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Längerer Weg bedeutet kein höheres Todesrisiko

Rinteln (wm). Wer künftig nach einem Herzinfarkt von Goldbeck mit dem Rettungswagen in das neue Klinikum nach Vehlen gefahren wird, hat kein größeres Risiko, nur weil der Weg weiter ist als bisher nach Rinteln – im Gegenteil. Ludwig Janssen, der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes, widerspricht dem Schreckensszenario, das die WGS in einer konzertierten Aktion von Kreistagsmitglied Heinrich Sasse und Ratsmitglied Gert Armin Neuhäuser entworfen hatte (wir berichteten). Ein Thema, das am Donnerstag auch auf der Tagesordnung des Rates steht, der ab 19 Uhr im Ratskellersaal tagt.

veröffentlicht am 09.03.2010 um 14:52 Uhr
aktualisiert am 04.12.2012 um 14:52 Uhr

Sasse wie Neuhäuser befürchten das Schlimmste. „Bei dem Transport eines Schwerstverletzten von den Rintelner Ortsteilen aus – etwa von Volksen, Uchtdorf oder gar Goldbeck – wird die Transportdauer zu dem geplanten neuen Klinikum in Vehlen so groß sein, dass der Patient aufgrund der Zeitspanne in vielen Fällen tot sein wird“, schrieb Neuhäuser an den Bürgermeister, und: „Es dürfte bekannt sein, dass bei Patienten, die aus entfernteren Ortsteilen in einem Notarztwagen unter Wiederbelebungsbedingungen transportiert werden müssen, jede Sekunde zählt, sodass ein Transport bis nach Vehlen oftmals nicht zum Überleben führen wird.“ Logische Konsequenz für die WGS: Im Rintelner Krankenhaus müsse eine Notfalleinheit mit Intensivmedizin verbleiben.

Janssen hält diese Befürchtungen aus seiner fachlichen Sicht für völlig unbegründet. Wenn behauptet werde, dass aufgrund eines Unfalles, Herzinfarktes oder Schlaganfalles durch den langen Transportweg aus Rintelner Dörfern zum neuen Klinikum in Vehlen Todesfälle auftreten könnten, verkenne man den Wandel in der Rettungsmedizin. Janssen: „Notarzt und Rettungsassistententeams verstehen sich heute als vorgeschobene Intensivstation. Die Ausbildung des Personals und die medizinische Ausrüstung an Bord sind dementsprechend immer weiter aufgestockt worden.“ Bei einem Herzinfarkt beispielsweise beginne die entsprechende Behandlung, die Auflösung des Blutgerinnsels durch Medikamente, die sogenannte Lyse-therapie, bereits im Wohnzimmer des Patienten nach einer vorhergehenden Diagnostik. Im Rettungswagen können Patienten künstlich beatmet werden, und es gibt an Bord Perfusorer, Spritzenpumpen, um laufend Medikamente zu verabreichen.

Auch die gefürchteten Herzrhythmusstörungen seien ein Fall für das Notarztteam vor Ort, erläuterte Janssen. Im Rettungswagen gebe es externe Herzschrittmacher, damit könne man in Verbindung mit hochmodernen Defibrillatoren und EKG-Geräten erfolgreich solche Störungen in den Griff bekommen.

Aus Sicht des Rettungsdienstes sei der Standort des geplanten Klinikums in Vehlen sogar von Vorteil. Denn Herzpatienten müssten nicht mehr von Rinteln aus in die Kardiologie nach Stadthagen oder ins Herzzentrum Bad Oeynhausen gebracht werden. Auch Schlaganfallpatienten könnten künftig in Vehlen versorgt werden, die bisher meist in die Neurologische Klinik nach Hessisch Oldendorf oder ins Klinikum Minden gefahren worden sind. Janssen: „Allein für diese beiden sehr häufigen Krankheitsbilder wird es einen deutlichen Zeitgewinn geben.“

Ein Vorteil könnte der neue Standort für den geplanten Neubau der Rettungswache Rinteln werden – ein geeignetes Grundstück wird zurzeit gesucht. Janssen: Das bringt uns sicher gut vier bis fünf Minuten.“ Ein Problem, das die WGS offensichtlich nicht gesehen habe: Fünf Betten machen noch keine Notfalleinheit aus. Dazu gehören, schilderte Janssen, ein Kreislauflabor, ein Labor zur Blutuntersuchung und eine radiologische Abteilung mit einem Computertomografen, der bei Verdacht auf einen Schlaganfall oder eine Hirnblutung eingesetzt werden muss. Außerdem müsse das Personal dieser Abteilungen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das zusammen, schätzt Janssen, koste Millionen.

Als falsch wies Janssen auch das Gerücht zurück, der Landkreis Schaumburg plane, Notärzte zugunsten besser ausgebildeter Rettungssanitäter abzubauen. Janssen geht davon aus, dass hier eine Verwechslung mit der Notfallkompetenz der Rettungsassistenten vorliegt. Das heißt, speziell ausgebildete Rettungsassistenten dürfen für den Fall, dass der Notarzt nicht sofort erreichbar ist, in beschränktem Umfang notärztliche Aufgaben bis zum Eintreffen des Arztes durchführen.

Heute, betonte Janssen, wandle sich der Notarzt immer mehr zum „vorgeschobenen Intensivmediziner“, der durch seine Ausbildung wie die Ausstattung des Rettungswagens in der Lage sei, auch vital bedrohte Patienten über einen längeren Transportzeitraum optimal zu betreuen. Aus Sicht des Notdienstes stelle damit „der vom Landkreis Schaumburg eingeschlagene Weg mit dem Neubau des Klinikums in Vehlen die richtige Lösung dar“.



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