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Nicht nur vom "Steinbrinker Tor": Der neue historische Kalender erzählt seine eigenen Geschichten

Länderübergreifend vom Bett in die Küche

Obernkirchen (sm). Es ist ein Kalender, der Geschichten erzählt: Zwölf historische Aufnahmen hat Historiker Rolf-Bernd de Groot für die vierte Auflage ausgewählt. Und jedes Bild hat seine eigene Story.

veröffentlicht am 17.10.2007 um 00:00 Uhr

Das "Steinbrinker Tor" um 1890: Das Haus und der Grenzstein steh

Zum Beispiel das Novemberbild. Es berichtetüber die lange Historie Obernkirchens als Grenzort zwischen Hessen und Bückeburg. Eines der vier Stadttore Obernkirchens, das so genannte "Steinbrinker" Tor, stand bis 1855 an dieser Stelle. 1855 wurden auf Befehl aus Rinteln die letzten Torbefestigungen abgerissen, da "ein Schließen der Thore seit geraumer Zeit nicht mehr stattfindet". Da das Verkehrsaufkommen durch Steinkohlenfuhren der benachbarten Förderschächte und den Frachtverkehr der Glashütte Schauenstein dramatisch zugenommen hatte, waren die alten Torpfeiler zu Verkehrshindernissen geworden und manches vollbeladene Lastfuhrwerk daran angeeckt. Vor dem Steinbrinker Tor fanden auch die Viehmärkte auf der Wiese statt und im Steinbrink lag einer der Feuerlöschteiche für die Stadt, gespeist vom Wasser der abgeleiteten Hühnerbaches, der über die nahe gelegene gleichnamige Straße "strullte". Vor dem 30-jährigen Krieg musste das Tor den gesamten Verkehr mit Sandsteinfuhren vom Steinbruch zu den Verladestellen in Petershagen an der Weser passieren lassen. Wenn man von dieser Stelle aus nach Nordwesten blickt, signalisieren sofort unübersehbar die Kühltürme des Kraftwerke Lahde die Lage der Umladestation auf die Weserkähne. Später waren Kuhtor und Vehler Tor die wichtigeren Durchlässe. Als Obernkirchen 1865 preußisch wurde, markierte die Regierung hier den Grenzverlauf mit einer Sandsteinstele, auf dem als Hoheitszeichen der preußische Adler angebracht war. Dieser Adler ist deutlich vor der Kutsche zu erkennen. Der erst durch den Schaumburg-lippischen Landmesser Rüstmeister 1733 genau festgelegte und mit Steinen markierte Grenzverlauf ging mitten durch das traufständige Haus, sodass man länderübergreifend vom Schlafzimmer in die Küche trat. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat eine englischer Offizier den Adler vom Stein abgesägt und als persönliche Trophäe mit nach Haus genommen. Als Schattenriss ist er auch heute noch hartnäckig existent - eine schöne Idee wäre ein Nachguss des Hoheitszeichens als Erinnerung an den ehemaligen Grenzverlauf. Der historische Kalender 2008 ist exklusiv in der "Info-Galerie" erhältlich. Da er eine auf 200 Stück begrenzte Auflage hat und zur Zeit wie das sprichwörtliche "geschnitten Brot" läuft, müssen sich Interessierte schon sputen, um noch einen der begehrten Kalender mit den zwölf Obernkirchener Bildergeschichten zu erhalten. Er kostet 16 Euro.



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