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Lenze-Pläne - "Der kleine Mann muss die Zeche zahlen"

Groß Berkel (roh). Der starke Wind treibt dunkle Wolken über den Flecken Aerzen, es regnet – bisweilen gesellen sich sogar einige Schneeflocken dazu. Die Menschen hasten von ihren Autos mit eingezogenen Köpfen in die Geschäfte und wieder zurück. Einigen steckt der Schock über den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen bei der Lenze AG tief in den Knochen. Sie möchten weder etwas dazu sagen noch etwas über dieses Thema hören.

veröffentlicht am 24.03.2009 um 20:08 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Lenze

Groß Berkel (roh). Der starke Wind treibt dunkle Wolken über den Flecken Aerzen, es regnet – bisweilen gesellen sich sogar einige Schneeflocken dazu. Die Menschen hasten von ihren Autos mit eingezogenen Köpfen in die Geschäfte und wieder zurück. Einigen steckt der Schock über den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen bei der Lenze AG tief in den Knochen. Sie möchten weder etwas dazu sagen noch etwas über dieses Thema hören. Wie berichtet, will die Lenze AG weltweit etwa 600 von derzeit 3300 Stellen abbauen, darunter 300 in Deutschland. Allein in Groß Berkel sind 125 Jobs betroffen.
 Die meisten Menschen in Aerzen und insbesondere die Groß Berkeler Bevölkerung fühlen jedoch mit den von den angekündigten Entlassungen betroffenen Menschen. „Da hängen ganze Existenzen an so einem Job“, sagt eine junge Frau und schüttelt resigniert den Kopf. Manche hätten sich gerade erst ein Haus gekauft, heißt es aus einer Gruppe Menschen. „Ich bin zwar nicht selbst betroffen, aber ich kenne jemanden, der jetzt Angst um seinen Arbeitsplatz hat“, sagt Hannelore Korb aus Aerzen. Die Rentnerin spricht auch aus, was viele sich immer wieder fragen: „Ob das wirklich alles mit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise zu tun hat?“
 Korbs Zweifel werden auch von anderen Bürgern immer wieder bestätigt: „Bis letztes Jahr hat es doch bei Lenze gebrummt“, sagt eine Frau und wundert sich über die Art und Weise, wie die Firma jetzt mit ihren Beschäftigten umgeht. Die Solidarität im Flecken Aerzen ist groß, denn die Gedanken, die die Menschen sich machen, richten sich vor allem auf die Zukunft – und damit einher geht auch immer wieder die Frage: „Was kommt dann?“

Petra Scheel, Drogeriefachverkäuferin, sagt: „Der kleine Mann, der muss immer die Zeche zahlen. Da machen Firmen immer höhere Umsätze, aber der, der die Arbeit geleistet hat, der ist am Ende der Dumme.“ Ein älteres Ehepaar spaziert trotz Dauerregens auf der Hauptstraße, und die Frau versteckt – wie viele Bürger des Fleckens in diesen Tagen – ihre Trauer nicht: „Unser Sohn ist betroffen“, lautet ihr kurzer, aber erschütternder Kommentar.



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