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Kreis verfügt über eine schlagkräftige Umweltschutzeinheit / Einsätze nicht nur im Katastrophenfall

Landrat: "Wir haben unsere Kräfte gebündelt"

Obernkirchen (sig). Weil in der Bergstadt der Gefahrgutzug angesiedelt ist und der künftige Ortsbrandmeister Clemens Keich zugleich die Leitung der Umweltschutzeinheit hat, trafen sich alle angeschlossenen Züge am Donnerstagabend in Obernkirchen. Diese Zusammenkunft war gewissermaßen der Startschuss für die angestrebte Bündelung der Kräfte zur Abwehr atomarer, biologischer oder chemischer Gefahren im Schaumburger Land.

veröffentlicht am 17.03.2007 um 00:00 Uhr

Die gesamte Fahrzeugflotte der neuen Einheit vor der Feuerwehrte

Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier machte in Gegenwart der Führungskräfte des Kreisfeuerwehrverbandes und aller Aktiven der neu gebildeten Umweltschutzeinheit deutlich, wie wichtig dieser Schritt ist und welche Vorteile der Zusammenschluss hat. Er stellte noch einmal klar, dass der eigentliche Brandschutz eine Pflichtaufgabe der Kommunen ist, die damit auch zuständig sind für die Finanzierung der Fahrzeuge, Geräte und der Ausstattungen. Beim Landkreis ist hingegen der vorbeugende Brandschutz angesiedelt. Dazu gehört auch das Aufstellen von Bereitschaften der Kreisfeuerwehr für den überörtlichen Brandschutz. Dritte Säule ist der Katastrophenschutz, der in der Zuständigkeit des Staates liegt. "Deshalb lag es nahe, die Kompetenzen und Kräfte für die Einsätze zu bündeln,die durch gefährliche Stoffe ausgelöst werden", betonte der Landrat. Und so wurden die Gerätewagen Atemschutz und Strahlenschutz, der Gefahrgutzug und der ABC-Zug zu einer Einheit zusammengefasst. Heinz-Gerhard Schöttelndreier wies darauf hin, dass sich der Landkreis finanziell engagiert habe, um die Kapazitäten beim Messen von freigesetzten Chemikalien und von Brandrauch zu verbessern. Insgesamt würden jetzt fünf Messeinheiten zur Verfügung stehen, mit denen an verschiedenen Standorten zeitgleich Messungen von zum Beispiel chemischen oder radioaktiven Stoffen erfolgen können. Der Landrat: "Wie wichtig diese Aufgabe ist, hat der Schwelbrand des Düngemittellagers in Krankenhagen bewiesen." Für den ABC-Zug steht ein autarkes Zentrum für die Dekontamination zur Verfügung einschließlich Wasserversorgung, Zelten, Duschanlagen, Warmwasser- und Heizanlagen, um eine größere Anzahl von Personen reinigen zu können. Hier arbeiten auch Männer mit, die vom Wehrdienst freigestellt worden sind. Zum Gerätewagen für Atem- und Strahlenschutz gehört eine spezielle Gruppe für den atomaren Einsatz. Stationiert sind die Fahrzeuge der Umweltschutzeinheit sowohl in Obernkirchen als auch in Möllenbeck, Rusbend und Vehlen sowie bei der Feuerwehrtechnischen Leitzentrale in Stadthagen. Die 81 Aktiven stammen aus verschiedenen Ortswehren des Landkreises. Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote unterstrich, dass die erforderliche Umstrukturierung jetzt abgeschlossen sei. Er wies auf die vielen Gefahrenschwerpunkte hin, die es im Landkreis gibt. Dazu zählen die Autobahnen, Bahnstrecken, Wasserstraßen sowie Landes- und Bundesstraßen. Im Bereich Bahnerden und bei der digitalen Alarmierung besitze Schaumburg bereits eine Vorreiterrolle. Als wichtig sieht Grote aber auch die enge Zusammenarbeit mit den beiden Nachbarkreisen Nienburg und Hameln-Pyrmont im Bereich des Katastrophenschutzes an. "Wir können keinen schweren Unfall ungeschehen machen und auch nicht den letzten Tropfen Öl aufnehmen, aber wir vermögen im Ernstfall schnell das Notwendige und Richtige zu tun", versicherte der Chef der Umweltschutzeinheit, Clemens Keich. Selbst in einem großflächigen Gelände sei eine sichere radioaktive Überwachung möglich, zum Beispiel nach dem Absturz eines Satelliten. Am meisten rechnet er aber weiterhin mit Chemieeinsätzen im Straßenverkehr. Ironie des Schicksals: Der offizielle Teil des Treffen war just beendet, da gab es bereits eine digitale Alarmierung, und der größte Teil der Feuerwehrmänner rannte sofort zu den Fahrzeugen. Erfreulicherweise stellte sich schnell heraus, dass es ein Fehlalarm war, der von der Glasfabrik Heye kam.

Clemens Keich
  • Clemens Keich


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