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Vor Gericht: Süchtiger verurteilt / "Wer Asyl bekommt und klaut, fährt ein"

Kurzer Prozess mit Ladendieb auf Rädern: Acht Monate ohne Bewährung

Bückeburg (ly). Drogensüchtige Ladendiebe sollten um Bückeburg einen großen Bogen machen. Ruckzuck geht das: Im März war ein Langfinger aus Bad Oeynhausen auf frischer Tat ertappt worden, nur einen Tag später erhob die Staatsanwaltschaft Anklage, während der Asylbewerber bereits in Untersuchungshaft saß. Und sechs Wochen danach hat das Amtsgericht den 27-Jährigen jetzt zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.

veröffentlicht am 24.04.2006 um 00:00 Uhr

Der Mann hatte vom Kleiderständer eines Geschäftes an der Langen Straße sechs Jacken im Gesamtwert von 430 Euro mitgehen lassen. Offenbar sollte das Diebesgut zu Geld für Drogen gemacht werden. Der Oeynhauser war an jenem Nachmittag mit'm Radl da und hatte sich nach eigenen Angaben kurz vor der Tat eine Dosis Heroin gespritzt, weshalb Richter Armin Böhm verminderte Schuldfähigkeit zumindest nicht ausschließen wollte. "Wer Asyl bekommt, sein Gastrecht missbraucht und hier klaut, der fährt ein", betonte Staatsanwalt Reinhard Meffert. "Das soll sich ruhig herumsprechen." Bei der Durchsetzung des staatlichen Strafanspruches, so Meffert weiter, sei die Bückeburger Justiz schneller als deren Kollegen in Nordrhein-Westfalen. In diversen ähnlichen Fällen war es zuletzt ebenfalls zu kurzen Prozessen mit harten Strafen für ausländische Ladendiebe gekommen. "Diese Landsleute des Angeklagten kommen so schnell nicht wieder hierher", glaubt der Staatsanwalt. Wenige Monate vor der Bückeburger Tat war der 27-Jährige in Bielefeld wegen sechsfachen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten mit Bewährung verurteilt worden, deren Widerruf nun droht. Darüber hinaus soll schon wieder ein neues Verfahren anhängig sein. Vor dem Bückeburger Amtsgericht war eine Aussetzung der Strafe kein Thema. "Der Angeklagte ist Bewährungsversager, lebt hier ohne feste Bindungen, verfügt über geringe finanzielle Mittel, ist drogensüchtig und hat keine Möglichkeit, seinen Rauschgiftkonsum auf legale Weise zu finanzieren", zählte Richter Böhm auf, was gegen Bewährung spricht - so ziemlich alles. Von einer positiven Prognose konnte daher keine Rede sein. Mit acht Monaten Haft ist der 27-Jährige noch gut bedient. Anfangs hatte die Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen räuberischen Diebstahls erwogen. Auf dieses Verbrechen steht mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe. Dazu hätte der Dieb allerdings Gewalt ausüben müssen, um im Besitz der Beute bleiben. Nach der Tat war der radelndeOeynhauser vom Inhaber des Ladens verfolgt und gestellt worden, hatte es aber vorgezogen, das Diebesgut kampflos zurückzulassen. Dann kam auch schon die Polizei.

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