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Teures Gutachten bietet wenig Nährwert / Rinne: Alles sehr, sehr oberflächlich

Kurortvergleich enttäuscht Politiker - "Das ist ganz, ganz doof gelaufen"

Bad Eilsen (tw). Lange Gesichter im Ausschuss für Fremdenverkehr: Die "Kurortvergleichsanalyse" (Kosten: 4000 Euro) ist offensichtlich das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben wurde. Das jedenfalls ist die Meinung des Gros der Politiker, die das 70 Seiten "starke" Papier jetzt bei ihrer Zusammenkunft im Haus des Gastes in den Händen halten.

veröffentlicht am 17.01.2008 um 00:00 Uhr

Selbst Olaf Boegner, als Leiter "Schaumburger Land Tourismusmarketing" extra zur Sitzung geladen, kann dem Papier nur Allgemeinplätze abgewinnen. Der Grund liegt auf der Hand, denn: "Das Gutachten ist eine bloße Datensammlung, die wenig Aussagekraft hat", spricht Hans-Jürgen Winkelhake als erster seine Enttäuschung aus. Der Vize-Fraktionschef der SPD: "Zum einen fehlt ein Fazit, zum anderen eine Rangfolge, aus wir erkennen könnten, wo Bad Eilsen im Vergleich mit anderen Kurorten in Niedersachsen steht." Fraktionskollegin Marina Gromzik sieht's nach dem Durchblättern ähnlich: "Da steigt man nicht durch." Wie Tourismusmanagerin Elke Dralle indes versichert, hat die Gemeinde im Zusammenhang mit dem Gutachten keinerlei Informationenüber die von Winkelhake angemahnte - fehlende - Rangfolge erhalten. Aufschluss darüber gibt allein ein Blick auf die Internetseite des Wirtschaftsministeriums. Dort ist zu lesen, dass Bad Eilsen den 40. und damit letzten Platz unter den 40 Kurorten in Niedersachsen belegt hat, die sich dem Vergleich stellten! Hintergrund: Die Kurortvergleichsanalyse ist ein Forschungsprojekt der Universität Trier in Kooperation mit dem Europäischen Tourismus-Institut; die Dokumentation wurde im Juni 2007 erstellt. Dieser - frühe - Zeitpunkt ist für Horst Rinne (CDU) nur ein Problem des vorliegenden Papiers: "Wir haben damals deutlich gemacht, dass Bad Eilsen noch nicht so weit ist, um sich einer Vergleichsanalyse zu stellen", so der Bürgermeister. Nur auf Drängen des Ministeriums habe die Gemeinde schließlich nachgegeben. Dralle sieht dasähnlich: "Der Zeitpunkt war unglücklich gewählt", sagt die Tourismusmanagerin. Denn die Bad Eilser Touristinfo sei zum Zeitpunkt der Datenerhebung nur mit einer Person besetzt gewesen - was zu dem schlechten Abschneiden in einigen Punkten geführt habe. "Da ist einiges ganz, ganz doof gelaufen." "Das Ganze", erweitert Rinne seine Kritik, "sieht nach der Arbeit eines Studenten im ersten Semester aus". Die Kurortvergleichsanalyse sei "sehr, sehr oberflächlich" ausgefallen und in einigen Punkten sogar schlichtweg falsch. "Etwa, wenn gerügt wird, dass die Gemeinde angeblich keine öffentliche Bibliothek vorhält", so der Bürgermeister mit einem kopfschüttelnden Blick durch den Lesesaal. Einer der wenigen, die der Vergleichsanalyse etwas abgewinnen können, ist Thomas Schütte: "Die Vergleichsanalyse bewertet Bad Eilsen mit Schulnoten von 1 bis 5", ist der Christdemokrat überzeugt. Was Winkelhake indes bezweifelt. Immerhin: "Ganz am Ende", weiß Rinne, "gibt es Checklisten, denen wir unsere Stärken und Schwächen entnehmen können." "Ganz doof" dabei allerdings: Bad Eilsens Internetauftritt schneidet in der Checkliste schlecht ab - was aber allein daran liegt, dass der neue (hervorragende) zum Zeitpunkt des Checks noch nicht online geschaltet war. Wie auch immer. Am Ende der Sitzung sucht Ausschusschefin Dagmar Söhlke (CDU) im Haus des Gastes wenigstens noch, gute Miene zum bösen Spiel zu machen: "Nutzen wir die ,Kurortvergleichsanalyse' einfach als Arbeitspapier im Rahmen des noch zu entwickelnden Masterplans."

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