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Figurentheater in der Jugendfreizeitstätte / Maßlosigkeit und Habsucht

Manntje, Manntje: "Filou Fox" erzählt vom Fischer und Ilsebill

Bückeburg (bus). "Manntje, Manntje, Timpe Te; Buttje, Buttje in de See; miene Fru de Ilsebill; will nich so, as ik wol will" - dieser Ruf des Hauptdarstellers aus dem Märchen "Vom Fischer und seiner Frau" ist den Besuchern des aktuellen "Filou-Fox"-Gast- spiels gleich mehrfach zu Ohren gekommen. Das im Rahmen der "Osterhits für Kids" in der Jugendfreizeitstätte auf die Beine gestellte Spiel führte dem jungen Publikum eindrucksvoll die Konsequenzen von Maßlosigkeit und Habsucht vor Augen: Erst gibt es reichlich schlechtes Wetter und schließlich endet man - pardon - in einem P isspott.

veröffentlicht am 27.03.2008 um 00:00 Uhr

Der Fischer (links), Ilsebill (rechts) und Spielleiter Achim Fuc

Figurentheater-Spielleiter Achim Fuchs-Bortfeldt lässt die Protagonisten des Stücks - den Fischer, dessen Frau Ilsebill und einen Butt - ziemlich dicht am Original der ursprünglich niederdeutschen Geschichte agieren. Eine vom Hauptdarsteller geangelte Scholle erweist sich als verwunschener Prinz und Zauberfisch, der alle Wünsche wahr werden lassen kann. Dem Fischer ist das ziemlich schnurz, Ilsebill aber kann den Hals nicht voll bekommen und lässt zunächst die von ihr als "Pisspott" empfundene Hütte in einen Königspalast verwandeln. Sodann will sie Königin, Kaiserin und später sogar Papst werden. Das kann kaum gut gehen. Je maßloser Ilsebill ihre Wünsche formuliert, desto ärger verschlechtert sich das Wetter. Die See wird erst grün, dann blauviolett, dann schwarz, und der Sturm immer heftiger. Als sie schließlich den Bogen komplett überspannt und Gott werden will, versetzt sie der Butt zur Strafe zurück in ihre armselige Behausung. "Geh man hem", bedeutet der Fisch dem Fischer, "se sitt all weder inn Pisspott." Fuchs-Bortfeldt versteht es, durch Einfügung persönlicher Momente - "die Geschichte kommt mir bekannt vor" - und zwischenzeitliche Rückführungen in die Realität - "ich erzähle hier ein Märchen" - den kaum flüggen Zuschauern Gedanken über psychologische Verflechtungen des Paares zu ersparen. Es geht also nicht darum, wie in etlichen Veröffentlichungen zu lesen ist, "dass der Fischer, der immer nur seine Ruhe haben möchte, Veränderungen fürchtet und einen erschreckenden Mangel an Fantasie und Einfühlungsvermögen an den Tag legt, mitverantwortlich für Ilsebills nicht zu befriedigende Gier und Unzufriedenheit ist." Sondern ganz allgemein um die Ermunterung, Maß zu halten. Darüber hinaus relativiert "Filou Fox" Unterschiede zwischen Pisspott und Palast, zwischen Armut und Reichtum mit profanen Mitteln: Wenn vermeintlich goldene Hocker unschwer als aufeinandergestapelte Ölsardinendosen zu erkennen sind, verliert die hochherrschaftliche Sitzgelegenheit enorm an Reiz. Und die Moral von der Geschicht? "Wünschst du zu schlecht oder zu viel, gelangst du selten an dein Ziel."



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