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Abschlusskonzert der IMAS stößt im Schloss- Festsaal auf großes Echo / Plädoyer für das Blech

Leidenschaftliche Intensität und Ausstrahlung

Bückeburg (dis). Zum alljährlichen Höhepunkt des Bückeburger Kulturlebens zählt zweifellos das Abschlusskonzert der Internationalen Musikakademie für Solisten im Festsaal des Schlosses. Denn wo treten an einem Abend so viele hochkarätige junge Talente auf wie bei der IMAS?

veröffentlicht am 24.09.2007 um 00:00 Uhr

Jeanne Maisonhaute und Alexej Gorlatsch glänzten bei 7 Variation

Auch nach der 29. Arbeitsphase blieb kaum ein Platz leer, als die Teilnehmer zeigten, was sie bei ihren Dozenten erarbeitet hatten. Diesmal hießen die Professoren Karl Heinz Kämmerling, Klavier, Wolfgang Boettcher, Cello, Stefan Dohr, Horn, und Markus Becker, Kammermusik. Á propos Kammermusik, die stand erstmals auf dem Programm und gleich mit Regers heiklem Largo aus dem "e-Moll-Trio, op 102". Eriko Makimura, Klavier, sowie Krzystof und Katarzyna Polenek, Violine, Cello, kurz das "Berolina Trio", unternahm aber einen derart anregenden doppelbödigen Noten-Spaziergang, der zwischen Erregtheit und Elegie pendelte, dass dieser auf starkes Echo stoßen musste. Vorangegangen waren van Beethovens sieben Variationenüber das Mozart-Thema: "Bei Männern, welche Liebe fühlen", dem sich Cellistin Jeanne Maisonhaute und Pianist Alexej Gorlatch ebenso kompetent wie mitreißend annahmen. In gleicher Kombination verliehen später Hendrik Blumenroth und Dunja Robotti Griegs Allegro agitato aus der "Sonate a-Moll" seine ganz eigene, sich frei entfaltende Atmosphäre. Ausdrucksvoll agierte überdies Kollege Nummer drei, Georgiy Lomakov, als er die mit üppigen Celloattacken gewürzten "strophes sur le nom Sacher" vom Zeitgenossen Dutilleux zum Besten gab. Den pianistischen Reigen begann Shaun Choo, indem er acht Teile aus Chopins Préludes, op. 28, mal zart und mal mit Charisma und Unmittelbarkeit interpretierte. Bei aller eleganten Verve blieb stets der Moment des Kontrollierten, was man vom prasselnden Beifall nicht sagen konnte. Als umsichtige Schumann-Deuterin erwies sich dann Yui Yoshioka beim Vortrag des Allegro op. 8. Yuis variantenreicher Ton und das Hineinhorchen in die Komposition ließ die Vermutung aufkeimen, dass Clara Schumann das Stück ihres Ehegatten dereinst ähnlich gespielt haben könnte. Große Klangfülle und schillernde, glühende Farbigkeit stellten sich ein, als Katja Huhn ihr Publikum abschließend - leidenschaftlich wild bis poetisch zart - mit Liszts "Ungarischer Rhapsodie Nr. 12" verzauberte. Ein Kraftakt, der viele Bravos nach sich zog. Zwischendurch bildeten acht Hörner eine lustvolle Musiziergemeinschaft, die ihren bunten Darbietungen an Atemtechnik und Tonschönheit nichts schuldig blieben. Hier traf das klangsatte "Lóstro armonico" von Vivaldi auf Rossinis mit dynamischer Differenzierungskraft und samtenen Ton hingeworfenes "Rendez-vous de la chasse" - und dort schlichen sich die hübsch ausbalancierte Stransky-Bearbeitung von Humperdincks "Hänsel und Gretel" und Mitsumm- Melodien aus dem Bond-Film "Goldfinger" in die Hörerherzen. Wenn das kein Plädoyer fürs Blech war!

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