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Schräg-scharfes Travestie-Spektakel im Kursaal Bad Eilsen / Verbaler Griff unter die Gürtellinie

Lachsalven und Applausbreitseiten für Frl. Luise

Bad Eilsen. Die Mädels aus "Frl. Luises Transenstadel" haben am Freitag im Bad Eilser Kursaal einmal mehr eine vollends bezauberte Zuschauerschaft zurückgelassen. Das schräg-scharfe Travestie-Spektakel erntete Lachsalve auf Lachsalve, Applausbreitseiten zuhauf und am Schluss, als sich Frollein Luise während desSongs "I did it my way" vom Pfundsweib zum Mann wandelte - auch einige Tränen. "Ich glaube, wir haben hier unser Publikum gefunden", merkte die/der augenscheinlich ebenfalls begeisterte Luise/Lutz an. Und verbürgte dem "ausverkauften" Haus stante pede ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

veröffentlicht am 24.09.2007 um 00:00 Uhr

Miss Jenniffer beherrscht das Mann/Frau-Wechselspiel besonders g

Autor:

Herbert Busch

Der als "Schrillste Nacht des Jahres" annoncierte Abend bot, in Zeitenüberbordenden Hechelns um "politisch korrekte" Formulierungen, treffliche Gelegenheiten, Definitionen wie "Mitgliederinnen" und "Frauen-Mannschaft" Herr zu werden. Dass das Quintett weder die handfeste Einbeziehung der Gäste noch den verbalen Griff unter die Gürtellinie scheute, tat dem allseitigen Vergnügen keinerlei Abbruch - wer zum Transentreff geht, erwartet keine Tupperparty. Angesichts der Zusammensetzung des Auditoriums - gesittet und graureif zumeist, etwa 80 Prozent weiblich - drängte sich allerdings ein Vergleich mit dem sexuellen Alltagstuttifrutti auf: Frauen stecken das besser weg. Und das ungeachtet der Überraschung, dass das nachgerade erotischste aller männlichen Teile (die Brieftasche) kaum nennenswerte Erwähnung fand. Bereits zum Auftakt zum Western-Klassiker "Spiel mir das Lied vom Tod" schießen die Transen scharf. "Du machst mich, vornehm ausgedrückt, schweinegeil", kommt die dauerrollige Denisse Zambrana dann auch bald zur Sache. Lilian Carre, ein Schätzchen der extra-spitzen Zunge, weicht dem Klartext ebenfalls nicht aus: "Wir haben keinen Eierstock sondern Eier am Stock." LeslieAnderson, bummsfidel und Beine bis zum Hals, mags zwischendurch auch mal ein bisschen diffiziler - "alles wird schlechter, nur eins wird besser: Die Moral wird schlechter." Miss Jenniffer macht keine großen Worte sondern trumpft mit Modeschauen auf. Und Frl. Luise, eine von Villeroy& Bruch, fesselt die Besucher, indem sie ihnen - mitunter im Wortsinn - die Kehrseite von Glanz und Glamour vor Augen führt. Die ewige Jungfrau und Hartz-VIII-Bezieherin punktet nicht nur als treu-trotteliges Landei sondern auch als uneheliche Tochter von Karl Moik und Marianne Hellweg. "Mir ist so komisch im Nacken, ich glaub, ich muss gleich....", gibt sie mit dem Feingefühl einer Feldhaubitze zu verstehen. Luise/Lutz ist es aber auch, die/der den Kursaal auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Als der flotte Fünfer nach allerhand weiteren Pimperlitzchen und Zoteleien die Verballhörner-- "liebe Gänse", "Muschidübel", "bin mit der Lusthansa eingeflogen" - einpackt und gemeinsam das unvermeidliche "My Way" anstimmt, kommt ihr/ihm die superb in Szene gesetzte Rückverwandlungsrolle zu. Zwischenfazit bis 2008: "Der ideale Mann raucht nicht, lügt nicht, trinkt nicht und existiert nicht."

Frl. Luise in der Rolle der unehelichen Tochter von Karl Moik un
  • Frl. Luise in der Rolle der unehelichen Tochter von Karl Moik und Marianne Hellweg.
Lilian Carre, ein Schätzchen der extra-spitzen Zunge, singt und
  • Lilian Carre, ein Schätzchen der extra-spitzen Zunge, singt und redet Klartext.
Denisse Zambrana bemüht sich um vornehme Ausdrucksweisen: "Du ma
  • Denisse Zambrana bemüht sich um vornehme Ausdrucksweisen: "Du machst mich schweinegeil".

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