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Verbraucherschützer warnen vor unseriösen Direktvermarktern / Tipps zum richtigen Verhalten

Lokale Wirtschaftsseite: Vorsicht, Anruf: "Sie haben gewonnen..."

Weserbergland. "Sie haben gewonnen..." oder "Sie wollen doch bestimmt auch günstiger telefonieren..." - so oder ähnlich heißt es immer wieder verheißungsvoll, wenn unverhofft das Telefon klingelt - wieder ein nervender Werbeanruf aus einem Call-Center. Das Muster ist sehr häufig dasselbe: Der Angerufene wird in ein Gespräch verwickelt, ihm werden Versprechungen gemacht, am Ende soll er etwas bestellen, kaufen, zur Probe ordern - auf alle Fälle aber etwas bezahlen. Was ist erlaubt, was nicht? Was steckt dahinter? Und wie kann man sich schützen? Thomas Thimm hat dazu die Leiterin der Beratungsstelle Hannover der Verbraucherzentrale Niedersachsen, Alexandra Kunze, interviewt.

veröffentlicht am 03.02.2007 um 00:00 Uhr

Alexandra Kunze von der Verbraucherzentrale: "Solche Stapel an B

Frau Kunze, immer wieder werden Privathaushalte von Call-Centern angerufen, die etwas verkaufen oder werben wollen. Ist dasüberhaupt zulässig? Definitiv nein. Es ist höchstrichterlich festgestellt worden, dass die Privatsphäre ungestört bleiben muss. Niemand muss sich von Werbeanrufen zu Hause behelligen lassen. Was fällt unter die so genannte und verbotene Kalt-Akquise? Das geht vom Weinverkauf bis zur Kundenwerbung für Telefonverträge. Das Ganze heißt Kalt-Akquise, weil es einen kalt erwischt und weil es immer um die Akquirierung von Neukunden geht. Darunter fällt generell jeder Anruf, der zu Wettbewerbszwecken erfolgt - ohne dass das vorherige Einverständnis des potenziellen Kunden eingeholt worden wäre. Oftmals werden von den Anrufern Köder wie "Sie haben gewonnen..." oder "Sie haben die Chance auf..." benutzt. Was für Anbieter verstecken sich eigentlich dahinter? Das sind Anbieter, die den Vertriebüber Fernabsatz-konditionen wählen und ihren Verkauf nicht oder nicht ausschließlich über Ladenlokale organisieren. Diese Unternehmen wählen diese unseriöse Art und Weise, an die Verbraucher heranzugehen, um sich einen Vorteil gegenüber seriös agierenden Unternehmen zu verschaffen. Bei den Werbeanrufen können Menschen leicht überrumpelt werden. Auch haben sie so spontan keinerlei Vergleichsmöglichkeiten zu den feil gebotenen Produkten und Dienstleistungen. In der Regel werden sie dann auch noch zur schnellen Entscheidung gedrängt. Nicht selten handelt es sich hierbei um Postfachfirmen, zum Teil auch mit Sitz im Ausland, um eine eventuelle Rechtsverfolgung zu erschweren. Gibt es bei den Werbeanrufenüberhaupt eine Chance auf ein seriöses Angebot? Kein Unternehmen hat etwas zu verschenken. Deshalb bewertet die Verbraucherzentrale die psychologischen Türöffner, die vermeintliche Gewinne versprechen, als nicht seriös. Es handelt sich hierbei regelmäßig um ein Spielen mit der Hoffnung, um im Nachhinein gezielt zum Warenabsatz zu gelangen. Relativ häufig kommt es vor, dass später auf diese Art und Weise überrumpelte Kunden in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen um Rat fragen, wie man sich von diesen übereilten Abschlüssen wieder lösen kann. Wie erkennt man einen unseriösen Werbeanruf, und was sollte man tun, wenn man einen solchen bekommt? Wenn eine Firma anruft, die man nicht darum gebeten hat, ist das Vorgehen als unzulässig zu bewerten. Insbesondere wenn es um angebliche Umfragen geht, sollten die Alarmglocken schrillen. Oft verwendete Türöffner für die unzulässigen Werbegespräche sind vorgespiegelte Umfragen oder Fragen, die nur mit Ja zu beantworten sind, zum Beispiel Formulierungen wie "Sie wollendoch bestimmt Steuern sparen..." oder "Sie wollen doch bestimmt wissen, wie Sie Ihre Telefonkosten senken können...". Als Verbraucher muss man sich klar machen, dass die normal üblichen und höflichen Spielregeln von der Gegenseite durchbrochen werden und dass es weder Erklärungen noch Rechtfertigungenbedarf, um das Gespräch zu beenden. Wichtig ist vielmehr, dass man konsequent zum Ausdruck bringt, dass man das Gespräch nicht wünscht und auflegt. Oder aber in die Offensive geht und fragt: "Mit wem spreche ich überhaupt?", "Von welcher Firma aus rufen Sie an?" oder "Woher nehmen sie die Berechtigung, mich zu Hause anzurufen?" Der Verbraucher sollte dann deutlich machen, dass er diese Daten verwenden wird, um über eine Verbraucherzentrale eine Unterlassungserklärung anzustrengen. Was sollten die Verbraucher bei einem solchen Anruf keinesfalls tun? Keinesfalls in ein Gespräch verwickeln lassen. Und erst recht kein Informationsmaterial anfordern. In der Verbraucherzentrale Hannover kommen regelmäßig Fälle auf den Tisch, in denen Angerufene als Vertragspartner begrüßt wurden, obwohl sie gar keine auf einen Vertrag gerichtete Willenserklärung abgegeben hatten. Vorsicht ist ebenfalls bei der Frage geboten, ob ein Telefonmitschnitt gemacht werden dürfe. Während dieser Telefonate werden Verbraucher relativ häufig so geschickt mit Fragen behelligt, bis in irgendeiner Form ein Ja als Vertragszusage gewertet werden kann. Was kann man tun, wenn man auf einen Telefon-Werber hereingefallen ist? Es gibt zum Beispiel bei Telefonverträgen eine Abweichung von der Grundspielregel "Vertrag ist Vertrag". Hier hat man ausnahmesweise ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Das wurde den Verbrauchern eingeräumt, da man zum Beispiel bei einem solchen Vertragsabschluss die Ware nicht prüfen kann. Wer also feststellt, dass der spontan am Telefon geschlossene Vertrag doch nicht das vermeintliche Schnäppchen ist, sollte umgehend den Widerruf mit Einschreiben und Rückschein auf den Postweg bringen. Häufig gilt die Widerrufsfrist auch länger oder gar unbegrenzt, wenn nämlich - was häufig vorkommt - die Belehrung hierüber durch den Unternehmer nicht korrekt erfolgt ist. Um dies zu prüfen, sollte Rechtsrat hinzugezogen werden. Wie kann man rechtliche Schritte gegen unseriöse Telefonwerber einleiten? Wichtig für die Verbraucher ist zu wissen: Leider ist die Rechtslage bis heute so, dass - wenn aufgrund eines verbotenen Werbeanrufes tatsächlich ein korrekter Vertrag zustande gekommen ist - kein Lösungsrecht allein deshalb besteht, weil der Vertrag aufgrund einer Kalt-Akquise entstanden ist. Es gibt also kein besonderes "Rücktrittsrecht" nur allein auf Grund der Vorgehensweise in der Vertragsanbahnung. Gleichwohl liegt ein Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb vor. Diese Verstöße können Verbände mit einer Verbandsklagebefugnis ahnden. Verbraucher sollten sich an ihre nächstgelegene Verbraucherzentrale wenden. Informationen: Verbraucherzentrale Niedersachsen, (0511) 91196-0, und: www.vzniedersachsen.de

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