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Shakespeare-Komödie um Liebe, Treue und Eifersucht / Karge Bühne mit allerhand Überraschungen

"Lustige Weiber": Training für die Lachmuskeln

Rinteln (la). Heftiges Lachmuskeltraining haben dieüber 200 Zuschauer des Sommertheaters "Die lustigen Weiber von Windsor" am Freitag auf dem Kirchplatz absolviert. Die karge Bühne sah zunächst nicht sehr vielversprechend aus, barg aber allerhand Überraschungen. Unzählige Klappen und Türen wurden während der Shakespeare-Komödie geöffnet und brachten Gegenstände und Schauspieler zum Vorschein, die so manche Lachsalve nach sich zog.

veröffentlicht am 28.08.2006 um 00:00 Uhr

Stimmungsvolle Theateratmosphäre vor St. Nikolai.

Die Geschichte um Treue, Eifersucht und Raffgier ist schnell erzählt: Der sauflustige und liebestolle Schwerenöter Sir John Falstaff durchlebt harte Zeiten. Sein bequemes Leben steht auf dem Spiel, wenn es ihm nicht gelingt, das nötige Kleingeld aufzutreiben. So setzt er alles daran, die Aufmerksamkeit gleich zweier Damen aus Windsor zu erlangen, die natürlich rein zufällig nebenbei reiche Ehemänner haben. Per amouröser Post versucht er, sich in ihre Herzen zu schmeicheln. Der fette, verfressene, eitle Ritter glaubt sogar, dass seine beiden Auserwählten, Frau Furt und Frau Page, bereit sind, ihren Ehemännern untreu zu werden und sich auf ein Liebesabenteuer mit ihm einzulassen. In dieser Einschätzung hat sich Sir Falstaff aber dramatisch geirrt und wird nun gründlich vorgeführt: Denn die eng befreundeten Damen erkennen an den identischen Briefen, die sie jeweils von "einem Verehrer" erhalten haben, den Betrug und blasen zum Gegenfeldzug.Sie laden Falstaff zum Rendezvous ein, aus dem er nur in einem Korb voll schmutziger Wäsche entkommt, der auch noch ins Wasser gekippt wird. Beim zweiten Stelldichein hilft nur die aberwitzige Verkleidung einer ungeliebten alten Tante, um den eifersüchtigen Ehemännern zu entgehen. Schließlich wird Falstaff nicht nur sprichwörtlich "gehörnt" und so dem Spott der ganzen Ortschaft ausgesetzt. Aber Sir Falstaff ist nicht der Einzige mit Liebesproblemen: Die reizende Anne, Tochter der Eheleute Page, siebzehn Jahre und von beträchtlichem Vermögen, soll verheiratet werden. Papa hat einen Kandidaten ausgesucht, Mama präsentiert einen zweiten, Anne bevorzugt einen dritten. Alle drei beschließen, während des - für den hirschbeweihten Falstaff eigens inszenierten - nächtlichen Elfentreibens, sich flugs mit Anne verheiraten zu lassen, um so die anderen vor vollendete Tatsachen zu stellen. Aber: Nur einer kommt durch! Mit viel Witz, schwungvollen Szenen und hintergründigen Bemerkungen hat das zehnköpfige Ensemble des Landestheaters Burghofbühne Dinslaken das Lustspiel präsentiert. Die Zuhörer konnten beim verbalen Duell zwischen dem Arzt Doktor Cajus und dem Pfarrer Sir Hugh Evans ihren Schimpfwortschatz erheblich erweitern. Und sie erlebten, wie es einem Schwerenöter ergehen kann, wenn er auf treue Bürgersfrauen trifft, und wie die Liebe am Ende immer siegt. Das zweistündige lustige Spektakel um Liebe, Eifersucht, Untreue und Gier kann getrost als ein Höhepunkt des diesjährigen Kulturring-Programms bezeichnet werden. Allerdings hätte es gut und gern die doppelte Anzahl von Zuschauern verdient gehabt. Petrus hatte schließlich ein Einsehen und schickte keinenRegen, doch gegen die nicht sehr sommerlichen Temperaturen hätten dicke Jacken und Wolldecken bestens gewirkt.

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