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Flüchtlinge in der Prince Rupert School begeistert vom Schaumburger Jugendchor

Lichtblick im grauen Alltag

Rinteln. Als die Türen zur Halle ganz offiziell geöffnet werden, räumen die Eltern der jungen Künstler ihre Plätze in der ersten Reihe und setzen sich ganz nach hinten. Heute sollen mal andere gut sehen und hören können, was der Schaumburger Jugendchor aus Bückeburg so zu bieten hat. Und so füllt sich die erste Reihe schnell mit neuen Gesichtern. Eine Mutter mit zwei Kindern landet ganz rechts und eine Schar junger Männer, die ihre Smartphones nicht aus der Hand legen, nimmt die restlichen Plätze ein. Hinter ihnen finden weitere Bewohner der Flüchtlingsunterkunft ihre Plätze, Kinder und Alte, Familien und Freunde.

veröffentlicht am 20.12.2015 um 16:47 Uhr
aktualisiert am 31.12.2015 um 11:52 Uhr

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Autor:

Claudia Masthoff

Viele haben sich eingefunden. „Kein Wunder“, meint Johann Hubrich, „dies ist in all den Wochen neben dem selbst einstudierten Theaterstück die erste kulturelle Abendveranstaltung für die Flüchtlinge.“

Der Bückeburger Hubrich, der als Helfer des DRK in der ehemaligen Prince Rupert School beschäftigt ist, hat den renommierten Jugendchor eingeladen. Eine Idee, die sich ergeben hat, weil die eigene kleine Tochter die Singschule des Chors besucht.

Die Reaktion der Geschäftsleitung des Chores auf die Anfrage sei schnell und unkompliziert gekommen. „Wir mussten nicht lange überlegen“, erklärt der ebenfalls anwesende Thomas Klein. „Es tut doch gut, den Menschen hier etwas geben zu können, und unsere Gabe ist nun mal die Musik.“

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Dass alle Jugendlichen (bis auf einen Krankheitsfall) zu diesem Sondertermin erschienen sind, mache ihn froh. „Chorsänger sind eben besonders soziale Wesen“, lacht Klein. Das liege sozusagen in der Natur der Dinge.

Und so kommt es an diesem Abend zu einer noch ungewöhnlichen Begegnung. Weihnachtliche Chormusik trifft auf arabische, afrikanische, asiatische und osteuropäische Ohren. Und man muss dazu sagen, dass den Zuhörern hier nicht nur ein bisschen vorgesungen wird, sondern dass ihnen ein richtiges Konzert mit vielen außergewöhnlich guten Stimmen und einer hoch professionellen Begleitung am Klavier (Artur Pacewicz) geboten wird.

Die festliche Kleidung und die Jugend der Sängerinnen und Sänger sowie die lebhafte und temperamentvolle Chorleitung (Jelena Agbaba) machen das Konzert zudem zu einem Genuss für die Augen.

Bei der Begegnung von unterschiedlichen Kulturen gibt es immer für beide Seiten etwas Neues zu erfahren. Und so muss der Chor feststellen, dass in anderen Ländern Konzerten nicht so mucksmäuschenstill und andächtig gelauscht wird, wie es beispielsweise in deutschen Kirchen üblich ist. Als dann jedoch der Beifall nach dem ersten Stück einsetzt, werden die leisen Zweifel, ob es wohl gefallen würde, in alle Winde zerstreut. Da wird nämlich frenetisch gejubelt, gejohlt und gepfiffen, und so durchlaufen die Gesichter der jungen Künstler schließlich alle Stadien von überrascht bis strahlend.

In der ersten Reihe werden die Handys jetzt zum Schießen von Erinnerungsfotos genutzt und die junge Mutter schließt eine Weile ihre Augen. Vielleicht ist sie froh, durch die Musik mal einen Moment dem Alltag und den Sorgen entfliehen zu können.

Nach dem Konzert – dem Chor werden immerhin drei Zugaben abgerungen – kann man erfahren, wie gut es allen gefallen hat. Obwohl die jungen Männer in der ersten Reihe zugeben, sie würden am liebsten arabische Musik hören, haben sie offensichtlich aufmerksam gelauscht. Sie zeigen auf einzelne Sängerinnen und loben in ihrem rudimentären Englisch, wie sehr ihnen deren Stimmen imponiert hätten.

Im Publikum outet sich auch ein richtiger Fan von klassischer Musik, Tanveer Khan. Die wird eben überall auf der Welt gehört. Für ihn sei dieser Abend ein ganz besonderer Genuss gewesen, meint der junge Mann aus Afghanistan, übrigens auch Schüler in Johann Hubrichs Deutschkurs.

Wenn es nach Hubrich geht, soll dieser Abend keine Eintagsfliege bleiben. „Ich würde gern einmal im Monat ein Konzert auf die Beine stellen. Mir schwebt eine ganze Reihe vor, mit Musikern aus den unterschiedlichsten Richtungen“, erklärt der DRK-Helfer. „Und ich würde mich freuen, wenn sich Musiker, die zu so einem Auftritt bereit wären, bei mir über die E-Mail-Adresse r.otto@drk-schaumburg.de melden würden.“

Ein guter Auftakt für diese Reihe ist Hubrich mit seinem Chorkonzert gelungen, ein Lichtblick im Alltag der Unterkunft. Vielleicht könnte man bei den folgenden Konzerten der Möglichkeit zur Begegnung noch etwas mehr Zeit einräumen. Noch so ein Viertelstündchen, in dem die Musiker präsent und ansprechbar bleiben, das würde so eine Veranstaltung richtig abrunden.

So viel Applaus: Da strahlen Chorleiterin Jelena Agbaba und ihre Sängerinnen und Sänger.

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