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Die Macht der Online-Community

Letztlich bleiben nur die Mittel der Diplomatie

Allem Anschein nach wächst da im digitalen Netz ein neuer Trend heran, der mit dem wohlklingenden Begriff „Cancel Culture“ bezeichnet wird. Dahinter verbirgt sich allerdings die weniger nette Methode, vorwiegend Personen des öffentlichen Lebens zu boykottieren und auf diese Weise mundtot zu machen.

veröffentlicht am 31.08.2020 um 22:28 Uhr

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Zu: „Darf diese Frau das sagen?“, vom 22. August


Und das geht ganz einfach – nämlich online. Mehrere Möglichkeiten stehen dafür zur Verfügung, wie zum Beispiel dem Account nicht mehr folgen, einen Tweet absetzen oder unter dem Video kommentieren. Kommen Tausende Tweets zu einem Thema zusammen, spricht man von einem Hashtag, der dann kaum noch zu ignorieren ist. Die Online-Community hat damit die Macht, etwas zu bewegen und kann sogar ganze Karrieren zerstören. Insoweit birgt die Cancel Culture sowohl eine legitime Chance der Kritik, kann aber zugleich auch eine freiheitsfeindliche Zensur bewirken. Jedenfalls wird jetzt über das Für und Wider auch in Deutschland heftig debattiert. Dabei geht es um Fragen wie beispielshalber: Wer darf noch was sagen? Muss man rechte Positionen ignorieren? Muss man sich unliebsame Äußerungen überhaupt anhören? Das große Problem bei Cancel Culture ist allerdings, dass etwas abschalten können und nicht anhören müssen nicht gleichbedeutend ist mit auslöschen und damit inexistent machen. Tatsächlich bleiben Konflikte, wenn auch im Verborgenen, weiterhin bestehen. Aus diesem Umstand heraus kann sich leicht die Gefahr einer tiefen Spaltung entwickeln, wie in den USA sehr gut zu beobachten ist. Aber wie können wir uns davor bewahren? Letzlich bleiben nur die Mittel der Diplomatie, und die beruhen im Wesentlichen auf Dialogbereitschaft und Kommunikation. Nur so hat die eigene Meinung eine Chance, auch von Opponenten gehört zu werden. Und genau darauf kommt es ja schließlich an.



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