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Pastorin Claudia Filker hält nichts davon, es allen recht zu machen

"Man muss wirklich auch einmal ,Nein' sagen können!"

Bad Eilsen (sig). Es allen recht zu machen, ist eine Kunst, die keiner kann. An dem Versuch, diese Erkenntnis außer Kraft zu setzen, sind schon viele gescheitert. Menschen, die keinen Standpunkt haben, sondern hin- und herschwanken zwischen den Wünschen und Vorstellungen anderer, werden mit ihrem Leben nicht zurechtkommen. Genau das wollte Claudia Filker den Teilnehmerinnen des Frauenfrühstücks im voll besetzten Kursaal klar machen.

veröffentlicht am 03.11.2006 um 00:00 Uhr

Pastorin, Buchautorin und Referentin: Claudia Filker. Fotos: sig

"Es gibt gute Gründe, es eben nicht allen recht zu machen", hatte die 49-jährige Pastorin aus Reineckendorf ihren Vortrag überschrieben. Sie kennt eine Vielzahl solcher Gründe. Sonst hätte sie ihr eigenes, mehr als ausgefülltes Leben bislang so nicht meistern können. Sie ist verheiratet mit dem Direktor derBerliner Stadtmission, einem engagierten, kreativen und viel beschäftigen Fürsprecher der Not leidenden in der Hauptstadt. Zur Familie gehören sechs Kinder. Und die in Solingen geborene Claudia Filker ist zusätzlich noch seit 15 Jahren als Referentin bei Frühstückstreffen in Deutschland unterwegs. Dass Claudia Filker nebenbei noch Zeit findet, Bücher zu schreiben, macht deutlich, dass sie die Kunst beherrscht, ihr Leben zu organisieren und häufiger auch mal "Nein" zu sagen. "Menschen, deren Lebensenergie sich darauf richtet, die Erwartungen anderer zu erfüllen, haben wenig Ecken und Kanten, bleiben meistens aber leider erheblich unter ihren eigenen Möglichkeiten", schrieb sie in einem ihren Taschenbücher zu diesem Thema. Deren ständiger Begleiter sei ein schlechtes Gewissen, das sich mit großer Zuverlässigkeit bei allen möglichen Gelegenheiten melde. "Wir tun oft Dinge, die wir eigentlich nicht mehr wollten, denn wir können einfach nicht alle an uns gerichteten Erwartungen erfüllen", lautet eine ihre Erfahrungen. In solchen Fällen sei es wichtig, sich die Fragen zu stellen: "Was oder welche Situation setzt mich unter Druck, und was hindert mich daran, das zu tun, was ich möchte?" Dass man seinem Leben schon Strukturen geben müsse, verneinte die Referentin nicht. Das weiß sie schließlich aus eigener Erfahrung. Aber das Bemühen, so perfekt wie möglich zu sein, sieht sie nicht als Heilslehre an. Perfekte Menschen würden eher geachtet als geliebt, lautet eine ihrer Schlussfolgerungen. Ihren Zuhörerinnen gab sie die Empfehlung, den nötigen Mut zum "Nein" aufzubringen und rechtzeitig Grenzen zu ziehen. Es gebe kein zweites Leben, für das man seine Entscheidungen aufheben könne. Deshalb lohne es sich auch nicht, Neidkomplexe zu entwickeln. Jeder sei einmalig und habe den Grund, Gott dafür zu danken. Zu Beginn der Veranstaltung gab es die Lebensbeichte einer Frau, die einst auf der Straße gelebt hatte und drogenabhängig war. Durch eine besondere Begegnung mit einem gläubigen Menschen fand sie den Weg zu Gott und schaffte mit ihm die dauerhafte Wende zu einem neuen besseren Leben. Christina Blümel, die das Frauenfrühstück moderierte, stellte außerdem noch ein Cello-Trio der Musikschule Schaumburger Märchensänger vor. Unter der Leitung von Nikolaus Dietrich spielten Lisa-Maria Bürger und Moritz Disselkamp, die bei der "Nacht der Kultur" in Bückeburg mitgewirkt hatten, romantischeKompositionen. Lob erhielt auch Küchenmeister Thomas Hose, der wieder das reichhaltige Frühstücksbüfett für die rund 250 Teilnehmerinnen zusammengestellt hatte.

Gleich mehrfach zum Einsatz kam das Cello-Trio der Musikschule (
  • Gleich mehrfach zum Einsatz kam das Cello-Trio der Musikschule (v.l.): Moritz Disselkamp, Nikolaus Dietrich und Lisa-Maria Bürger.

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