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Aktuelles Interview mit dem Torjäger des SV Obernkirchen

Ludwig Castaldo: "Schaumburgs Fußball hat ein Taktikproblem!"

Fußball (jö). Das Tabellenbild ist erschreckend: Der Schaumburger Fußball steckt in einer tiefen Krise! In der Bezirksliga belegen mit dem SV Obernkirchen, dem SV Nienstädt und dem SC Rinteln drei Mannschaften die Abstiegsplätze. In der Parallelstaffel steht der TuS Niedernwöhren ebenfalls unten und sogar Schaumburgs Aushängeschild, der VfL Bückeburg, ist in der Niedersachsenliga Tabellenletzter. Was ist da bloß los? Wir machten uns im Gespräch mit Ludwig Castaldo auf die Suche nach den Ursachen. Er spielt seit 22 Jahren auf allen Ebenen, stieg mit Preußen Hameln in die dritte Liga auf und erlebte bei seinem Heimatverein SV Obernkirchen auch die Kreisliga.

veröffentlicht am 02.11.2007 um 00:00 Uhr

Routinier Ludwig Castaldo (r.) analysiert die prekäre Lage des S

Erkennen Sie bei den Misserfolgen der heimischen Mannschaften Parallelen? Jeder Verein hat seine individuellen Probleme. Unsere Schwierigkeiten in Obernkirchen haben zum Beispiel ganz andere Ursachen als die des SC Rinteln, dessen schlechter Tabellenstand mir unerklärlich ist. Aber ich kann so viel sagen: Wenn wir im Derby gegen Teams aus Schaumburg spielen, ist das ein ganz anderer Fußball als gegen Gegner aus anderen Regionen. Die dortigen Mannschaften scheinen taktisch und technisch wesentlich besser ausgebildet zu sein. Ihr Spiel ist schneller, sie funktionieren als Mannschaft. Unser Fußball im Schaumburg hat also tatsächlich spezielle hausgemachte Probleme. Ja, und sie liegen eindeutig im taktischen Bereich. Das Spiel hat sich geändert. Kämpfen allein genügt im Gegensatz zu früher nicht mehr. An Mannschaften wie Pyrmont oder Barsinghausen ist zu sehen, dass es dort durchaus viele junge Leute mit Spielverständnis, guter Technik und Laufbereitschaft gibt. Sie sind uns überlegen. Der gesamte Amateurfußball steckt nichtin der Krise. Damit würden wir es uns zu einfach machen. Wir haben hier bei uns offensichtlich ein Trainer- und ein Ausbildungsproblem. Und doch wohl auch ein Nachwuchsproblem. In der Bezirksliga haben sich in den letzten Jahren auffällig wenig junge Spieler zu Leistungsträgern entwickelt. Das stimmt, und seltsam ist auch, dass aus der sehr guten Bückeburger Ausbildung kaum Spieler bei anderen Vereinen groß heraus kommen. Spielen sie beim VfL Bückeburg, dann klappt es meistens im Herrenbereich. Sehr viele verschwinden aber im Kreis. Es ist fast so, als wenn ein Lehrling nur im eigenen Ausbildungsbetrieb klar kommt, an anderer Stelle aber scheitert. Für die Spieler selbst, scheint aus der guten Ausbildung in einem anderen System nur wenig übrig zu bleiben. Sie können über die Jahre hinweg auch die gewandelte Einstellung der jungen Spieler gut beurteilen. Man kann sie nicht mehr so fordern und sie nehmen Niederlagen nicht so ernst, wie wir früher. Sie bilden keine Hackordnung heraus, ohne die der Fußball nach meiner Erfahrung nicht funktioniert. Außerdem unterschätzen die Vereine, was sie auslösen, wenn sie laufend wiederholen, nun nur noch auf die Jugend setzen zu wollen. Ohne jemals einen Leistungsnachweis erbracht zu haben, glauben die jungen Spieler, dass sie schon gut sind. Sie werden hofiert, das wirkt sich negativ auf Einstellung und Ehrgeiz aus.



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