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Vier Konzept-Ansätze zur Gestaltung des "Erinnerungsprojektes" stehen im Raum / Rat übernimmt Willensbildung

Mahnmal: Auf der Suche nach authentischen Lernorten

Stadthagen (ssr). Vier Konzept-Ansätze stehen nach Abschluss der Foren-Reihe zum Erinnerungsprojekt für die Schaumburger Nazi-Opfer im Raum. Nun übernimmt der Rat der Stadt wieder federführend den Willensbildungsprozess.

veröffentlicht am 25.01.2008 um 00:00 Uhr

Andreas Kraus.

Besonderen Beifall hatte auf dem dritten Forum am Mittwochabend (wir berichteten) die Idee gefunden, die ehemalige Synagoge in der Nähe der Stadthäger Niedernstraße zu restaurieren und als kreisweit zentralen Ort des Projektes zu gestalten. Nach Vorstellung von Jürgen Lingner, dem Leiter des örtlichen Arbeitskreises für jüdische Geschichte, könnte das historische Gebäude zu einem "Ort des Erinnerns, Gedenkens und Lernens" werden. Zwar biete das bislang als Warenlager dienende Gebäude mit insgesamt 65 Quadratmetern Nutzfläche (inklusive einer Empore) nur begrenzt Raum, gleichwohl könnten dort nach der Idee Lingners mehrere Dinge zusammengeführt werden: Elemente wie eine Bildschirmpräsentation aller Schaumburger Nazi-Opfer, eine Gedentafel und eine Menorah (siebenarmiger Leuchter) könnten dem Aspekt des Gedenkens dienen. In einer Ausstellung solle es um konkrete Einzelschicksale, um eine Sammlung von Daten der Opfer und der Überlebenden und auch um die Darstellung von Widerstand und Mitmenschlichkeit gehen. An diesem "authentischen Lernort" gelte es, etwa durch Computer-Infoplätze, speziell auch junge Leute mit dem Thema zu konfrontieren - möglichst mit aktuellen Bezügen zur heutigen gesellschaftlichen Realität, ergänzte Lingner. Andreas Kraus, Stadthäger Gymnasiallehrer für Politik und Geschichte, legte sein kreisweites Konzept von vernetzten Stätten zum Erinnerungsprojekt vor. Neben der Stadthäger Synagoge nannte er als mögliche Orte unter anderem: Steinbrüche Steinbergen (Thema industrielle Zwangsarbeiter), Museum Obernkirchen (politisch Verfolgte), Bauernhaus Lauenhagen (Zwangsarbeit in der Landwirtschaft), Museum Rinteln (Euthanasie) und Museum Bückeburg (örtliche NS-Herrschaftsstruktur). Dabei handele es sich um "Lernen nach dem Stationenprinzip". Bei diesem Ansatz müssten viele Kooperationspartner zusammenwirken, was eher ein Vorteil sei, denn das Konzept ist laut Kraus bewusst als ständiger Prozess, nicht als Herstellen einiges fertigen Produktes gedacht. Der Berliner Architekt Günter Schlusche, Berater des Schaumburger Erinnerungsprojektes, schlug für Stadthagen eine Reihe von Erinnerungszeichen vor. Damit meint er eine geeignete Beschilderung, mit der auf wichtige Erinnerungs-Stätten hingewiesen werden kann. Neben der Synagoge seien der jüdische Friedhof, frühere Ghettohäuser, das Kriegsmahnmal am Wall oder das Mahnmal für Zwangsarbeiter denkbar. "Durch mit guten Informationen versehene Hinweistafeln können diese Stätten aus ihren Hinterhöfen mehr ins Bewusstsein rücken", sagte Schlusche. Ergänzend verwies Rolf Bernd de Groot vom Geschichtsarbeitskreis der "Schaumburger Landschaft" auf die Notwendigkeit, durch gezielte Forschung "viele Lücken" in der regionalen Geschichtsschreibung über die Nazi-Zeit zu schließen. Er ermunterte örtliche Initiativen, sich dieser Aufgabe zu nähern. Es sei vorstellbar, manches aus den vier Ansätzen mitein ander zu verknüpfen, hieß es am Ende des Forums. Die "Schaumburger Landschaft" wird nun dem Rat der Stadt die Ergebnisse der Forenreihe präsentieren.

Jürgen Lingner.
  • Jürgen Lingner.
Rolf Bernd de Groot. Fotos: rg
  • Rolf Bernd de Groot. Fotos: rg
Günter Schlusche.
  • Günter Schlusche.

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