
Getreideernte ist fast beendet / Wie immer: Wetterprobleme / Landvolk: "Durchschnittliche Ernte"

Mehr Ernte, aber auch höhere Energiekosten

Obernkirchen/Landkreis (rnk). Die hochsommerlichen Tage erfreuen nicht nur Kinder und Urlauber, die ihre wohlverdienten Ferien im Freien genießen wollen, sondern auch die Getreidebauern, die endlich wieder ihre Mähdrescher in Betrieb nehmen konnten. Anfang Juli hatte kühle und nasse Witterung dem recht frühen Erntebeginn ein energisches Ende gesetzt. Nach dem Wetterwechsel in der vorletzten Juliwoche haben die Bauern bislang Versäumtes in der Ernte aufgeholt. Insgesamt, sagt Friedrich Wilharm vom Kreisverband des Landvolkes, sei die Getreideernte bis jetzt mittelmäßig oder durchschnittlich ausgefallen - je nach Standort etwas besser oder eben etwas schlechter. "Das betrifft nicht nur den Landkreis, sondern auch die ganze Region Weserbergland." Wobei Kleinigkeiten durchaus den Unterschied ausmachen können: Ein, zwei Regenschauer im April oder Mai - und die Ernte fällt deutlich besser aus, als wenn das Feld zweimal trocken bleibt: "Das kann 10 bis 20 Prozent ausmachen."

veröffentlicht am 05.08.2008 um 00:00 Uhr

0000495053.jpg

Die Preise hätten sich im Vergleich zu denen vor zwei oder drei Jahren durchaus verbessert, erklärt Wilharm, das sei aber für die Landwirte nur bedingt ein Grund zum Jubeln: "Pro Doppelzentner sind die Energiekosten auch um fünf bis acht Euro gestiegen", der Nettoertrag liege daher entsprechend niedriger. Grundsätzlich, so Wilharm, werde im Herbst abgerechnet, wenn auch der letzte Landwirt seine Ernte verkauft habe. Drei Strategien nennt Wilharm: Die Ernte in den zumeist aufwendig gebauten Hallen einlagern, den Markt beobachten und dann verkaufen, wenn die Preise oben sind, zweitens, die Ernte bei den Genossenschaften einlagern, weil die eigenen Kapazitäten fehlen, und dann ebenfalls beobachten und verkaufen, und drittens: Direkt nach der Ernte verkaufen, was auch das Schwundrisiko bei der Lagerung minimiert. 70 Prozent der Ernte, so schätzt Dirk Rodenbeck, hat er bereits eingefahren, der Gelldorfer, ein klassischer Getreidelandwirt, ist "durchaus zufrieden". Auf den Feldern gehe es "einigermaßen voran", auch wenn Mutter Natur in den letzten Tagen verdeutlicht habe, wer der Stärkere sei: Rund 100 Millimeter Niederschlag seit Dienstag letzter Woche hätten die Tragfähigkeit der Böden bis an die Grenzen geführt, heute Mittag, so rechnet Rodenbeck, könne es auf den Feldern weitergehen. Dann könne der Mähdrescher wieder auf die nassen Felder. "Wir haben da schon ein paar Tricks auf Lager", erklärt Rodenbeck und verwiest auf Zwillingsreifen - dann geht, was vorher nicht ging. Die Bauern freuen sich jetztüber die guten Erntebedingungen, sie müssen das Korn nicht nachtrocknen und sparen damit Energiekosten. Allerdings haben sie in diesem Jahr Dünger, Pflanzenschutzmittel und auch den Diesel für den Betrieb der Beregnungsmaschinen oder ihre Traktoren wesentlich teurer bezahlen müssen als im Vorjahr. Heinrich Struckmeier kann das vorrechnen: Der Dünger, den er für das nächste Jahr bestellt hat, kostet schon jetzt fast doppelt so viel wie im letzten Jahr - bei gleicher Menge, versteht sich. Und bei den Rechnungen für den Diesel regt sich der Röhrkastener Landwirt nur noch selten auf: Immerhin 15000 Liter Dieselkraftstoff benötigt er im Jahr, da schlägt jede Preiserhöhung kräftig ins berühmte Kontor. Bei der Ernte ist Struckmeier zufrieden, fast 80 Prozent hat er von den Feldern runter. Die Erträge sind besser als im letzten Jahr, erzählt er, "aber da waren sie auch extrem schlecht". Gut 20 Prozent besser ist die Ernte 2008 ausgefallen, dafür ist der Preis um 20 Prozent gefallen. Ein bisschen Hafer hat er noch auf den Feldern stehen, der ist selten geworden im Landkreis Schaumburg. Aber Struckmeier wird ihn weiter anbauen: "Den brauche ich für meine Pferde."



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt