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Jennifer Krähmer (24) mit neuem Stand in Obernkirchen / "Atmosphäre reizt mich"

Lila Blumenkohl und alte Apfelsorten: Junge Marktfrau verkauft Bio-Produkte

Obernkirchen (sig). Regen stört sie nicht. Sie ist keine Stubenhockerin, sondern hält sich gern an der frischen Luft auf. Nicht nur der Gesundheit wegen, sondern auch zum Verkauf ihrer Bio-Produkte: Jennifer Krähmer (24) aus Bad Nenndorf verdient sich damit Geld für ihr Studium und für den Lebensunterhalt. Deshalb hat sie ihren Aktionskreis jetzt außer Rodenberg und Steinhude auch auf Obernkirchen ausgedehnt.

veröffentlicht am 25.10.2006 um 00:00 Uhr

Obst und Gemüse aus biologischem Anbau bietet sie schon seit längerem an. Früher jobbte sie für andere Händler in Bremen, Verden und Stadthagen. Irgendwann sagte sie sich: "Das kann ich doch auf eigene Rechnung tun." Und da sie inzwischen wirklich sachkundig bei der Kundenberatung und beim Verkaufen war, nahm sie schließlich auch den Einkauf beim Großhandel für Bio-Erzeugnisse selbst in die Hand. Seitdem ist Jennifer Krähmer allein auf heimischen Wochenmärkten anzutreffen. Am Wochenende wird sie dabei von ihrer Mutter unterstützt. In der marktfreien Zeit studiert sie in Hannover Sozialpädagogik. Aber sie weiß, dass sich in diesem Beruf viele fertige Akademiker tummeln und das Stellenangebot nicht gerade überbordend ist. "Diese Beschäftigung bietet mir deshalb eine zusätzliche Sicherheit, und sie macht mir außerdem Spaß", sagt die junge Frau. "Die Atmosphäre der Märkte reizt mich, ebenso der Kontakt und das Gespräch mit den Kunden. Man schiebt nicht einfach Sachen über den Scanner." Natürlich sei der Absatz von Bio-Produkten nicht unbedingt ein Selbstläufer auf den Wochenmärkten, erklärt die Nenndorferin. Das liege sicherlich auch daran, dass die Preisspanne in einigen Fällen schon deutlich sei. Aber je haarsträubender die Botschaften über die Qualität von Lebensmitteln (durch allzu viel Einsatz von Chemikalien) ausfallen, desto mehr steige die Nachfrage nachnatürlich angebauten Erzeugnissen. Selbst wenn mehr Lieferungen aus dem Ausland dazukommen, fühlt sich Jennifer Krähmer zunehmend sicherer hinsichtlich der Qualität der Ware, die sie einkauft. Die Kontrolle habe deutlich zugenommen, und wer dabei negativ auffalle, der habe auf diesem Feld keine großen Chancen mehr. Sie selbst bevorzugt für sich und ihre Familie das Warenangebot, das sie in den Handel bringt. "Das kommt unserem Immunsystem zugute", meint die junge Marktfrau. Ein orangefarbener Blumenkohl zum Beispiel weise mehr Betakarotin auf, das die Zellstruktur stärkt, als die heimischen Möhren. In Obernkirchen bietet sie sogar einen lilafarbenen Blumenkohl mit ähnlichen Vorzügen an. Jennifer Krähmer kennt sich auch auf anderen Feldern aus. Sie weiß zum Beispiel, dass manche Allergiker keine der neuen Apfelkreuzungen vertragen, sondern eher die alten, traditionellen Sorten. Sie hat vieles, aber natürlich nicht alles im Angebot, was es an Obst und Gemüse gibt. "Es bringt nichts, wenn ich zum Beispiel frische Feigen anbiete, die dann schlecht werden, weil sie keinen Käufer finden", ordnet sie ihr kundenfreundliches Engagement richtig ein. Wenn aber jemand eine bestimmte Obst- oder Gemüsesorte oder auch ein Gewürzkraut haben möchte, dann bestellt sie das beim Großhandel und bringt diese Ware beim nächsten Mal mit. "Ich setze mich auch für den fairen Handel und für den Umweltschutz ein", sagt die angehende Sozialpädagogin. Und sie bietet neuerdings auch Weine für Diabetiker, Öle und Nudeln aus speziellen Anbaugebieten an.

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