weather-image
29°
Anfrage von den Luthergedenkstätten erreicht Nammen

Laurentius-Kapelle als Vorbild für Nachbau in Wittenberg?

Nammen. Die 1523 erbaute St. Laurentius-Kapelle in Nammen ist nach allen vorliegenden Erkenntnissen Deutschlandsälteste Fachwerkkapelle. Auf der Suche nach vergleichbaren Bauten aus der Luther-Zeit erhielt der Kapellenverein Nammen aus diesem Grunde jetzt interessante Post aus Wittenberg. Die Stiftung "Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt" möchte aus Anlass der 500. Wiederkehr von Luthers Ankunft in Wittenberg die Klosterkapelle wieder errichten, in der der Reformator seine ersten Predigten hielt. Modell für diesen Nachbau könnte die bald 500 Jahre alte St. Laurentius-Kapelle werden.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 08:48 Uhr

Die Laurentiuskapelle in Nammen. Foto: krö

Autor:

Kurt Römming

Dr. Martin Treu, Vorsteher der Stiftung, berichtet: "Als Mönch und Universitätslehrer erinnerte sich Martin Luther später dankbar, dass die Kapelle des Klosters in Wittenberg Ort seiner ersten Predigten war". Dem weiteren Schreiben ist zu entnehmen, dass die Kapelle auf dem Klosterhof bereits 1537 abgerissen wurde und ein geplanter Nachfolgebau in den Wirren der Reformation nicht zustande kam. In den Händen der Stiftung befindet sich nur eine zeitgenössische Beschreibung, nach der es sich um ein "Fachwerkkirchlein in schlechtem Zustand" handelte. Es soll die Maße von etwa sechs mal neun Metern gehabt haben, kleiner als die St. Laurentius-Kapelle. Die Maße erinnern an die Vorgängerkapelle der heutigen St. Laurentius-Kapelle, die bis 1523 nach der Überlieferung am jetzigen Standort auf dem "Scheiwen Maat" in der Nammer Dorfmitte stand. Diese erste Nammer Kapelle wurde um 1350 von der Kuls, wo sie 1184 ein Einsiedlermönch errichtet hatte, nach Nammen überführt. Die gängige Bezeichnung "Klus" ist von "Klause" (Kapelle) abgeleitet und hat ihren Ursprung in der damaligen Zeit. Der Standort zwischen Röcke und Meißen wird der noch heute noch so bezeichnete "Katholikenhügel" im Wald gegenüber dem Hotel "Große Klus" gewesen sein. Zur Orientierung auf die Bauausführung des Wittenberger Nachbaues ist alles, was die Nammer an Fotos, Zeichnungen, Plänen und Informationen zur Kapellengeschichte zur Verfügung stellen können, von Bedeutung. "Vergleichbare Fachwerkbauten aus der damaligen Zeit sind äußerst rar, jedes Mosaiksteinchen ist uns wichtig", schreibt der Stiftungsvorsteher. Dem kommt entgegen, dass die St. Laurentius-Kapelle Anfang der neunziger Jahre von einem Studenten der Fachhochschule für Bauwesen Bielefeld-Minden vermessen worden ist und Detailzeichnungen und eine Baubeschreibung vorliegen. Diese Unterlage ist zusammen mit Fotos und einem dicken Paket Informationsmaterial auf den Weg gebracht worden. In Nammen hat die Anfrage aus Wittenberg allgemeine Freude ausgelöst. Seitens des Kapellenvereins ist man gespannt, wie die weiteren Reaktionen sein werden und ob es in naher Zukunft auf dem Hof des Lutherhauses tatsächlich zu einem Nachbau der Nammer St. Laurentius-Kapelle in kleineren Abmessungen kommen wird. In den zurückliegenden Jahren war die St. Laurentius-Kapelle in Nammen jeweils Ziel des ökumenischen Pilgerganges der evangelisch-lutherischen, der evangelisch-reformierten und der katholischen Kirchengemeinde Bückeburg. Der Weg führte die Pilger über Kleinenbremen und Wülpke in das Bergdorf am Nordhang des Wesergebirges.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare