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Austausch führt jungen Röcker nach Alaska / Keinen einzigen Tag bereut

Leben, wo sich 6300 Menschen 5800 Quadratkilometer teilen

Röcke (bus). Die im Südosten Alaskas gelegene Prince-of-Wales-Insel zählt nicht unbedingt zu den touristischen Top-Adressen. Dabei ist sie mit einer Fläche von etwa 5800 Quadratkilometern (Mallorca: 3600) von durchaus vorzeigbarem Umfang und die drittgrößte Insel der Vereinigten Staaten. Setzt man die Zahl der Quadratkilometer ins Verhältnis zu der der Einwohner (circa 6300) wird unterdessen schnell deutlich, dass es hier im äußersten Norden der USA verdammt einsam sein kann. Dass es sich dort trotzdem gut leben lässt, hat jetzt der Röcker Austauschschüler Marcel Thielepape erfahren. "Ich habe nicht einen Tag bereut", unterstreicht der 17-Jährige .

veröffentlicht am 25.06.2007 um 00:00 Uhr

Zurück in Röcke, wo Marcel Thielepape und die "Thorne Bay High S

Apropos "erfahren": Zunächst beeindruckten den Adolfiner die enormen Entfernungen. "Eine Stunde braucht man, um zur nächsten Stadt zu gelangen." Und die Fahrt mit der Fähre zu einem Auswärtsspiel der Basketballmannschaft "seiner" Thorne Bay High School kann schon mal 48 Stunden in Anspruch nehmen. Auf der anderen Seite ist die Winzigkeit einiger Umstände nicht minder beeindruckend. Die "High School" des 500-Seelen-Nestes Thorne Bay besuchen - vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse - insgesamt 85 junge Menschen. Die allerdings einiges auf die Beine stellen. So organisierte die neun Köpfe starke Abschlussklasse eine Senior-Trip genannte Reise, die mit hierzulande veranstalteten Schulausflügen wenig gemein hat. Der "Trip" führte über Reykjavik und Amsterdam nach Paris, Rom, Berlin und - Röcke. Flüge, Unterkunft und einen Teil der Verpflegung finanzierte die Gruppe aus gemeinsam in Szene gesetzten Aktivitäten. Was wiederum zwei weitere Extreme aufzeigt: Die Bewohner der 216 Kilometer langen und 72 Kilometer breiten Insel sind weder arm noch knickrig. Die Wirtschaft brummt; Fischerei, Forstwirtschaft und die Herstellung von Fischkonserven werfen gute Erträge ab. Und auch sonst ist die Welt auf Prince of Wales Island in relativer Ordnung. Thielepape: "Meine Gasteltern haben die Haustür niemals abgeschlossen und die Wagenschlüssel immer stecken gelassen." Ebenfalls etwas gewöhnungsbedürftig ist die Vorstellung, dass die Jugendlichen auf der gebirgigen und dicht bewaldeten Insel per "Quad" über Schotterpisten jagen und in der Freizeit wie selbstverständlich Schwarzbären und Rehe schießen. Was dem Hausgebrauch in unseren Breitengraden zuwiderläuft - Marcels Eltern blicken mit ein wenig Skepsis auf den mitgebrachten Hochleistungsschießbogen - wird durch eine andere Besonderheit sozusagen abgemildert: In Alaska gilt für Heranwachsende bis zum 21. Lebensjahr absolutes Alkoholverbot. Für den jungen Röcker, der die Heimreise des vom September 2006 bis zum Juni dieses Jahres dauernden Aufenthalts mit dem Abschlussdiplom der High Scholl in der Tasche antrat, wird es sehr wahrscheinlich ein Wiedersehen mit der Insel und ihren Bewohnern geben. Obwohl er "für den Moment genug geflogen und gefahren" sei, werde er dem Eiland im Pazifischen Ozean die Treue halten. "Alaska ist sicher nichts für jedermann", gibt er zu verstehen, aber für ihn stelle "Prince of Wales" eine "sehr coole Erfahrung" dar. Und er em-pfiehlt allen Gleichaltrigen, sich nach Möglichkeit ebenfalls um einen Schüleraustauschzeit zu bemühen. Thielepape: "Man lernt unglaublich viel."



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