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Lenze-Mitarbeiter machen mobil gegen Jobabbau

Groß Berkel (cb). Mehrere hundert Mitarbeiter haben gestern in Groß Berkel gegen die Pläne des Antriebs- und Automatisierungstechnikspezialisten Lenze protestiert, weltweit rund 600 Stellen abzubauen. Redner von Betriebsrat und IG Metall forderten immer wieder die Unternehmensleitung auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um über Alternativen zu beraten.

veröffentlicht am 03.04.2009 um 18:04 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

lenze aktionstag

Groß Berkel (cb). Mehrere hundert Mitarbeiter haben gestern in Groß Berkel gegen die Pläne des Antriebs- und Automatisierungstechnikspezialisten Lenze protestiert, weltweit rund 600 Stellen abzubauen. Redner von Betriebsrat und IG Metall forderten immer wieder die Unternehmensleitung auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um über Alternativen zu beraten. „Wir haben eine Botschaft, die alle hören sollen: Wir brauchen keine Massenentlassungen“, sagte Uwe Mebs, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim, der der Unternehmensleitung von Lenze Konzeptlosigkeit vorwirft. „Wir zahlen nicht für eine Krise, die wir nicht zu verantworten haben.“
 Bei der Kundgebung, zu der auch Abordnungen von mehreren anderen Betrieben wie der Aerzener Maschinenfabrik oder Bosch Hildesheim gekommen waren, machte Mebs vor den rund 600 Teilnehmern des Aktionstages am Hauptsitz des Maschinenbauers deutlich: Mit Lenze weigere sich das erste Unternehmen in seinem Zuständigkeitsbereich, nach Jahren hoher Gewinne nun über Beschäftigungssicherung zu sprechen. Mehr noch: „Auch die verbleibenden Mitarbeiter sollen bluten“, verwies der Gewerkschafter darauf, dass über den Stellenabbau hinaus Einbußen bei den tariflichen Standards geplant seien. Mebs erinnerte daran, dass jüngst bei dem Büromöbelhersteller Haworth in Bad Münder sowie beim Elektronikhersteller Phoenix in Bad Pyrmont und Blomberg Kurzarbeit vereinbart worden sei. „Was dort funktioniert, muss auch bei Lenze gehen“, sagte der IG-Metall-Funktionär.
„Lasst euch das
nicht gefallen“

 „Wir sind Lenze“, meinte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Dirk Brockmann, der an die Tradition der Lenze AG als Familienunternehmen erinnerte und auf den Stolz der Belegschaft verwies, dort zu arbeiten. „Dieses Gefühl kann aber verloren gehen“, beschrieb er die jüngste Entwicklung, nach der allein an den beiden Standorten Groß Berkel und Extertal jeweils rund 125 Mitarbeiter ihren Job verlieren könnten. „Die persönliche Wertschätzung jedem gegenüber ist täglich spürbar“, zitierte der Betriebsrat die Eigendarstellung des Lenze-Unternehmens gegenüber den Mitarbeitern. „Aber wenn sie Kosten verursachen, werden sie nicht mehr gebraucht“, kritisierte Brockmann. Er kündigte an, dass die Betriebsräte der verschiedenen Gesellschaften der Lenze AG Vorschläge erarbeiten werden, um Beschäftigung zu sichern, um nach Wegen zu suchen, künftig den Wettbewerb besser zu bestehen und um Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Dazu sei es aber notwendig, dass sich die Unternehmensleitung mit den Arbeitnehmervertretern an einen Tisch setze. Brockmann, der auf die soziale Verantwortung des Unternehmens verwies: „Es geht jetzt darum, ein Stück Hoffnung in Arbeitsplatzsicherheit zu wandeln.“
 „Daran werden wir hart arbeiten“, kündigte auch Heinz Graf vom Betriebsrat am Standort Extertal an. „Entlassungen sind kein Konzept“, sagte Angelika Beier, die vom Vorstand der IG Metall aus Frankfurt angereist war. Sie zweifelte an, ob es tatsächlich eine Krise bei Lenze gebe. Man könnte meinen, dass der Vorstandsvorsitzende „auf der Welle der Krise reitet“, um lediglich Kosten zu senken. Es sei notwendig, den „Plänen der Lenze-Führung einen Strich durch die Rechnung zu machen“, so Beier. Neben weiteren Rednern, darunter die Groß Berkeler Ortsbürgermeisterin Renate Oetzmann („Ein herber Schlag für die Gemeinde“) und Heinz-Helmuth Puls von der Aerzener SPD („Wir müssen einen solidarischen Ausweg finden“) sprach auch der frühere Konzernbetriebsratsvorsitzende Dietmar Weisweber zur Belegschaft. Der langjährige Arbeitnehmervertreter, inzwischen im Ruhestand, erinnerte an die Krise 1996, als ebenfalls zahlreiche Mitarbeiter entlassen werden sollten, die Zahl schließlich nach unten verhandelt werden konnte. Weisweber an die Adresse der Lenze-Belegschaft, die erneut vor einem Stellenabbau steht: „Lasst euch das nicht gefallen.“



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