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Projektgruppe soll Konzept entwickeln

Mahnmal-Idee: Gestaltung wieder völlig offen

Stadthagen (ssr). In geordnete Bahnen gelenkt werden soll die im Frühjahr von Hasso Neumann (Wölpinghausen) vorgetragene Idee eines Mahnmals für die Nazi-Opfer in Schaumburg. Der Stadthäger Rat wird am nächsten Montag aller Voraussicht nach beschließen, dass die Kreisstadt Standort dafür werden soll. Alles andere ist völlig offen - wie inhaltliches Konzept, Gestaltung, genaue Platzierung und Verknüpfung mit anderen Stätten. Eine 16-köpfige Projektgruppe unter Leitung der "Schaumburger Landschaft" wird vom Rat den Auftrag erhalten, ein Konzept zu entwickeln. Das soll in einem extrem offenen, gesellschaftlich breiten Diskussionsprozess entstehen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 08:36 Uhr

Dieöffentliche Vorstellung des Mahnmals durch Neumann und die offizielle Auftaktveranstaltung Ende April vor der Amtspforte durch Landrat und Bürgermeister hatte, wie berichtet, zu sehr unterschiedlichen, teils lebhaften Reaktionen geführt. Daraus hat die Projektgruppe eine Reihe von Konsequenzen gezogen. Die Frage des Standortes für ein Mahnmal in Stadthagen ist wieder völlig offen - das heißt: es gibt keinerlei Vorentscheidung für den Platz vor der Amtspforte. Diese Offenheit gilt auch für die Gestaltung eines Mahnmals. Für diese soll, aber erst wenn das Gesamtkonzept steht, ein Ideen-Wettbewerb ausgeschrieben werden. Die offizielle Bezeichnung des Vorhabens läuft nunmehr unter dem Namen: "Erinnerungsprojekt zum Gedenken an die jüdischen und alle anderen wegen ihrer Rasse, Religion und Weltanschauung verfolgten, vertriebenen und ermordeten Mitbürger in Schaumburg". Der Status des Projektes ist der einer "Privatinitiative von Herrn Hasso Neumann", die von Landkreis und Stadt unterstützt und in deren Auftrag durch eine Projektgruppe umgesetzt wird. Die Federführung der Projektgruppe hat die "Schaumburger Landschaft". Der 16-köpfigen Gruppe gehören Vertreter des Landkreises, der Stadt (inklusive Fraktionen), des Staatsarchivs, der Kirchengemeinde St. Martini sowie einige Privatpersonen (wie etwa Initiator Neumann) an. Das Projekt soll ausdrücklich "unter Beteiligung einer breit angelegten öffentlichen Diskussion" entwickelt werden. Als Berater und Moderator des Projekts ist der Berliner Architekt Günter Schlusche gewonnen worden. Schlusche hatte die Planungs- und Baukoordination für das "Holocaust Mahnmal", des Denkmals für die ermordeten Juden Europas, in Berlin. Als erster Abschnitt der Projektarbeit soll ein grundlegendes Konzept entwickelt werden. Dabei geht es im Kern um drei Elemente: die objektive Informationüber die tatsächlichen Fakten und Zusammenhänge; der pädagogische Aspekt von Bildung und Weiterbildung ("Was lernen wir daraus für die Gegenwart?"); sowie die sinnlich-ästhetische Ansprache durch die Gestaltung. Als wichtige Punkte bei diesem Konzept werden die Vernetzung mit anderen im Landkreis bereits vorhandenen Mahnmalen und Erinnerungsprojekten sowie der Blick auf die junge Generation betrachtet. Dabei könnte es auch zur Einbeziehung der ehemaligen Synogagoge in der Nähe der Stadthäger Niedernstraße kommen. Dazu müssten zuallererst aber Fragen des Eigentums und des Bauzustandes geklärt werden, um anschließend ein Nutzungskonzept zu entwickeln.

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