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Besuch und Ideen aus Hawaii bei Familie Steffen in Groß Berkel

Leimana und der Fischteich-Sportplatz

Groß Berkel/Hawaii. 18 Grad und frischer Wind. Das erste, was man Leimana Naki aus Hawaii fragen möchte, ist: „Ist dir nicht kalt?“ Der 60-jährige Hawaiianer lebt am Strand von Molokai und trägt traditionell nur eine Weste und einen Lendenschurz, auch in Groß Berkel. Leimana sagt: „Okay so far“ und Sarah Steffen übersetzt für ihn: „Er sagt, es geht, aber ich weiß, ihm ist zu kalt.“ Die Verbindung zwischen Familie Steffen und Leimana besteht wegen Tochter Sarah. Die 38-jährige Diplom-Pädagogin ist schon von Berufs wegen – sie übt hawaiianische Körperarbeit aus – mit der Inselkette im Pazifischen Ozean verbunden. Bei einem ihrer Besuche lernte sie dann Leimana kennen. Seither verbindet die beiden, mittlerweile auch Mann Marco und die ganze Familie eine tiefe Freundschaft.

veröffentlicht am 13.07.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:41 Uhr

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Jetzt ist die hawaiianische Frohnatur das allererste Mal in seinem Leben geflogen, nach Deutschland. Für vier Wochen hält er die Menschen in Groß Berkel auf Trab – und bringt viel Liebe und Warmherzigkeit mit. Wenn man Leimana mit einem Handschütteln begrüßen will, erntet man einen abwartenden, ungläubigen Blick. Kurzerhand zieht er sein neues Gegenüber ran und es setzt drei Küsse auf die Wangen. Zu Hause auf Molokai hat er einen Fischteich, der schon seinem Großvater gehörte. Jeden Tag aufs Neue schleppt er große Steinbrocken ins Wasser, um die Teichwand zu reparieren, die jeden Tag neue Löcher bekommt. Leimana ist stark und muskulös und hat einen festen Willen. Mit dieser Arbeit versorgt er seine Familie, seine fünf Söhne, die Tochter und die Frau. Sie wohnen nicht draußen bei ihm am Strand. Zu rau seien das Leben und die Tage dort, erklärt Sarah. Aber Leimana bekommt viel Besuch. Von Kindern und Schulklassen, die von ihm lernen. Er bringt ihnen die alten Traditionen zurück, die die Kolonialmächte und die Amerikaner seinem Volk 1959 austrieben und verboten, übersetzt Sarah. „Du kannst nicht vorwärts gehen, ohne deine Geschichte zu kennen“, sagt er in einem Mix aus Englisch und Hawaianisch.

Bevor Leimana Kindern etwas lehrte und die Mauer seines Fischteichs zu reparieren begann, hat er alle möglichen Arbeiten gemacht, Landwirtschaft betrieben und Häuser gebaut. Aber „mein Herz und meine Seele waren nicht dabei“, sagt er. Die Sonne kommt raus und Leimana streckt die Arme aus. Er ist viel in der Natur und draußen, „er liebt die Sonne“, sagt Sarah, „und Erdbeeren“. Die Deutschen sind für ihn die „Weißen ohne ’Ha‘, ohne Atem“. Darum brauchen sie ihre Gärten zum Ausgleich, hat Leimana festgestellt. Er frage sich „Germany – where ist the party?“ Alle seien so beschäftigt hier, „ich verarbeite noch immer“, sagt Leimana.

Als die Steffens ihm kürzlich den Sportplatz am Bachlauf zeigten, hatte Leimana einen Einfall. Daraus müsse man einen Fischteich machen. So einen wie seinen. Das würde die Menschen im Ort zusammenführen und Hawaii nach Groß Berkel holen. Sarah erzählt, Leimana schlage vor, alle Männer im Dorf sollten sich zusammensetzen und darüber beraten, wie man alles am besten anfange. Im Haus der Steffens sitzt er bereits und zeichnet Lagepläne, wo was wie groß hinmüsse. Ein Plateau zum Hulatanzen solle man haben – die Hawaiianer und die Deutschen, sie sollten sich begegnen und, wie die Steine in seiner Fischteichmauer, aneinanderlehnen. Sich stützen und Halt geben, findet der Mann vom anderen Ende der Welt.

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  • Nun genießt Leimana den Besuch in Groß Berkel (mit Sarahs Schwester Annika und der kleinen Katharina Bild). Foto: nin
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  • Leimana Naki aus Hawaii hält die Steffens aus Groß Berkel auf Trab – und beschert Glück und Ruhe. nin

Wer Leimana Naki nun einmal selbst begegnen möchte, der hat dazu am Donnerstag, 16. Juli, um 18 Uhr Gelegenheit. Dann wird er in der Lichtinsel von Sarah Steffen, in der Erichstraße 2 in Hameln anzutreffen sein.

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