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Hommage an ein Triebwerk

Luftgekühltes, heißes Brodeln: Vom Innenleben des VW Käfers

Ein Oldtimer wird Redaktionsauto: Der DEWEZET-Käfer, Baujahr 1967, fährt noch nicht. Aber aus dem Dornröschenschlaf ist er schon geweckt worden. Jetzt geht’s daran, ihn auf Kurs zu bringen. Die Aufarbeitung der Karosserie bereitet den Firmen irre Probleme. Aber der Motor, der läuft ja schon! Teil 6: Eine Hommage an das luftgekühlte Aggregat.

veröffentlicht am 22.04.2017 um 07:30 Uhr

Freigelegt: Der Vierzylinder-Boxermotor des Dewezet-Käfers läuft schon wie geschmiert. Foto: ey

Autor:

Jens F. Meyer

Der hält ewig und ist auch leicht zu reparieren, wenn mal was sein sollte“, sagt Axel Arve, der als Kfz-Mechaniker und Mitarbeiter des Karosserie- und Lackierzentrums Kaspar schon so manches laue Motörchen wieder zum heißen Renner hat werden lassen. Das muss hier aber gar nicht sein, denn im Vergleich zur Karosserie des 1967er Dewezet-Käfers sieht der Original-Motor noch top aus und hört sich auch so an. Kerniger Sound, brodelnd und wummernd, wie purer Rock’n’Roll. Das ist er ja auch, unser Käfer: ein Rock ’n’ Roller, einer, der nie unterzukriegen war, einer fürs Volk, nicht fürs Establishment. Kein Renner, sondern einer, dem bis heute die Puste nicht ausgegangen ist. Golf ist gut und schön, aber wenn Volkswagen ein wahrhaftiges Kult-Mobil gebaut hat, dann ist es doch wohl ohne Zweifel der Käfer im Original. Golf? Habe ich nie gefahren. Käfer? Natürlich. Natürlich mit Brüllbalken!!

Luftgekühlt. Es gab nie andere Käfer-Motoren, immer nur luftgekühlte Aggregate, allerdings unterschiedlich stark ausgelegt, aber das Konstruktionsprinzip wurde im Laufe der Jahre so gut wie nicht geändert. Der Vorteil: Luft gefriert nicht, Luft muss auch nicht, wie Kühlwasser, nachgefüllt werden, und Luft fängt auch nicht an zu kochen. Auch daher rührt also der Slogan „Er läuft und läuft und läuft“. Allerdings, und da bemühe ich mich ausnahmsweise dem Ausformulierten im Internet, gibt es auch Nachteile: Im Wortlaut: „Ein prinzipieller Nachteil der Luftkühlung gegenüber der Wasserkühlung besteht darin, dass der Wärmeübergangskoeffizient zwischen Luft und einem Festkörper um etwa den Faktor 50 bis 100 niedriger ist als der Wärmeübergangskoeffizient zwischen Wasser und einem Festkörper. Die Luftkühlung erfordert daher eine größere Kontaktfläche zwischen beiden Medien (die gegebenenfalls durch Kühlrippen erhöht werden kann) und höhere Strömungsgeschwindigkeiten (die gegebenenfalls durch ein Kühlgebläse sichergestellt werden können) als die Wasserkühlung.“ Ach, was…

Luftgekühlt. Die ins Blech gestanzten Einlässe sind’s also, die den Motor des Käfers am Laufen halten, damit er nicht überhitzt. Sie befinden sich über der Motorraumhaube. Ich habe sie stets poliert, und das war gar nicht so einfach, denn pro Kühlrippe muss das Tuch mit spitzen Fingern hindurchgefriemelt werden, und keine wollte ich vergessen. Die Kühlrippen waren vermutlich die bestpolierten Teile meines Käfers; sollten noch Reste von ihm auf dieser Welt sein, dann womöglich seine Kühlrippen. Mein Werk. Bravo. Meisterleistung. Nun ja, ich schweife ab, jedenfalls gleitet die kalte Strömung über die runde Karosserie und flutscht auf diese Weise hinein ins heiße Herz, dessen Doppelrohr hinten die Hitze wieder entlässt.

Luftgekühlt. Stets lag dieser Boxer-Vierzylinder auf der Hinterachse. Nach dem Krieg begann das alles noch mit bescheidenen 24,5 Pferdestärken, aber im Wirtschaftswunderdeutschland der 50er Jahre und auch danach entwickelte Volkswagen Aggregate mit mehr Wumms. Ab August 1960 wurde der Käfer mit einer 1200er Maschine und 34 PS ausgerüstet, drei Jahre später kam der 1300er mit 40 PS hinzu, und wie es scheint, waren die Wolfsburger Autobauer dann erst richtig auf den Geschmack gekommen und rüsteten ihren Käfer sogar mit einem 1500 Kubikzentimeter starken Triebwerk aus, das 44 PS entwickelte. Volle Pulle dann ab 1970 im 1600-ccm-Käfer mit 50 PS! Der hatte ohne Zweifel Feuer unterm hübschen, runden Hintern, aber unter zwölf Liter Benzinverbrauch pro 100 Kilometer war er leider kaum zu bringen. Egal, der Sprit war nicht teuer, das kam erst später.

Luftgekühlt. „Ich will fahr‘n, ich will Spaß.“ Neue Deutsche Welle, altes deutsches Auto. Als ich den Führerschein hatte, lag mir die Welt zu Füßen; der Käfer lief einzigartig, ich war cool, das Fahrzeug war cooler. Ich erinnere mich genau, wie er klang, mein Käfer. Ich war 20 und brauchte den Sound, der noch besser war mit einem kleinen, klitzekleinen Löchlein im Endrohr links. Andere fuhren andere, ich fuhr den einen, der mir auf dem Weg von Königsförde nach Hameln an der Kreuzung in Groß Berkel, wo die Landesstraße 432 auf die Bundesstraße 1 trifft, bei eiskaltem Wetter schon mal ausging. Kein Problem, Neustart. Oder wahlweise hinten mal schnell die Haube geöffnet, das Standgas höhergedreht und ab dafür! Außerdem war es eine gute Gelegenheit, auch die Frontscheibe mal eben vom Eis zu befreien. Innen… In Hameln bin ich jedenfalls immer angekommen. Und in Kaiserslautern. Und in Osnabrück. Und in Kellenhusen. Welchen Weg ich auch eingeschlagen hatte, mein Käfer, gebaut in Mexiko und ausgestattet mit vollkommen ausreichenden 34 PS, hat mich nicht im Stich gelassen, nicht einmal nach dem Unfall in Amelgatzen. Aus Richtung Gellersen war ich den Berg etwas zu schnell heruntergedonnert und hatte dann die Kurve unterschätzt. Volles Brett die Verkehrsinsel genommen, das Hinweisschild (weißer Pfeil auf blauem Grund) flachgelegt und hinten wieder runter vom Absatz. Passiert ist mir nichts. Dem Käfer schon, denn der Kotflügel war eingedrückt und der Stoßfänger kaputt. Aber stabil war er dennoch, und in der Tat musste nur die Spur neu eingestellt werden, an der Achse war alles okay. Am Motor sowieso, der steckt ja hinten drin. Luftgekühlt.

Luftgekühlt. Auch im Innenraum. Wenn die Heizung funktionierte, war Sommer, wenn nicht, war Winter. Bei Minusgraden wurde es jedenfalls erst nach gefühlten 30 Kilometern Fahrt handwarm. Eine schlechte Kombination. Es dauerte auch sehr lange, bis der eigene Atem nicht mehr an der Frontscheibe gefror. Die geöffneten Ausstellfenster trugen auch nicht gerade dazu bei, Wärme hereinzulassen. Sonst aber: Supersache, diese kleinen Fensterlein. Warum haben sich die Dinger eigentlich nie so richtig bei anderen Fahrzeugen durchgesetzt? Es gibt nur eine Handvoll Modelle, bei denen das Prinzip aufgegriffen worden war, aber nirgendwo so gut wie beim Käfer. Je nach Stellung wirbelt Frischluft hinein, die je nach Wetterlage frischer oder weniger frisch ist. Aber jedenfalls Luftaustausch; die einfachste Klimaanlage der Welt, effektiv und günstig. Luftgekühlt.

Luftgekühlt. Ich träume davon, dass der Dewezet-Käfer bald fahrbereit ist. Es wird leider noch eine Weile dauern, bis es soweit ist, vielleicht auch länger als ursprünglich geplant. Daran ist keiner Schuld, nur die Zeit. Sie hat am Blech genagt und aus Stahl Rost werden lassen. Hingegen der Motor schon läuft und läuft wie immer: luftgekühlt.

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