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Obernkirchener Geschäftsleute sind sich einig: Es wird sich nicht viel ändern / Für Großstädte sinnvoll

"Längere Öffnungszeiten sind nicht notwendig"

Obernkirchen/Gelldorf (sig). Was halten heimische Geschäftsleute von dem neuen Ladenschlussgesetz, das vom 1. April an in Niedersachsen gilt? Unsere Zeitung hat einige von ihnen befragt und dabei weitgehend übereinstimmende Antworten erhalten: Was in einer Großstadt vor allem den Kaufhäusern vollere Kassen verspricht, wird in Obernkirchen eher als Flop bewertet. "Bei uns werden zwischen 17 und 18 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt - da versprechen wir uns von längeren Öffnungszeiten so gut wie nichts".

veröffentlicht am 08.03.2007 um 00:00 Uhr

Helga Begasse hat das "Süße Kaufhaus" schon auf das Osterfest vo

Zumindest im Stadtkern dürfte sich deshalb vom April an kaum etwas ändern. Die Freigabe des Ladenschlusses wird zwar mehrheitlich nicht negativ bewertet, da jeder Geschäftsinhaber die Öffnungszeiten komplett selbst bestimmen kann. Aber er wird sich dabei natürlich sehr genau überlegen, ob eine Verlängerung überhaupt wirtschaftlich sinnvoll ist. Karin Warnecke, Inhaberin eines Sport- und Modeshops in der Friedrich-Ebert-Straße, sieht für sich keinerlei Handlungsbedarf. Da sie im April ein zweites Fachgeschäft in Rinteln eröffnet, plant sie für Obernkirchen eher verkürzte Öffnungszeiten. "Ich habe überwiegend Stammkunden; die werden sich entsprechend einrichten", erklärt Karin Warnecke und ergänzt: "Gehen Siedoch einmal zwischen 17 und 18 Uhr hier durch die Innenstadt, da ist doch kaum etwas los. Und wenn am Rösertor das neue Einkaufszentrum entsteht, wird es hier noch düsterer aussehen." Auch von den bisherigen verkaufsoffenen Sonntagen hält sie nicht viel. Deshalb lässt sie ihr Geschäft sowohl an den beiden Marktsonntagen als auch beim Beachballturnier geschlossen. Beim Sport- und Modegeschäft Artur Bloch erklärte eine Mitarbeiterin in Abwesenheit der Geschäftsführung, ihr sei von geänderten Geschäftszeiten nichts bekannt. Auch sie sehe keinen Handlungsbedarf dafür. Der Sonntagnachmittag beim Herbst- und Frühjahrsmarkt habe sich für das Unternehmen hingegen als sinnvoll erwiesen. Das werde man wohl beibehalten. Helga Begasse vom "Süßen Kaufhaus" betrachtet es nicht als notwendig, das Geschäft an den Werktagen über 18 Uhr hinaus aufzuhalten. Sie wiederum erinnert sich jedoch daran, dass die Marktsonntage gar nicht so schlecht besucht gewesen seien. Dann befinden sich nämlich etliche Stände auf der Friedrich-Ebert-Straße, die Besucher anlocken, während sich das Beachballturnier nur auf dem weiter entfernten Kirchplatz abspielt. Die Filialleiterin des Drogeriemarktes Rossmann, Heike Schaper, glaubt auch nicht daran, dass zeitlicheÄnderungen dem Unternehmen Vorteile bringen würden: "Wir fangen sonnabends eine halbe Stunde später an und haben dafür eine Stunde länger auf." Zusätzliche Regelungen ab April erwarte sie nicht und einen verkaufsoffenen Sonntag befürworte sie lediglich für den Herbstmarkt. Dann könne man die Dekoration schon auf das nahende Weihnachtsfest umstellen. Das sei ein zusätzlicher Anreiz für das Laufgeschäft. Für den Augenoptikermeister und Uhrmacher Michael Nehrmann wäre es interessant, wenn die Stadt eine Geschäftsöffnung zum ersten Adventssonntag ermöglichen würde. Dann finden zeitgleich der Adventsmarkt und der Basar im Stift statt. Als negativ für den Kernstadtbereich bewertet auch er den Umzug von "Aldi" und "Ernstings Family" zum Rösertor. Welche möglichen Änderungen beim "Marktkauf" anstehen, konnte die Bielefelder Zentrale noch nicht mitteilen. "Darüber dürfe jede Filiale selbst entscheiden", war die Antwort. Der Obernkirchener Marktleiter konnte dazu keine Stellung nehmen, er war gestern nicht erreichbar. Grundsätzlich sei es gut, dass sich das Land Niedersachsen bei seinen Entscheidungen auf diesem Sektor an Nordrhein-Westfalen ausrichte, denn die unterschiedliche Gesetzeslage habe im "Grenzbereich" zu Wettbewerbsverzerrungen geführt, erklärt Hubert Holtmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Möbelhauses in Gelldorf. Ihnärgert aber besonders die unterschiedliche Handhabung bei den verkaufsoffenen Sonntagen. Im benachbarten Ost-Westfalen habe es in den umsatzstarken Frühjahrsmonaten Januar bis März schon drei verkaufsoffene Sonntage gegeben. Weitere drei folgen im Zeitraum September bis Dezember. Da fließe nachweisbar etliche Kaufkraft aus der heimischen Region ab, denn neben den beiden Marktsonntagen könne er, so Holtmann, nur noch beim Beachturnier öffnen. Mehr werde nicht genehmigt. Im Nachbarkreis Minden-Lübbecke werde das offensichtlich legerer gehandhabt. Für den Raum Bad Nenndorf wiederum gelten die besonderen Bedingungen eines Kurortes. So sieht er sich zwischen den "Fronten" eingekeilt, was beim ohnehin härter gewordenen Wettbewerb keine wahre Freude ist.

Heike Schaper
  • Heike Schaper
Karin Warnecke
  • Karin Warnecke
Hubert Holtmann
  • Hubert Holtmann
Michael Nehrmann
  • Michael Nehrmann
Heike Schaper
Karin Warnecke
Hubert Holtmann
Michael Nehrmann

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