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Hohenzollernprinz rüttelt nachts an der Forsthaustür / Geschichte aus dem Saupark bei Springe

Lautloser Pirschgang auf geharkten Waldwegen

Springe. . Georg Raven, Sohn des einst im Forsthaus Saupark wohnenden Oberförsters, hat in den 1920er Jahren seine Kindheitserinnerungen an das waidmännische Treiben während der Ära von Kaiser Wilhelm I. in Versform festgehalten. Wie daraus hervorgeht, informierte der Vater „per Drahtbericht“ das Hofjagdamt über den Beginn der Hirschbrunst.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 23:00 Uhr

Bevor 1878 rechts das Kavalierhaus errichtet worden war, logiert

Autor:

Ulrich Manthey

Forstbedienstete befreiten die Wege im Hallerbruch nicht nur von Laub und Zweigen, sondern harkten sie sogar, damit lautloser Pirschgang sowie gutes Abzeichnen von Tierfährten gewährleistet waren. Ärgerlicherweise verdreckten im Wald weidende Kühe mit ihren Fladen das gepflegte Terrain und Wandergruppen „vertrampelten arglos die mühsame Arbeit“.

In Erwartung der „hohen Herrn“ verwandelte Kutscher Konrad die von der Feldarbeit struppigen Forstpferde Max und Franz „zu glatten Kutschpferden“ und putzte die Geschirre. „Auch im Hause wurden die Fremdenzimmer gerichtet, Mutters ‚grüne Stube‘ besonders, die jetzt mit Bett und Wandschirm wurde instand gesetzt, für (…) Prinz Friedrich Karl, der ständig zur Pirsch erschien und im ‚Prinzenzimmer‘ logierte. Keller und Küche wurden geprüft zum Empfang der Jagdgäste, denn das ‚Schloss‘ blieb geschlossen, es wurde nur einmal im Jahr benutzet zur ‚Kaiserjagd‘ von Kaiser, Kronprinz und der Bedienung.“

Die Vorbereitungen waren noch nicht vollendet, da tauchte Briefträger Piepenbrink („Schatz von Hannchen, der Köchin“) auf und wedelte mit einem Telegramm. „Meist wusste er schon den Inhalt“. Bereits für den nächsten Tag kündigte Hohenzollernprinz Friedrich Karl sein Eintreffen an. Raven schickte seinen Kutscher mit langer Einkaufsliste nach Hannover und alarmierte die Kollegen. Dem Hund Hirschmann ließ er in der Wagenremise ein warmesBad aus der Brausekanne verpassen.

Mit der Droschke

über den Deister

„Nach Mitternacht schlagen kläffend die Hunde an. Laut wird an der Haustür gerüttelt. Mutter macht zuerst auf, öffnet das Fenster in Vaters Zimmer und ruft hinaus: ‚Wer ist da?‘ Eine unverständliche Stimme brummt etwas draußen. Die Hunde sind wütend. Ärgerlich ruft sie nochmals: ‚I zum Teufel wer ist denn da draußen?‘ Da ruft es deutlich und laut durch das Hundegebell: ‚Prinz Friedrich Karl!‘ Nun schlägt sie das Fenster zu, läuft zu Vater: ‚Der Prinz steht draußen!‘ Der fliegt aus dem Bett in die Walduniform und öffnet dem prinzlichen Klopfer. Da steht der Prinz wirklich im Dunkel, in lederner gelber Jagdjoppe, hohen Stiefeln und Jagdhut. ‚Lieber Herr Oberförster entschuldigt die nächtliche Störung“, beginnt er noch draußen, ‚hoffentlich hab' ich nicht Frau Gemahlin eben erschreckt am Fenster. Mich packt' das Jagdfieber und kam schon heute, doch musst ich die Nacht in Hannover bleiben. Das war mir zuwider; ich nahm eine Droschke, fuhr über den Deister, elende, fünfstündig' Fahrt, der Leibjäger mit dem Gepäck und Gewehren kommt mit dem Frühzuge morgen.“ Anstatt schlafen zu gehen, verbrachten der Prinz und der Forstbeamte die restliche Nacht am warmen Kamin, schlürften Champagner und erzählten sich Jagd- und Kriegsgeschichten. „Am anderen Morgen waren der Tabakkasten und etliche Flaschen Champagner geleert.“

Hirschgeweihe

krachten gegeneinander

Da der Kutscher noch nicht zurück war, brachen die angesäuselten Herren im Zwielicht zu Fuß auf, um sich an Nagels Kamp auf die Lauer zu legen. Es dauerte nicht lange, „da kracht es und stampft“ – die Geweihe zweier Hirsche prallten gegeneinander. Mit einem Schuss aus der geliehenen Büchse des Försters beendete Friedrich Karl den Zweikampf, dessen flüchtende Teilnehmer im dichten Nebel verschwanden. Hund Hirschmann nahm am langen Schweißriemen geführt die Spur des verletzten Tieres auf, um dann „mit hellem Standlaut“ das Stellen der Beute zu melden. „Ein Knall! und ‚der Kapitale‘ streckt sich, verendend im Dampfe. Raven bricht einen Eichenzweig benetzt ihn mit hellrotem Schweiß, überreicht dem Prinzen den Bruch.“

Nach einem „Waidmanns Dank!“ des blaublütigen Schützen wurde der Hirsch „gelüftet“. Nächstes Ziel war die Herrenbreite, wo das Röhren eines Geweihträgers nach einem Volltreffer der fürstlichen Kugel verstummte.

Auf dem Rückmarsch knallte die Hoheit am Teeplatz einen dritten Hirsch ab, delektierte sich am „Handfrühstück“ und ließ sich dann zum Bahnhof kutschieren. Der inzwischen eingetroffene Leibjäger folgte ihm mit drei Trophäen im Gepäck nach Berlin.

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