weather-image
19°
Zuschuss für zwei Kindergärten / 80 Kinder werden gefördert / Stundenzahl wird erhöht

Landkreis: 22 000 Euro für Sprachförderung

Obernkirchen (sig). Es gibt noch Tage, an denen bei der Stadtverwaltung positive Briefe auf den Tisch flattern. Der Landkreis erkennt die Bemühungen von Rat und Verwaltung an, die Sprachförderung in den Kindergärten am Kammweg und am Kleistring fortzusetzen, und sagt bis zum 31. Juli des kommenden Jahres einen Zuschuss in Höhe von 22 000 Euro zu.

veröffentlicht am 17.08.2006 um 00:00 Uhr

Waltraud Denocke

"Das ist eine spürbare Entlastung für uns, nachdem wir für diesen Zweck keine Förderung vom Land Niedersachsen mehr erhalten", lobte der stellvertretende Stadtdirektor Bernhard Watermann die Entscheidung des Landkreises, der selbst nicht mehr auf Rosen gebettet ist. "Seit zwei Jahren finanzieren wir freiwillig dieses Projekt, weil wir von seiner Wichtigkeitüberzeugt sind; der Kreis hat uns in diesem Zeitraum auch schon einmal etwas unter die Arme gegriffen", ergänzte Watermann seine Ausführungen. Die Stadt hatte auch ihre Bemühungen fortgesetzt, dafür Landesmittel zu erhalten. Dort waren die Kriterien aber so verändert worden, dass die Bergstadt durch die Roste fiel, obwohl sie 2003 erfolgreich an dem vom Land initiierten Modellversuch teilgenommen hatte. Eine neue Regelung sieht jetzt aber vor, dass die für diesen Zweck vorgesehenen Landesmittel an die Kreise weitergereicht werden. Sie sind dichter dran an dieser Aufgabe und können besser beurteilen, wo Handlungsbedarf besteht. Auf diesem Feld ist der Bedarf nämlich deutlich gewachsen. Als sich Obernkirchen an dem Modellversuch beteiligte, war aus dem Landkreis nur noch Stadthagen dabei. Inzwischen gibt es im Schaumburger Land 19 Einrichtungen, die Anspruch auf eine Förderung erheben. In den beiden Kindergärten am Kammweg und am Kleistring werden zurzeit rund 80 Kinder sprachlich gefördert. Ihre Rückstände können ganz verschiedene Ursachen haben. Leichter nachvollziehbar ist das bei den rund 50 Prozent ausländischen Teilnehmern. Die meisten zu fördernden Kinder sind türkischer oder russischer Abstammung. Unter den insgesamt acht vertretenen Nationen sind auch Pakistan und der Libanon dabei. "Es gibt aber ebenso deutsche Kinder, die sich sprachlich nicht altersgemäß entwickelt haben", berichtete Waltraud Denocke, Leiterin des Kindergartens am Kammweg. Sie kennt die Gründe dieser für das weitere Leben sehr nachteiligen Entwicklung. "Wenn die Kinder daheim kaum Gesprächspartner haben, also wenig kommunizieren können, und stattdessen die meiste Zeit vor Fernseher oder Computer verbringen, dann bekommen wir diese Defizite hier im täglichen Umgang zu spüren", erläutert sie ihre Erfahrungen. Waltraud Denocke wird aber auch noch in anderer Hinsicht deutlich: "Bei manchen ausländischen Kindern möchten wir die Mütter gleich hier behalten und in die Sprachförderung einbeziehen; einige sind bereits ein Jahrzehnt in Deutschland und haben dennoch erhebliche sprachliche Defizite. Das dürfte nicht sein, wenn man hier seinen neuen Lebensmittelpunkt gefunden hat." Erfreulich ist wenigstens die Tatsache, dass die in kleinen Lerngruppen betreuten Jungen und Mädchen mit großem Spaß bei der Sache sind. Für diese Aufgabe sind eigens zwei pädagogische Kräfte eingestellt worden, die eine spezielle Ausbildung erhalten haben. Ihre "Unterrichtszeit" wurde auf jeweils 13,75 Stunden erhöht. Natürlich werden die sprachlichen Fortschritte nicht durch die in der Schule üblichen Lernprozesse erzielt, sondern eher auf eine etwas spielerische Art und Weise mit gezielt dafür entwickelten Lernmitteln, wie Spiele mit Bildkarten, aber auch durch Rollenspiele und durch das Einbeziehen von Kindern, die bereits überdurchschnittlich gut kommunizieren können. "Eigentlich haben wir bei Null angefangen, aber inzwischen sind die Hilfsmittel für dieses wichtige Projekt erstaunlich angewachsen", versicherte Waltraud Denocke. Heute reiche die Bandbreite bis hin zum Einsatz von speziell entwickelten Computerprogrammen. Wer an dieser Förderung teilnimmt, darüber entscheiden die Erzieherinnen der verschiedenen Kindergartengruppen in Zusammenarbeit mit den für diese Aufgabe besonders geschulten Pädagoginnen. Ein Jahr vor der Einschulung gibt es für die Abc-Schützen das, was mit dem Wortungetüm "Sprachfeststellungsverfahren"bezeichnet wird. Dabei wird dann geprüft, ob die spezielle Sprachförderung in der Schule fortgesetzt werden muss. "Das alles geschieht, weil wir möchten, dass sich alle Kinder als gleichberechtigte Partner empfinden sollen und nicht schon von den ersten Lebensjahren an ungleiche Entwicklungs- und Berufschancen haben", lautete das Fazit der Leiterin.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare