weather-image
16°
Vor Gericht: Flasche Schnaps geklaut - vier Monate als "Nachschlag"

Lange Finger sogar im Hafturlaub

Bückeburg (ly). Da genießt ein Bückeburger (27) das Privileg, Hafturlaub zu haben. Und was tut er? Marschiert in den nächstbesten Supermarkt, um eine Flasche Schnaps für 5,99 Euro zu stehlen. Vor dem Amtsgericht in Bückeburg erhielt der Knacki jetzt Nachschlag: Wegen Diebstahls geringwertiger Sachen verurteilte Richter Armin Böhm ihn zu weiteren vier Monaten Haft. Staatsanwalt Wilfried Stahlhut hatte sogar ein halbes Jahr Freiheitsstrafe gefordert. "Der Angeklagte hat den Hafturlaub genutzt, um gezielt einen Diebstahl zu begehen", so Stahlhut.

veröffentlicht am 31.01.2008 um 00:00 Uhr

Als Motiv des Diebes gilt Frust. "Seit fünf Monaten hatte ich die Kinder nicht gesehen", erzählte er. "Wenn ich anrief, drückte meine Ex-Freundin einfach das Gespräch weg." In dieser Situation mag den 27-Jährigen eine innere Leere überkommen haben, die er mit ganz viel Alkohol auszugießen versuchte. Erst besorgte der Hafturlauber sich zwei Tetra-Packs Wein, nach deren Vernichtung er in die Innenstadt zog, wo er Freunde auf mehrere Biere traf. Und dann war da dieser Supermarkt. Der Bückeburger ging herein, griff nach einer Flasche Wodka, versuchte diese zu verbergen und wurde prompt vom Marktleiter erwischt. "Er wirkte noch recht fit", erinnerte sich der Geschäftsführer als Zeuge vor Gericht. Die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache: Auf der Polizeiwache hatte die unvermeidbare Blutprobe einen Promillewert von 2,42 ergeben. "Das hätte nicht sein müssen", fasste der Kleinkriminelle zusammen, der damals in Holzminden einsaß. Bei Straftaten aus der Haft heraus ist Bewährung in der Regel kein Thema. "Der Angeklagte sitzt wegen dreier Diebstähle und hat ein bewegtes Vorleben", erklärte Richter Böhm. "Auf die leichte Schulter können wir das nicht nehmen." Das Vorstrafen-Register des 27-Jährigen umfasst neun Eintragungen - von Verkehrsdelikten über Diebstahlund Drogensachen bis zur Körperverletzung. "Mein Mandant hat Probleme mit dem Lesen und Schreiben", erklärte Verteidiger Stephan Schuster. "Aber das Hauptproblem ist, dass er seine Kinder nicht sieht."



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt