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Was Wilhelm Busch alles drauf hatte

Mehr als nur Max und Moritz

POLLE. Heiko Postma, ein Fachmann für die Literatur des 17. bis 20. Jahrhunderts, kam erneut für zum GC Weserbergland, um sein Publikum in Polle zu unterhalten, denen er schon häufiger in den zurückliegenden zwanzig Jahren einzelne Heroen der neuzeitlichen Literatur nahe brachte.

veröffentlicht am 13.04.2017 um 00:00 Uhr

Heiko Postma in seinem Element der Darstellung pr

Für diesen Abend hatte er Informatives zu Wilhelm Busch im Gepäck. Unter dem Motto „Ich müßte lachen, wenn gerade die Welt unterginge…“ nahm daher im Clubhaus ein unterhaltsamer Vortrag rund um den großen deutschen Volksdichter seinen Verlauf. Wilhelm Busch, von Heiko Postma sehr lebendig vorgestellt. Postma, der als freier Autor in Hannover lebt, gelangt es erneut, dass der Zuhörer den Eindruck hat, dem Schriftsteller direkt zu begegnen. Wer Wilhelm Busch allerdings nur auf seine Lausbubengeschichten reduziert, greift zu kurz. Er war ein Denk-, Dicht- und Zeichenkünstler, der einige Zeit benötigte, um seine wahre Bestimmung zu finden. Nach langen Studienjahren beruflich eigentlich schon gescheitert, sorgte seine erste Anstellung als Karikaturist für die Sicherung des Lebensunterhaltes. Das zuvor mehrfach wieder aufgenommene Kunststudium hatte er nie zu Ende geführt. Aber aus diesen Jahren der unsteten Ausbildung und des Reisens entwickelte sich in den Werken von Wilhelm Busch ein originärer Stil aus Volkslyrik, zeichnerischem Talent und einer gewissen Zotenhaftigkeit der Sprache, die auch dem heutigen Leser noch ein Schmunzeln entlockt. Nach den Lausbubengeschichten veröffentlichte Busch zahlreiche erfolgreiche Werke wie die Fromme Helene oder den heiligen Antonius von Padua, wodurch sich seine wirtschaftliche Situation deutlich verbesserte. Aber er profitierte vom Erfolg seiner beiden Lausbuben erst in seinen letzten Lebensjahren, da er seine Urheberrechte bereits vor der Erstveröffentlichung für 1000 Gulden an seinen damaligen Verleger abgetreten hatte. Zu seinem 70. Geburtstag erhielt er schließlich eine Ehrenvergütung. Im Privaten blieb Busch aber zeit seines Lebens ein ernster und verschlossener Mensch, der lange Jahre in der Provinz lebte, dem öffentliche Aufmerksamkeit und Ehrungen unangenehm waren und der sich vor allem im Netzwerk seiner Familie und seiner frühen Freunde wohlfühlte. Heiko Postma ist ein begnadeter Erzähler, der Wilhelm Busch in all seinen Facetten ausleuchtete und der am Ende lang anhaltenden Applaus für seine Darbietung erhielt.pr

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