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Historische Stiftsmauer drückt nach außen / Stadt lässt Beeker Straße sperren / 70 000 Euro Kosten

Mauer droht einzustürzen: "Gefahr relativ groß"

Obernkirchen (rnk). Hiobsbotschaft für Stadt und Stift: Die Außenmauer des Stifts droht einzustürzen. Einem Gutachten zufolge ist die Gefahr so groß, dass Bürgermeister Oliver Schäfer am Donnerstag anordnete, die Beeker Straße für den Autoverkehr zu sperren. Es gibt verschiedene Sanierungsvorschläge, die alle die gleichen Nachteile haben: Sie sind teuer und werden einen Teil der Beeker Straße kosten.

veröffentlicht am 23.06.2008 um 00:00 Uhr

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Dass die historische Stiftsmauer ein Problem darstellt, weil sie nach außen drückt, ist seit längerer Zeit bekannt. Schon im Rahmen des Leaderprozesses hatte sich Schäfer im letzten Jahr nach Fördergeldern erkundigt. Das wahre Ausmaß der Schäden zeigte das 2007 in Auftrag gegebene und Anfang letzten Monats Stadt und Klosterkammer vorgestellte Gutachten: Die Standfestigkeit der Mauer fehlt im hohen Maße. Bei einem heftigen Regen droht sie mitsamt der Böschung auf die Beeker Straße herunterzurutschen. Was auch an ihrer Bauweise liegt: Sie ist nur rund 35 Zentimeter tief im Erdreich gegründet. Für die Stadt Obernkirchen wird die Mauer ein dickes Loch in den Etat reißen, denn Stift und Stadt sitzen gemeinsam in einem Boot: Die Mauer gehört zum Stift, die Böschung liegt auf städtischem Gebiet. Ebenso die Beeker Straße, die bei allen Lösungsvorschlägen eines wird: deutlich schmaler. Die am schnellstens zu realisierende und unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten sinnvollste Lösung, so formulierten es am Freitagnachmittag Äbtissin Susanne Wöbbeking und Bürgermeister Schäfer, wäre ein Aufschütten der Böschung, um den Druck von innen mit Druck von außen auszugleichen. Ein Teil der Straße - Schäfer sprach von gut der Hälfte - müsste für die Aufschüttung mitgenutzt werden, weil sonst der Winkel zu groß wäre - und das aufgeschüttete Material nicht seine volle Wirkung erzielen könnte. Aber auch alle anderen Lösungen, wie etwa eine zweite Mauer, die vor die Stiftsbegrenzung als Abfangmauer gesetzt werden könne, würden einen Teil der Beeker Straße kosten. Reiner Dittmann von der Klosterkammer schätzte am Freitag, dass die Böschung so oder so gut zwei Meter nach der Sanierung höher reichen wird, also in etwa auf dem Niveau des Gartens hinter der Mauer liegen wird. Möglich wäre auch das Aufstellen von Gabionen: Drahtgitterkörbe mit Wasserbausteinen oder Schroppen gefüllt dienen der Böschungssicherung. Dieser Vorschlag soll vom Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt favorisiert worden sein, der sich in nicht öffentlicher Sitzung in der letzten Woche informierte. Eine richtig bittere Pille wird die Sanierung für die Stadt, weil am Fuß der Mauer die Kanäle verlaufen und diese in jedem Fall, unabhängig von der Lösung, verlegt werden müssen. Schäfer schätzte die Kosten und den Verlust der Straße auf 70 000 Euro - im besten Fall. Schäfer zeichnete am Freitag ein durchaus realistisches Szenario: Was, wenn sich herausstelle, dass die Kanäle noch gut sind - "wer zahlt dann?" Und: "Dazu müssen wir als Stadt noch Land abgeben." Immerhin: Die Verlegung der Schmutz- und Abwässerkanäle wäre in drei Tagen erledigt. Gesucht wird eine schnelle Lösung, versicherten Schäfer, Äbtissin Wöbbeking und Dittmann unisono. Zuvor gilt es eine andere Frage zu klären. Schäfer formulierte es so: "Welchen Teil trägt die Stadt Obernkirchen finanziell bei?"

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