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Der Orkan und die Folgen / Waldgenossen haben Glück im Unglück / Aber 160 000 Bäume abgeknickt

"Kyrill" zerstört die Arbeit von 60 Jahren

Kleinenbremen/Eisbergen (ly). Orkan "Kyrill" hat ganze Arbeit geleistet. Fünf Wochen nach dem verheerenden Sturm steht Christoph von Schellersheim auf der Eisberger Seite der Autobahnbrücke Kleinenbremen, fassungslos über diese Naturgewalt. Wo einst auf drei Hektar, umgerechnet etwa vier Fußballfelder, ein prächtiges Fichtenwäldchen gedieh, liegen bloß noch Stämme oder stehen Stümpfe. Zurzeit wird das Gelände von einer Firma aus der Lüneburger Heide geräumt, vermittelt durch das Forstamt Minden.

veröffentlicht am 02.03.2007 um 00:00 Uhr

Alles im Griff: Ein "Harvester" schneidet Bäume ab, entfernt Äst

"In Minuten hat ,Kyrill' die Forstarbeit von 60 Jahren zerstört", klagt Waldeigentümer von Schellersheim, zugleich Geschäftsführer der Bezirksgruppe Minden im Waldbauernverband. "Ein herber Verlust." Schlimm - aber es hätte schlimmer kommen können. "Ich habe Glück im Unglück, dass ich Mitglied in der Waldwirtschaftsgenossenschaft Jakobsberg sein darf", atmet der Eisberger Gutsherr auf. Weil von Schellersheim zu den organisierten Waldeigentümern gehört, greift ihm das Forstamt Minden auf der Grundlage entsprechender Verträge unter die Arme. "Wir regeln alles, einschließlich des Holzverkaufs", erklärt der Portaner Revierförster Achim Büscher. Vor allem hat das Amt einen "Harvester" organisiert. Das riesige Fahrzeug mit Greifarmschneidet die Bäume ab, entfernt Äste und verpasst den Stämmen jene Längen, die verschiedene Käufer wünschen, alles in einem Arbeitsgang. Ruckzuck entstehen so drei Sortimente für den Verkauf. Von Hand wäre die aufwändige Arbeit lebensgefährlich. Privatleute, die ihre Sturmschäden selbst beheben wollen, kann Andreas Roefs, beim Forstamt für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, daher nur warnen. "Wir haben die konkrete Sorge, dass die Unfallzahlen extrem steigen", sagt er. Viele Stämme stünden unter Spannung, Menschen könnten erschlagen werden. "Natürlich beraten wirauch Waldeigentümer, die nicht organisiert sind", erklärt Achim Büscher und empfiehlt den Beitritt zur Genossenschaft, denn Waldgenossen haben Vorrang. Für alle anderen endet das Entgegenkommen bei der Beratung Tel. (05 71) 83 78 60. Bäume müssen eine bestimmte Stärke haben, bevor sie gefällt werden können. Im Fall des Eisberger Bestandes war noch keine Fichte "hiebsreif", wie der Fachmann sagt. Der Großteil landet nun in der Industrie, doch optimalen Erlös bringen nur reife Stämme. Fichtenholz ist zurzeit äußerst begehrt. Neben dem finanziellen Verlust kommen auf von Schellersheim nicht nur Kosten für die Räumung zu, er muss auch in die Aufforstung investieren. "Das Waldbild istüber Jahre nachhaltig gestört", bedauert Andreas Roefs. Insgesamt hat "Kyrill" im Bereich des Forstamtes, das die Kreise Minden-Lübbecke und Herford umfasst, einen Sturmschaden von rund 80 000 Kubikmetern Stammholz angerichtet. Umgerechnet sind das etwa 160 000 Bäume, die abgeknickt waren oder so schwer beschädigt, dass sie gefällt werden mussten. Der kleinere Teil war Staatswald, zu ungefähr 60 Prozent hat es private Waldeigentümer getroffen. Viele von ihnen dürften sich jetzt überlegen, in die Genossenschaft einzutreten.

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