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Im Februar 1946 stieg der Weserpegel bis auf 7,70 Meter – für Städte wie Hameln und Rinteln eine Katastrophe

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Weser, Hochwasser, Hameln und Rinteln – das gehört seit Jahrhunderten zusammen. 1946 kletterte der Pegel in Hameln auf 7,70 Meter, in Rinteln auf 7,38 Meter – und er traf die Weserstädte nicht mal ein Jahr nach Kriegsende extrem hart. Das Umland war überschwemmt, und fast wären auch die Altstädte „abgesoffen“.

veröffentlicht am 13.02.2016 um 08:30 Uhr

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Autor:

dietrich lange

Weser, Hochwasser, Hameln und Rinteln – das gehört seit Jahrhunderten zusammen. Und wo heute die Öffnung der Städte zum Fluss gesucht wird, um die Weser zu erleben, hatte man früher eher Angst vor ihr oder nutzte sie als Transportweg. 1946 war die Angst besonders groß. Der Pegel kletterte in Hameln auf 7,70 Meter, in Rinteln auf 7,38 Meter – und er traf die Weserstädte nicht mal ein Jahr nach Kriegsende extrem hart. Das Umland war überschwemmt, und fast wären auch die Altstädte „abgesoffen“.

Ergiebiger Regen Anfang Februar 1946 floss schnell ab, da der aufgetaute Boden durch vorhergehende Niederschläge und Schmelzwasser einfach gesättigt war. Eine große Zahl von Ortschaften im Wesergebiet wurde überschwemmt. Unter den unmittelbar an der Weser gelegenen Städten waren Hannoversch Münden, Karlshafen, Bodenwerder, Rinteln, Hameln, Minden und Hoya besonders betroffen. Es waren bis zu mehrere hundert Meter lange Uferabbrüche festzustellen. Der Straßen- und Schienenverkehr war schwer behindert oder völlig unterbrochen. Großer landwirtschaftlicher Schaden entstand durch Viehverluste, Bodenabtrag oder Auflandungen, Vernichtung von Wintersaaten, Abschwemmung von Ernteprodukten und Betriebsmitteln sowie durch Beschädigung oder Verlust von baulichen Anlagen.

Der Landkreis Hameln-Pyrmont und die Stadt Hameln kennen die Folgen der Rekordfluten von 1946, 1956 und 1965. Auch in den Jahren 2003, 2011 und 2012 gab es Hochwasser. Im Februar 1946 kratzte der Wasserpegel an den Innenstadtstraßen, an der Pfortmühle stand bereits alles unter Wasser – ähnlich wie bereits 100 Jahre zuvor. Nur vier Katastrophen waren in Hameln noch verheerender als das Hochwasser von 1946 – nämlich jene von 1799, 1841, 1643 und 1342. So dokumentiert es jedenfalls die Hochwassersäule des Hamelner Grenzbeziehungsvereins direkt an der Innenstadt-Uferpromenade in Hameln.

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  • Das Überschwemmungsgebiet der Weser im Februar 1946 in Rinteln ist hier blau markiert. Museum Eulenburg
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  • Der Pegel an der Weserbrücke in Rinteln: 1946 steht weit oben. tol
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  • Die am Kriegsende gesprengte Weserbrücke in Rinteln war noch im Wiederaufbau, als im Februar das Hochwasser kam. Foto: Museum Eulenburg
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  • In Wasserröhrchen werden im Museum Eulenburg die Hochwasserpegel verglichen. 1946 steht auch hier ganz oben. tol
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  • Breiter Weg in Hameln: Wo sonst Gärten, Grundstücke und Wege zu sehen waren, überschwemmte das Hochwasser im Februar 1946 alles. Foto: Archiv Zeitreise
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„Nur mit Mühe konnten die Rettungsmannschaften den Durchbruch des Kapellenwalls zwischen Weser und Altstadt verhindern“, ist in Rinteln auf einer Info-Tafel im Museum Eulenburg zu lesen. Dort findet sich auch eine Übersicht über die Ausmaße des Hochwassers im Wesertal. Und eine Reihe von Glasröhrchen, gefüllt mit Pegelständen zum Vergleich. Auch am Pegelanzeiger unter der Weserbrücke findet sich ein Hinweis auf diesen extrem hohen Wasserstand. Die Brücke selbst war nach der Sprengung zum Kriegsende noch nicht wieder aufgebaut. „Der Pegelstand 1946 war katastrophal“, teilt Museumsleiter Dr. Stephan Meyer mit. „Er übertraf mit weit über sieben Metern sogar die Hochwasser von 1841 und 1909. Immerhin, der Kapellenwall hielt, zuletzt hatte 1799 das Wasser in der Stadt gestanden. Außerhalb der Wälle war der Rintelner Süden praktisch völlig überflutet, Dauestraße und Lemgoer Straße, der Friedhof sowieso, nur vom kleinen Löök war noch ein kleiner Bereich trocken. In der Nordstadt standen die Berliner Straße (heute Konrad-Adenauer-Straße) und die Bahnhofstraße nördlich des Kinos im Wasser, das Emerten und nördlich der Bahn die Marienstraße.“ „Schwer getroffen waren auch die Weserdörfer Ahe und Kohlenstädt (mit Ausnahme des alten Hofes Wessel), und auch Engern war, soweit nicht schon überflutet, praktisch eine Insel und nur mehr von Steinbergen aus trockenen Fußes zu erreichen“, fährt Meyer fort. „Die Kastanienstraße (heute Dankerser Straße) nach Rinteln war überflutet, die Felder in der Nähe auch alle, aber bis auf unseren hof ist das wasser auch damals nicht gekommen, nur unter zu den Ställen“, erinnert sich Jobst von Ditfurt-Siefken von Gut Dankersen. Der Bauernhof der Familie Fritz auf der südlichen Weserseite am heutigen Doktorseeweg war dagegen von Wasser umschlossen.

Auf der Informationsplattform Undine wird im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) innerhalb des Projektes „Verbesserung der Datengrundlage zur Bewertung hydrologischer Extreme“ an der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) entwickelt. Die AG OW der Flussgebietsgemeinschaft Elbe (FGG Elbe) begleitet die Entwicklung der Informationsplattform Undine, ist von deren Mitarbeiter Dr. Daniel Schwandt in Koblenz zu erfahren. Und auf der Internetseite von Undine wird Folgendes zum Weser-Hochwasser und seinen Wetterursachen berichtet: „Vom 4. bis 10. Februar trat außergewöhnlich viel Niederschlag auf, im Flachland 50 bis 70 Millimeter und im Bergland 250 bis 300 Millimeter. Der größte Tagesniederschlag wurde am 8. und 9. Februar gemessen, Spitzenwerte erreichten im Gebirge über 100 Millimeter. Ein kurzzeitiges Zwischenhoch setzte ab dem 10. Februar den starken Niederschlägen ein Ende. Auch die zweite Februarhälfte war mild und regnerisch. In diesem Monat wurde der langjährige Normalniederschlag um das Drei- bis Fünffache übertroffen. Der ergiebige Regen Anfang Februar 1946 wurde schnell abflusswirksam, da der aufgetaute Boden durch vorhergehende Niederschläge und Schmelzwasser wassergesättigt war. Es handelte sich also um ein Regenhochwasser. Werra und Fulda speisten schon vielem mehr wasser als üblich ein. Da auch kleinere Zuflüsse der Weser wie Schwülme, Emmer und Werre mit ihren zeitlich vorgelagerten Spitzenabflüssen ganz außergewöhnlich große Wassermengen zur Weser transportierten, wurden die Hochwasserscheitel an der Oberweser und oberen Mittelweser sehr früh erreicht.

Besonders große Schäden richtete das Hochwasser an der Ober- und Mittelweser, an der Aller unterhalb der Okermündung sowie im Oker-, Leine- und Innerstetal an. Menschenleben waren nur vereinzelt zu beklagen. Schwere Deichbrüche ereigneten sich an der Mittelweser oberhalb von Hoya sowie insbesondere an Diemel, Werre, Leine und Innerste. An den untersten 20 km der Aller wurden die Deiche an vielen Stellen überströmt. Auch hier traten Deichbrüche auf. Eine große Zahl von Ortschaften im Wesergebiet wurde überschwemmt. Unter den unmittelbar an der Weser gelegenen Städten waren Hannoversch Münden, Karlshafen, Bodenwerder, Rinteln, Hameln, Minden und Hoya besonders betroffen. Beträchtlichen Schaden hatte vor allem auch die Stadt Hannover nach Deichbrüchen an Ihme und Leine zu verzeichnen. Zahlreiche Brücken, Wehre und andere Flussbauwerke wurden beschädigt oder fortgerissen. Es waren bis zu mehrere Hundert Meter lange Uferabbrüche festzustellen. Der Straßen- und Schienenverkehr war schwer behindert oder völlig unterbrochen. Großer landwirtschaftlicher Schaden entstand durch Viehverluste, Bodenabtrag oder Auflandungen, Vernichtung von Wintersaaten, Abschwemmung von Ernteprodukten und Betriebsmitteln sowie durch Beschädigung oder Verlust von baulichen Anlagen.“



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