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Denkmalschutz: Der Landkreis zieht eine Bilanz / Finanzen bündeln und Fachleute vernetzen

"Lichtblick der Denkmalpflege in Niedersachsen"

Obernkirchen/Landkreis (rnk). Denkmäler verlangsamen die Zeit und prägen das Bild der Heimat, führte Kreisrätin Eva Burdorf bei der Präsentation der Broschüre "Denkmalpflege im Schaumburger Land" aus: "Wenn wir unsere Geschichte kennen, können wir Entwicklungen nachvollziehen." Der Landkreis sei bei der Denkmalpflege ein Lichtblick in Niedersachsen. Eine Bewertung, die Sigmund Graf Adelmann als Vorsitzender der "Schaumburger Landschaft" nur unterstreichen konnte: Nirgendwo im Bereich der Denkmalpflege sei landesweit in den letzten Jahren so viel geschehen wie im Landkreis. Bei der Ursachenforschung verwies Adelmann auf drei tragende Punkte. So habe man in Zeiten knapper Kassen die Finanzen von EU, Land und Landkreis gebündelt, die zuständigen Denkmalschutzbehörden mit Ehrenamtlichen, Architekten und Denkmalschutzbeauftragten vernetzt und die Denkmäler und Kulturlandschaften zudem als Quelle regionaler Identität begriffen.

veröffentlicht am 25.05.2007 um 00:00 Uhr

Das Vierständerfachwerkhaus einer kleinen Hofstelle in Wennenkam

Adelmann strich zudem heraus, dass die Denkmalpflege ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sei, der Arbeitsplätze, vor allem bei den mittelständischen Handwerksbetrieben, schaffe und erhalte. Zudem würden öffentliche Zuschüsse weit höhere Drittmittel freisetzen, Denkmalpflege sich also immer rechnen. "Im Vordergrund der Initiativen in Schaumburg stehen die Bewahrung des kulturellen Erbes und die Förderung des regionalen Handwerks auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten", hatte Adelmann im Vorwort der Broschüre geschrieben, die die letzten Jahre in der Schaumburger Denkmalpflege zusammenfasst. Die Broschüre enthält Fotos von Objekten und Texte von Fachautoren, die für, so Adelmann, "Gotteslohn" geschrieben haben. Und es ist keine jubelnde Zusammenfassung über die wirklich bemerkenswerten Leistungen, die durch den vernetzen Sachverstand und die gebündelte Finanzkraft entstanden ist, sondern eine eher nüchterne und sachliche Bestandsaufnahme der vielen Facetten, die der Denkmalschutz heute unter seinen Fittichen vereint: Kirchliche Denkmalpflege, die seit Jahrhunderten gewachsene Kulturlandschaft, Denkmale der Industrie und Technik, Denkmale und landwirtschaftliche Nutzung, aber auch Finanzierungshilfen und das Handwerk als Partner zur Bewahrung des kulturellen Erbes, um nur einige Kapitel zu nennen. Erhältlich ist sie bei der Schaumburger Landschaft" in Bückeburg. Für den ideologischen Überbau sorgte auf der Präsentation der Broschüre jemand, dessen drei Jahre alter Fachvortrag noch immer in jeder zweiten Rede des Landrates nachhalle, wie Adelmann befand: Dr. Annette Roggatz, freiberufliche Kunsthistorikerin und lange Jahre in der staatlichen Denkmalpflege tätig, hatte 2003 über "Denkmalpflege und Identität" gesprochen, Heinz-Gerhard Schöttelndreier zitierte danach gerne aus dieser Rede. "Denkmal im Glück" hatte Roggatz diesesmal ihr Referat überschrieben, in dem sie zunächst feststellte, dass eine notwendige Voraussetzung für Glück Bewusstsein sei, das aber einem Objekt wie einem Denkmal ganz entschieden fehle. Aber: "Es kann Anteil haben am Glück des Menschen - Verheißung und schwere Aufgabe zugleich." Der moderne Mensch verknüpfe seine Selbstgewissheit im allgemeinen an die Faktoren seiner alltäglichen Umwelt und zieh daraus seine Identität. Dieses Außen unterliege heute aber einer extremen Beschleunigung, die von einem umwälzenden technischen und sozialem Wandel erzeugt werde. Die Suche nach Identität und damit nach Glück erscheine in dieser beschleunigten Zeit zunehmend rast- und haltlos - und brauche immer neue und stärkere Anreize, denn alle Sinne zeigen Gewöhnung bei gleichbleibendem Impuls. Baudenkmale dagegen seien authentisch, erklärt Roggatz. "Sie haben es über lange Zeit geschafft, ihre ureigene Aussagen, den sie prägenden Charakter zu bewahren - sonst wären es keine Baudenkmale. Sie seien greifbare Zeugnisse der Vergangenheit, verlässliche und sinnlich erfahrbare Größen, an denen sich der Mensch jeden Tag neu definieren könne: "Ihre Verlangsamung steht im Kontrast zur Schnelligkeit im Jetzt - und genau darin liegt ihre Zauberkraft begründet: Baudenkmale sind ein verlässlicher Bezugspunkt für Identität."

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