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"Leuten mit Hartz IV geht es doch sehr gut"

Rinteln. Martin Barwich ist Sozialarbeiter bei der Diakonie Rinteln und setzt das Projekt "Sieben Wochen mit Hartz IV" hier um.

veröffentlicht am 14.02.2007 um 00:00 Uhr

Martin Barwich

Herr Barwich, wie läuft die Aktion genau? Das erste Dutzend Teilnehmender istüber die Höhe der individuell zustehenden Leistung informiert, hat die zu führenden Listen bekommen. Wie schwierig es ist, mit Hartz IV auszukommen, hat der Januar gezeigt: Zahlreiche kranke, behandlungsbedürftige Menschen klagten darüber, dass sie kein Geld mehr für die Zuzahlungen zu Medikamenten, für die Praxisgebühr oder für Medikamente, die nur per Privatrezept verschrieben werden, hatten. Die einjährige Befreiung von der Zuzahlungspflicht war abgelaufen. Eine neue Befreiung wird den Hartz IV-, Grundsicherungs- oder Sozialhilfeempfängern aber erst erteilt, wenn sie zunächst einmal 82,80 Euro (zwei Prozent des Regelsatzes von 345 Euro) oder bei chronischer Krankheit 41,40 Euro (ein Prozent) dazu gezahlt haben. Dies gilt ungerechterweise auch für Altenheimbewohner, die tatsächlich nur ein Taschengeld von knapp 90 Euro im Monat bekommen. Diese müssen unter Umständen zunächst für einen Monat auf den Friseur, auf Kaffee und Kuchen und andere kleine Annehmlichkeiten verzichten, um ausreichend für ihre Gesundheit sorgen zu können. Wer macht denn mit? Das gehobene doppelverdienende Bürgertum, das einmal an der realen Armut schnuppern will? Es nimmt das ganze Spektrum teil; sehr wohl auch Familien mit Doppelverdienern, aber ebenso auch Familien mit nur einem Verdiener und Alleinstehende. Bei manchem Telefonat wurde auf Grund von Beobachtungen von Betroffenen die Einschätzung geäußert, dass es den Leuten mit Hartz IV doch sehr gut gehen müsste. Die bisher älteste Teilnehmende ist übrigens 79 Jahre alt. Dies wundert mich nicht, denn die Erfahrung zeigt, dass die ältere Generation viel leichter mit wenig Geld auskommen kann als die meisten Jüngeren. Da spielen sicher die Mangelerfahrungen in Kriegs- und Nachkriegszeit eine Rolle. Wann gibt es weitere Informationen? Das erste Infotreffen ist heute um 19 Uhr in den Räumen der Rintelner Diakonie in der Bäckerstraße 8, das zweite Treffen ist morgen in Rolfshagen um 20 Uhr. Die Folgetreffen sind ab 1. März immer donnerstags in Rinteln. rnk



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