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Aktualität des Themas mit modernen Medien unterstützt / Vorstellung im Rahmen des Vikiluprojekts zu Theresienstadt

Max Frischs „Andorra“ ausdrucksstark präsentiert

Hameln. Es ist ein unbequemes Stück, das die Theater-AG der Jahrgangsstufen 7-10 unter der Leitung von Marc Ende in der Aula des Viktoria-Luise-Gymnasiums präsentiert hat.

veröffentlicht am 24.05.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:21 Uhr

Max Frischs „Andorra“, Bestandteil des Schulprojektes „Theresienstadt“, setzt sich modellhaft mit dem Thema Antisemitismus und der Frage der Schuld des Einzelnen auseinander. Dabei wird schonungslos vor Augen geführt, wie Vorurteile zu Diskriminierung und Ablehnung bis hin zu offener Gewalt und Lynchjustiz führen können, berichtet Stephanie Koppenhagen. Begrüßt wurden die Besucher per Videosequenz von den Dorfbewohnern Andorras, die gebetsmühlenartig verkündeten: „Ich bin nicht schuld, dass sie ihn geholt haben.“ Die Rechtfertigungen und Reinwaschungen der Zeugen stehen im Raum, bevor die Zuschauer durch die Betrachtung des Stücks, in dessen Verlauf der vermeintliche Jude Andri durch die Dorfgemeinschaft hingerichtet wird, zu einem anderen Urteil gelangen können. Andri wächst 20 Jahre als jüdischer Ziehsohn des Lehrers Can in der andorranischen Gemeinde auf. Doch Can hat ein Geheimnis: Andri ist sein leiblicher Sohn aus der verbotenen Beziehung zu einer Señora aus dem verfeindeten Nachbarland. Um der Schande zu entgehen, gibt Can vor, Andri das Leben gerettet zu haben. Als jener anfängt, sein Leben selbst gestalten zu wollen, wird dies von den stets in stereotypen, schlichten Rollenbildern denkenden Andorranern zunichte gemacht. Als Andri unter dem Druck der Vorurteile das auf ihn projizierte Bild als Selbstbild annimmt, wird er zu einem willkommenen Sündenbock für ein Verbrechen, das die Andorraner begehen.

Bewegend ausdrucksstark stellte Florian Lerch die innere Zerrissenheit Cans dar – die Frage der Schuld am Untergang seines Sohnes. Der Zuschauer ist ergriffen von Andris wachsender Verzweiflung, die Kevin König eindrucksvoll mimte. Der Originaltext wurde verschlankt und teilweise verändert. So offenbart das Stück unter der Regie von Marc Ende, dass es keine zu Feinden stilisierten „Schwarzen“ braucht, um eine Gesellschaft im Gleichschritt marschieren zu lassen. Auch der von Jan-Christoph Meinke gespielte Pater, hier im Gegensatz zum Original als treibende Kraft der Hetze uminterpretiert, erkennt die eigene Schuld am Ende nicht an. Torben Salm spielt einen kaltblütigen, arroganten Soldaten, Dominique Fahs als Andris Schwester Barblin lässt ihren Emotionen am Ende freien Lauf. Ein packendes Theaterstück, das mit modernen Medien, wie Handy und Videobotschaften, eine Brücke in die Gegenwart schlägt und damit verdeutlicht, das Antisemitismus und Vorverurteilung aktuell sind.

Zum Abschluss des Projekts wird am 5. und 6. Juni die Oper von David Paul Graham, „Die Mädchen von Theresienstadt“ von der Musikklasse 9e und Solisten vom Vikilu jeweils um 19 Uhr in der Aula Grütterstraße aufgeführt. Interessierte können einen Sitzplatz im Sekretariat reservieren unter 05151/2021249.



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