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Künstler im Weserbergland: Ernst Duttmann wurde vor 110 Jahren in Groß Berkel geboren

Maler auf großer Fahrt

Der noch heute bekannte Kunstmaler Ernst Duttmann ist am 16. Oktober 1904 als Sohn des Holzschuhfabrikanten Adolf Duttmann und seiner Ehefrau Karoline geb. Vieregge in Groß Berkel geboren worden. Er wuchs mit vier Brüdern und einer Schwester in seinem Elternhaus an der Düvelstraße in Groß Berkel auf. Über die Herkunft seiner Vorfahren schreibt er: „Ursprung der Duttmanns soll im Lippischen bei Exten liegen. Einer aus diesem Dorf soll als Messerschmied bis nach Italien gewandert sein und dann in Groß Berkel eine Messerschmiede aufgemacht haben. Er soll sogar Messer in Prag geschmiedet haben; die Mähr ist immer erzählt worden.“ Diese Angaben stimmen so weit. Ernst Duttmanns Vorfahre Heinrich Christian Duttmann ist am 23. Juni 1797 in Exten/Lippe, als Sohn des aus Recklinghausen/Westf. stammenden Messerschmiedes Johann Peter Duttmann geboren worden. Er heiratete Christine Sophie Dorothea Kreye aus Groß Berkel, wo sich das Ehepaar um 1830 niederließ. Hier war Heinrich Christian Duttmann als Messerschmied tätig. Ob er oder andere Vorfahren wirklich auf der Wanderschaft bis nach Italien oder Prag gelangten, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

veröffentlicht am 25.10.2014 um 00:00 Uhr

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Autor:

VON MANFRED WILLEKE

Das künstlerische Talent hat Ernst Duttmann vermutlich von seinen väterlichen Vorfahren geerbt, die als Messerschmiede feine Klingen und kunstfertige Scheren herstellten. Von seinem Vater Adolf, der 1881 in Groß Berkel eine Holzschuhfabrik gegründet und mit 18 Angestellten betrieben hat, dürfte er die figürliche Auffassung geerbt haben.

Schon in früher Jugend hat Ernst Duttmann gemalt und gezeichnet, konnte sich mit dem Berufswunsch Kunstmaler zu werden, aber zunächst nicht durchsetzen. Auf Wunsch seines Vaters erlernte er 1920-23 zunächst den Beruf des Rechtsanwaltsgehilfen in Hameln. Ernst danach wandte er sich, seiner Begabung folgend, dem Kunst- und Malerstudium zu.

Er studierte 1923/24 an der staatlichen Kunstgewerbeschule in Kassel und 1925/26 an der Landeskunstschule in Hamburg bei Prof. Hugo Meyer-Thur. Noch während seines Studiums verbrachte er vier Wochen in Fischerhude und lernte auch Worpswede kennen. Darüber schreibt er: „1923 lernte ich das Teufelsmoor bei Fischerhude und Worpswede kennen. Dieses Moor war nun sehr berühmt geworden und Worpswede wurde schon von vielen Fremden überlaufen. Ich habe vier schöne Sommerwochen in Fischerhude bei malen und staken auf der Wümme verbracht.“ Nach Abschluss der Studien unternahm er Malerreisen nach Königsberg/Masuren (1927), Niederlande (1929) und Belgien (1930). Wirtschaftlichen Zwängen folgend, eröffnete er 1930 in Groß Berkel einen handwerklichen Malerbetrieb und hatte teilweise bis zu zwanzig Angestellte.

2 Bilder
Ernst Duttmann bei einer Ausstellungseröffnung im Jahr 1984. pr (3)

1939 machte er sich als freischaffender Kunstmaler selbstständig, arbeitete zunächst aber noch in der Holzschuhfabrik seines Vaters Adolf mit. In den Kriegsjahren war Ernst Duttmann zunächst als Betriebshelfer beim Energieunternehmen Wesertal (E.on Westfalen-Weser) eingesetzt, bevor er als Sanitätssoldat eingezogen wurde. Als solcher war er zunächst in Flandern im Einsatz. 1944 war er in Frankreich, in der Zeit des Kriegsendes an der Ostfront eingesetzt. In der Slovakei geriet er in russische Kriegsgefangenschaft (Gefangenenlager Döllersheim). Anfang 1946 kehrte er aus der Gefangenschaft nach Groß Berkel zurück.

Bereits 1947 schloss sich Ernst Duttmann dem Bund bildender Künstler in Nordwest- deutschland (Mitglied Nr. 374) an, war Mitglied im Kunstkreis Hameln und gründete 1953 die Künstlergemeinschaft Hameln-Pyrmont „arche“ mit. Seit 1948 nahm er fast immer mit mehreren Kunstwerken an Kunstausstellungen teil.

Nach Reisen ins Bourtanger Moor 1951, besuchte er im Frühjahr 1952 noch einmal Worpswede, und traf dort auch den berühmten Maler Fritz Mackensen (+1953). Er berichtet darüber: „Im Frühjahr war ich nochmals in Worpswede, aber es schien mir nicht mehr die Luft von damals zu sein. Das Gesicht des jetzt schon weit über 80 Jahre alten Mackensen schien mir verraten zu wollen, dass die schöne Worpsweder Zeit unwiederbringlich dahin ist. In einer Ausstellung sah ich ein paar auf Karton gemalte Arbeiten der Paula Modersohn, die noch vom Moor meiner Vorstellung zeugten…“. Nach diesem Besuch in Worpswede reiste er nach Norwegen und unternahm danach, durch Vermittlung des Vorsitzenden des Kunstkreises Hameln, Dr. Rolf Flemes, mehrere Reisen in die Südsee, Südamerika, Ägypten, Marokko und Kanada. Auf Empfehlung der Firma Thyssen-Bornenitza, unternahm er viele Schiffsreisen mit Schiffen der Reederei Fisser-Dornum in Emden bzw. dem dort tätigen Kapitän Kählert aus Hameln. Einige Schiffsreisen unternahm er, auf Empfehlung des Konzerns Oetker (Bielefeld) bzw. Frau Wellershaus geb. Oetker (Firma Pudding-Reese) aus Hameln, mit Hamburger Reedern. 1974 stellte die Ehefrau des Vorsitzenden des Kunstkreises Hameln, Charlotte Flemes, Briefe und Skizzen von den Überseereisen Ernst Duttmanns zu einem Buch unter dem Titel „Maler auf großer Fahrt“ zusammen, das im Verlag Niemeyer erschien. Dort erschienen auch viele Postkarten und Drucke von Duttmanns Werken.

Durch die Freundschaft des Professors Dr. Sante David, Kunsthistoriker an der Universität Siena, mit dem Kunstkreis Hameln bzw. Vorstandsmitgliedern desselben, unternahm Ernst Duttmann mehrere Reisen nach Italien. Häufig besuchte er auch den sog. Malerturm, das Wochenendhaus des Nienburger Kaufmanns Johs. Heitmann an der Weser und das Haus der aus Hameln gebürtigen und in Berlin lebenden Gertrud Kühl auf der Nordseeinsel Föhr.

Ernst Duttmanns künstlerisches Schaffen war in den letzten Lebensjahren stark von Reisen nach Jütland (Dänemark), Norwegen, Hohwacht (Ostsee) und Ostfriesland beeinflusst. Häufige Begleiterinnen waren Frau Doris Schmidt und Frau Gabriele Rauschning, die ihm oft ihre Ferienwohnung in Hohwacht zur Verfügung stellte.

Am 2. Dezember 1980 erhielt er, als Dank für sein Schaffen, vom niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kunst einen Geldpreis. Das Land Niedersachsen kaufte in den 1980er Jahren mehrfach Gemälde von Ernst Duttmann, mit denen in der Regel Minister und Ministerialbeamte verabschiedet wurden.

Im April 1984 unternahm Ernst Duttmann eine Reise nach Hohwacht, im Juni nach Norwegen. Anlässlich seines 80. Geburtstags am 16. Oktober 1984, stellte Ernst Duttmann seine Werke im Stiftsherrenhaus (Museum) der Stadt Hameln aus.

In der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1985 erlitt er einen Schlaganfall und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo er noch am gleichen Tag verstarb. Am 8. Februar 1985 ist Ernst Duttmann in Groß Berkel beerdigt worden.



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